Full text: Hessenland (11.1897)

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Bergknappe sechs Jahr lang auswandern mußte 
und fortan nur noch schuldig sein sollte, sich ein 
Vierteljahr lang auf landgräslichen Richelsdorfer 
und Fraukenberger Bergwerken in aller Gruben 
arbeit zu üben. Nur dann sollte jemand noch 
auf auswärtige Bergwerke geschickt werden, wenn 
besonderer Nutzen davon zu erwarten namentlich 
die Aussicht vorhanden wäre, ihn zu einem Steiger 
anzuziehen, immer vorbehaltlich der Genehmigung 
der leitenden Kriegs- und Domänenkammer. 
Je weniger Bedarf an Arbeitskräften vorhanden 
war, desto mehr mußten die Bergleute die Kon 
kurrenz fürchten. Deshalb erregte es ihren größten 
Unwillen, als Landgraf Karl anordnete, daß 
die aus den Schmalkaldener Stahlschmieds 
hämmern überflüssig gewordenen Stahlschmieds 
knechte auf den Bergwerken Arbeit erhalten sollten. 
Ihrem Unwillen liehen sie dann in der den 
Stahlschmiedsknechten zu Theil gewordenen übelen 
Behandlung deutlich Ausdruck. Dies veranlaßte 
den Landgrafen, sich der Stahlschmiedsknechte noch 
mehr anzunehmen. Als die Hammerschmiede an 
Stelle der Gesellen Jungen in Arbeit genommen, 
die sie natürlich billiger hatten, verbot ihnen der 
Landgraf dies ernstlich und verlangte für die Zu 
kunft, daß lediglich Gesellen in ihren Betrieben thätig 
wären, und außerdem, um etwaigen Ueberschuß von 
Arbeitskräften vorzubeugen, genaueren Ueberschlag 
des thatsächlichen Bedarfs an Arbeitskräften. 
Dies ist übrigens wohl das einzige Mal, daß 
gegen Kinderarbeit eingeschritten wurde. 
Ueber die Lohnverhältnisse auf den Gruben, 
Hämmern ltnb Werken erfahren wir, daß der 
Gewinnerlohn nach der Anzahl der geförbertett 
Tonnen berechnet wurde, doch muß der Verdienst 
hier und da noch recht gering gewesen sein, da 
Landgraf Karl für Schmalkalden in seiner 
bereits mehrfach angezogenen Ordnung die Ein 
führung eines Hilssgeldes gebot, sodaß fortan 
von jeder Tonne einschließlich der letzteren sechs 
Groschen Gewinnerlohn gegeben wurden, doch 
durste der einzelne Mann nun nicht nach Be 
lieben darauf los arbeiten, sondern hatte sich mit 
einer festgesetzten Tonnenzahl zu begnügen. Hatte 
er so viel gefördert, so durste er indeß nicht 
etwa aufhören, sondern mußte mit den übrigen 
Schichtgenossen aushalten. 
Von der Verwaltung der Bergwerke ressortirten 
1782 wenigstens auch die Salzwerke, die Blau 
farben-, Weißblech- und Glasfabriken, die im An 
schluß an die planmäßige Hebung des Fabrik 
wesens seit Landgraf Karl entstanden waren. Seine 
Fürsorge hatte sich namentlich aus die Hebung der 
Fabrikation von Leinen-und Wolltuch, Modenzeugen, 
der Strumpfwebereien, Strickereien. Loh- und Weiß 
gerberei erstreckt. Eine frische, fröhliche Initiative 
war unter ihm zu bemerken, von der die Arbeiter 
wesentlichen Vortheil hatten und haben sollten. 
In gleicher Weise zeichnete sich besonders die 
Regierung des von unberufener Seite so viel 
geschmähten Landgrafen Friedrich II. bezw. 
Wilhelms IX., des späteren ersten Kur 
fürsten, in seiner ersten Zeit aus. Wir finden 
gegen Ende der Regierungszeit Friedrichs von 
den Bergwerken abgesehen in hessischen Landen 
Färbereien, Spinnereien, Strickereien, Tuchfabriken, 
Wollenwalkereien, Kattunfabriken, Bleichereien, 
Gerbereien, Papiermühlen, Blaufarben- und 
Stärkefabriken, Tabakssabriken, Seidenband- und 
Seidenzeugm anusakturen, Eisen-, Stahl- und Metall- 
fabriken, Gießereien, Achatschleifereien, Fahence- 
und Steingutsabriken, Glasfabriken, Chokolade- 
nmnusakturen, Spielkartensabriken und Hut- 
sabriken, von denen natürlich auf Kassel und 
Hanau, wo von früher her ein reges gewerbliches 
Leben herrschte, ein erheblicher Antheil entfiel, 
doch kamen auch ganz kleine Orte bezw. Bezirke 
erheblich in Betracht, wie Karlshafen, 
Rauschenberg. Biedenkopf, Niederaula, 
Grebenau, Herrschaft Itter, Lippolds- 
berg, der Löwen st ein er Grund, vor 
nehmlich aber Schmalkalden. 
Jedenfalls wurde in der verhültnißmäßig doch 
nur kleinen Landgrafschast Hessen geleistet, was 
damals zu leisten war. Ganz gewiß aber hat 
Hessen dem übrigen Deutschland in Hinsicht der 
Fürsorge der Fürsten für die heimische Industrie 
in keiner Weise nachgestanden, so wenig günstig 
an und für sich die Vorbedingungen für deren 
Aufblühen auch sein mochten. 
i-S'N 
Vas Pfiarrdorf Preungesheim. 
Von Pfarrer W. Innghans. 
(Schluß.) 
Güter wurden später geschieden in 
1. Güter, welche der Pfarrer bebaute (das 
jetzige Pfarrgut), 2. solche, welche, der Kirche 
gehörten, 3. Güter, welche verpachtet waren, 
4. solche, welche dem Orden zehnteten, und 5. Be 
sitzungen, welche zu den Hosgütern von Ecken 
heim und Preungesheim gehörte:! und zehntsrei 
waren.
	        

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