Full text: Hessenland (11.1897)

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für bestimmte Fälle sogar das Recht der Ernennung, 
sowie die Befugniß jedes dritte Jahr die Wahl 
eines andern verlangen zn dürfen. Tast auch hier 
schließlich eine Einigung erzielt wurde, ist dem 
gegenseitigen Entgegenkommen in der die wichtigsten 
Interessen des Landes berührenden Angelegenheit 
zn verdanken. Ans Einwirkung der Abgeordneten 
Schesser und Henkel erhielt die Regierung trotz 
aller Opposition, die sich in der Ständeversammlnng 
geltend machte. — es seien u. a. die Namen 
Schombnrg, Eberhard. Wippermann, Louis 
von Banmbach (Banmbach III), Hahn und 
Schwarzenberg genannt — das Recht der Be 
stätigung der nengewählten Ortsvorstände, sowie 
die ausdrückliche Befugniß. die Bestätigung aus 
besonderen Gründen versagen Zn können, im 
Wesentlichen war bei diesem Kompromiß also der 
Bortheil ans Seite der Regierung. 
Sv war denn die langersehnte Gemeindeordnung 
nach langen, schweren Kämpfen zn Stande gekommen 
und hat als ein von allen Seiten hochgeschätztes 
Gut bis auf den heutigen Tag Bestand gehabt. 
Wünschen wir dem. was an ihre Stelle zn treten 
bestimmtist. eine eingehende nndsorgsältigeBerathnng, 
bei welcher ans die besonderen Interessen unserer 
engeren Heimath gebührend Rücksicht genommen wird. 
Airs Kermcrth xtnö Artemöe. 
Hessischer Geschichtsverein. Ter Verein 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
zn Kassel hielt am 25. Januar an gewohnter Stelle 
seine Monatsversammlnng ab. Ter Vorsitzende 
Bibliothekar an der Landesbibliothek Di-. B rn nner 
konnte abermals über den Eingang einer Reihe 
werthvoller Geschenke berichten, darunter befinden 
sich u. a. zwei Photographien der an der Nord- 
nnd Südstwade des Kasseler Zeughauses befindlicheu 
Skulpturen (Bildniß des Landgrafen Wilhelm IV. 
und hessisches Wappen nebst den Umrahmungen 
und Jnschristcntaseln) von Zeuglieutenant Pulver 
zn Kassel, die Karte der Obersörsterei Rvttebreite 
mit Flur- und Forstortsnamen von Forstmeister 
Mehlbnrger in Oberkaufnngen, die Lütres- 
]);itentes de creation et Statuts de Vordre de la 
couronne de Westphalie (1809) von. Professor 
Al anns in Kassel, das Buch „Unsere Mutter", 
Ein Gedenkblatt, von dessen Berfasser E. W. Heß 
von Wichdorfs, ferner ein Manuskript „Nach 
richten über die am 14. August 1770 geschehene 
Stiftung des Flirftl. Hessisch-Kasselischen Ritter 
ordens vom goldenen Löwen" (fortgeführt bis 180:») 
mit einer farbigen Abbildung des Ordens, eines 
Ordensritters und eines Trabanten von Postdirektvr 
a. T. Wolfs in Kassel, schließlich von Aiajvr 
a. T. von und zn Löwen st ein daselbst eine Ab 
schrift der „Akta. die mit den Landständen unterm 
!>. März 18:i 1 getroffenen Vereinbarung wegen 
der Dotation des kurfürstlichen Hofes betreffend". 
Ans dem Besitz des Bankiers F i v r i n o in Kassel 
legte der Vorsitzende eine Kirchenkastenreehnnng der 
St. Martinskirche von 1581 vor. An die 
K a s s e l e r G r i m m - Sa m m l n n g in der Landes 
bibliothek ist. wie weiter initgetheilt wurde, laut 
Borstandsbeschluß die bisher in der Vereinsbibliothek 
aufbewahrte Abschrift der in Kassel gesammelten 
Originalnnterschriften der Subskriptionen znm Unter- 
stütznngssonds für die 1.437 abgesetzten sieben 
Göttinger Professoren abgegeben worden. Den Vor 
trag des Abends hielt Bibliothekar an der Landes 
bibliothek Di-. Scherer über die Wilhelms 
höher Schloßbibliothek. Derselbe wurde mit 
lebhaftem Beifall aufgenommen. Anlaß zu den 
fesselnden Darlegungen des Redners bot der Umstand, 
daß aus Genehmigung des Kaisers von der ans 
Wilhelmshöhe befindlichen Schloßbibliothek der 
Hanptbestand in der Stärke von etwa 12 000 
bis 13 000 Bänden in die Landesbibliothek überführt 
werden soll, um dort ausgestellt und gleich bereit 
übrigen Bücherschätzen der Benutzung zugänglich 
gemacht zu werden, doch hat sich die Krone das 
Eigenthnmsrecht vorbehalten. Tie Ausführungen 
des Dr. Scherer bringt das Kasseler Tageblatt 
im Wortlaut. 
R'euer Fund im Schloß Wilhelmsburg. 
Im Riesensaale des bekannten Schlosses W i l h e l m s- 
b it r g hat der Zahn der Zeit wieder einmal etlvas 
recht Merkwürdiges an's Tageslicht gebracht. An 
dem großen, reich im Renaissancestil verzierten 
Stein über dem offenen Kamin befand sich in der 
Mitte ein großer, aufrechter, eiförmiger Fleck von 
:J 4 zn V) Bttr. Durchmesser, der in seiner schwarzen 
Uebermalnng. besser Ueberklernng, sehr unschön ab 
stach von der reichen und geschmackvollen Umrah 
mung der überaus feinen Bildhauerkunst und Malerei 
des betr. Kaminsteins. Als vor neun Jahren unter 
Leitung des Bauinspektors Laste der Kamin abge 
malt wurde, um in der Stuttgarter Gewerbehalle 
veröffentlicht zn werden, glaubte dieser das-Rechte 
zn treffen, als er in den schwarzen, häßlichen, 
plumpen Fleck einen neunmal roth und weiß gner- 
gestreisten hessischen Löwen hineinzeichnete. Im
	        

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