Full text: Hessenland (11.1897)

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Herstellung des Friedens, finden sich darin sieben 
Burgmannsfamilien in Melsungen. 
Von höchster Wichtigkeit für Hessen war 
es, daß Landgraf Hermann im Einverständnisse 
mit seinem Oheime eine Erbverbrüderung mit 
Friedrich, Balthasar und Wilhelm, den 
Landgrafen in Thüringen und Markgrafen in 
Meißen, herbeiführte. Otto der Quade wurde 
ausdrücklich von der Nachfolge in Hessen aus 
geschlossen. Fünf Wochen rrach dieser Erb 
verbrüderung, am 13. Juli 1373, trafen die 
drei thüringischen Landgrafen bereits in Mel 
sungen ein und nahmen von Bürgermeistern, 
Schöffen und Bürgern die Erbhuldigung ent 
gegen. Im Falle, daß das hessische Landgrasen- 
haus ausstürbe, und Melsungen mit den übrigen 
Landestheilen an Thüringen siele, versprachen die 
Fürsten, die Stadt und ihre Bürger bei ihren 
Rechten, Würden und Gewohnheiten zu erhalten, 
auch die Renten, welche die hessischen Landgrafen 
aus Stadt und Schloß angewiesen hätten, un 
angetastet zu lassen. Ebenso wie die Pfand- 
gläubiger wurden auch Stadt unb Bürger sicher 
gestellt. Die Einlösung der Stadt und der 
Bürger sollte im Falle der Erbschaft durch die 
thüringischen Landgrafen geschehen. Hermann 
der Gelehrte verschaffte sich in Prag die Be 
stätigung des Kaisers, Karl's IV., für diese 
Erbverbrüderung und erlangte die Erhebung der 
Landgrasschaft Hessen auch in Bezug ans die 
Bestandtheile, die bisher mainzisches Lehen waren, 
zum Reichsfürstenthume. Durch einen Hosrichter 
wurden alle Forderungen und Klagen vernichtet, die 
früher Erzbischof Gerl ach gegen Hessen erhoben 
hatte. Eine Doppelwahl in Mainz machte vorläufig 
ein Einschreiten des Erzbisthnms unmöglich. 
Zn einer thatkräftigeren Kriegssührung gegen 
den Sternerbund gebrach es dem Landgrafen 
Hermann an Geld. Er wandte sich darum an 
den Deutschritter-Orden in Marburg, von 
dem schon seine Ahnen mancherlei Unterstützung 
genossen hatten. Bürgermeister, Schöffen und Ge 
meinde zu Melsungen leisteten am 29. Juli 1374 
dem Marburger Deutschen Hause für 
100 Mark Bürgschaft. Allein diese Anleihe 
reichte nicht aus, denn nun erhoben sich auch 
von Mainz her drohende Wolken. Im August 
des Jahres 1374 schloß Adolf von Nassau, 
derjenige unter den beiden mainzischen Erz 
bischöfen, der die größere Gewalt in Händen 
hatte, mit Otto dem Quaden ein Schutz- und 
Trutzbündniß und gewann auch viele Ritter des 
Sternerbundes für sich. Landgraf Hermann und 
sein Oheim Heinrich antworteten Ansang Oktober 
durch ein Bündniß mit den drei thüringischen 
Landgrafen und mit Herzog Albrecht von 
Gruben Hagen, der mit Otto von der Leine 
verfeindet war. Zu gleicher Zeit sah sich Her 
mann nach reichlicheren Geldquellen um. Bei 
einem Darlehen, das er von Friedrich von 
Felsberg annahm, traten wieder Bürgermeister, 
Schöffen und Gemeinde von Melsungen für beu 
Landgrafen ein. So erhebliche Dienste sonnten 
nicht unbelohnt bleiben. Bis zur Ablösung der 
schuldigen Summe erhielten die Melsunger das 
Recht, aus den herrschaftlichen Forsten der Um 
gegend, besonders wohl auf dem Karlshagen 
und im übrigen Riedsorste, so viel dürres Holz 
zu lesen, wie ein jeder ans einem Esel heim 
führen könnte, auch Haselgerten abzuschneiden nnb 
Zaunpfühle zu schlagen. 
(Fortsetzung folgt.) 
Geschichte der Burg Baustein. 
Nach den vorhandenen Quellen von Adolph Fey. 
fjjtös W e r rathaI birgt eine Fülle von land- 
ffif schastlichen Reizen in sich wie wenige Gegenden 
( ~t Deutschlands. 
Friedliche, noch mit altersgrauen Thürmen nnb 
Mauern umgürtete Städte nnb Dörfer, im 
Frühling vergraben im Blüthenschnee der Obst 
bäume, im Herbst gesegnet mit blinkenden Trauben 
im grünen Gelände, üben auf den Besucher einen 
bestrickenden Zauber aus, der durch die zahlreichen 
Schlösser und Burgen, die sich in den Fluthen 
spiegeln, noch erhöht wird. 
Die Perle von ihnen allen ist der Haustein, 
der Beherrscher des ganzen Eichsfeldes. Schoit 
voll Ferne, voir deut zwei Stunden entfernten 
Witzenhausen aus, werden die Blicke des 
Wanderers durch die imposanten Thürme der 
Burg angezogen, und je näher er kommt, um so 
mehr fühlt er deren überwältigenden Eindruck. 
Auf steiler Bergeshöhe, kaum eine halbe Stunde 
von der Werra, ragt drohend und erhaben die 
alte Veste zum Himmel, man bekommt den Ein 
druck, daß hier ein stolzes, kriegerisches Geschlecht
	        

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