Full text: Hessenland (11.1897)

331 
Soldgten der aitdepen .Kouiiugsute u-iib brachen 
ans ,bpn Bstdw^keu/.ch^s Parlhcnpn Stjlcke und 
hechten sie-mit rmch-Haus. Gp stehen noch heute 
im Museum za .Kassel? zM Mariuortafelu. aus 
depp ParthGon,- welche das Regiment sammt einem 
weiblichen Kopf., .aus Marmor von außerordent 
licher, Schönheit und Anmuth mit. heim geführt hat. 
Der fesselnde begeisterte Bortrag fand ungeteilten 
lebhaften Beisall.. 
Das Na hl sche Haus. Laut amtlicher Be 
kanntmachung vom 3. Dezember ist ein neuer Flucht- 
linienplan für die K ö l n i s ch e Straße zu Ka s s e l 
zur Einsicht ausgelegt, welcher eine Regulirung der 
selben in gerader Linie in Vorschlag bringt. An 
und für sich würde dagegen nichts einzuwenden 
sein, wenn nicht durch die angestrebte Regulirung 
wieder ein kunstgeschichtlich berühmtes. Bauwerk in 
Mitleidenschaft gezogen würde, nämlich das jetzige 
Gans'sche, ehedem Nahl sche Haus an der 
Ecke des Königsplatzes (Nr. 55) und der 
Kölnischen Straße, von dem für den Fall 
der Durchführung des aufgelegten Fluchtlinienplanes 
ein Stück wegfallen müßte. 
Nach Piderit, Gesch. der Stadt Kassel (S. 293), 
war kein Zweifel, daß dies höchst bemerkenswerthe 
im Rocoeostil gehaltene Gebäude von keinem ge 
ringeren als dem berühmten Baumeister Simon 
Louis Du Ry herrühre, wofür auch ganz neuer 
dings noch Dr. $D 11 o Gerland in seinem Werke 
„Paul, Charles und Simon DuRy". Stuttgart 1895, 
S. 98, eintritt, während Gurlitt in seiner Ge 
schichte des Barockstils und des Rococo in Deutsch 
land, S. 440, den Erbauer in „einem um 1760 
wirkenden, bisher noch nicht nachgewiesenen tüchtigen 
Rvcoeomeister" aber nicht in dem Klassicisten Du Ry 
vermuthet. Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls ist 
das Haus des trefflichen Bildhauers Johann 
A u g u st Nahl. der bekanntlich mit seinem Sohne 
Samuel die Statue Landgraf Friedrich/s II. auf 
dem Friedrichsplatz geschaffen hat. an Reichthum 
in den Stnckverziernngen nur mit einem bestimmten 
derentwegen vielgenannten Wohnhause in München 
zu vergleichen. 
Ueber das Aeußere des Nahl'fchen Hauses noch 
einige Worte Die Fahnde will als bildhanerische, 
nicht als architektonische Leistung gewürdigt sein, 
denn die reich bewegten, reizenden Putten in einer 
Sternenglorie im Giebel, die tanzenden Kinder 
gestalten an den Pfeilern des Dachausbaues, die 
großen, trefflich angeordneten Gruppen über den 
Thüren, die an den Gesimsen herabhängenden Ge- 
räthe, schließlich der in der Mitte der Fapade an 
gebrachte, von zwei Atlanten getragene Aufbau mit 
der großen, von Putten umspielten Base im Flach 
relief-, alles .dies Ist znmrmiM leicht, ohne irgend 
welchen inneren Zusammenhang dem.©¿utrfemO alri= 
gefügt/ mneMstdekoration voll' -LöbenOuüd Mische, 
doch LuMans 'stilvoll-- dein Putzbnü entsprechend 
Und vor allemDstUmeistörlichtzM Gefchick.norgeführt. 
(GurlittnN.' ! a. Di S. 441.) 
Dm.chiev gegebene Schilderung läßt. einemProteft 
gegen etwaige Beschädigungsabsichten in Bezug .aus 
das Nahl-sche Hans vom Standpunkte des-Kunst 
historikers wie des Liebhabers alter Gebäudb für 
lediglich selbstverständlich erscheinen, und '4vir 
zweifeln >Micht, daß die zuständigen Stellen, zunächst 
der Bezirkskonservator für das ehenmlige.Knrhefsen 
Dr. Bickell zu Marburg und der Verein für 
hessische Geschichte und Landeskunde, sobald sie An 
laß haben, an die Verwirklichung der gehegten Be 
fürchtungen zu glauben, nachhaltig Einspruch er 
heben -werden. . 
Theater. Unsere heimische Dichterin Ma 
thilde Paar (geboren 1849), die jetzt in Leipzig 
lebt, ist in Kassel vornehmlich bekannt durch ihre 
Prologe zu festlichen Gelegenheiten und gelegentliche 
Festspiele sowie eine kleinere Plauderei, vielleicht ist 
vor Jahren auch einmal eine ihrer dramatischen 
Dichtungen im engeren Sinne in Kassel über die 
Bühne gegangen, ohne es aber zu einem nachhaltigen 
Erfolg gebracht zu haben. Die große Anzahl ihrer 
Schau- und Lustspiele steht zwar in Kürschner's 
Literaturkaleuder fein säuberlich verzeichnet, wird aber 
das Licht der Lampen an der Rampe nur ganz aus 
nahmsweise erblickt haben. Ein nicht viel anderes 
Geschick dürfte auch dem neuesten Erzeugniß ihrer 
dramatischen Muse dem Schauspiele „Der 
Buchstabe des Gesetzes" beschieden sein. Nach 
dem es am 7 Dezember bei seiner ersten Auf 
führung im königlichen Theater zu Kassel mit 
höchst mäßigem Beifall aufgenommen war, dürfte 
es sehr bald wieder vom Spielplan verschwinden. 
Die vorzügliche Jnszenirung und der Wetteifer der 
darstellerischen Kräfte bie aus ihren undankbaren 
Aufgaben das herausholten was irgend menschen 
möglich war wird daran nichts ändern können. 
In der That, eine wirklich unparteiische Kritik 
wird dem Stücke nur die eiue gute Seite ab 
gewinnen können, daß es einige wirksame realistische 
Szenen enthält, namentlich im zweiten Akt wo 
ein beut Trunk ergebener Nichtsthuer der feine 
Angehörigen tyrannisirt und schließlich die brave 
Frau in ihrer Verzweiflung aus dem Hanse treibt, 
sich in seinem vollen Glanze darbietet. Leider fallen 
diese Austritte aber ganz aus dem Rahmen des 
Stückes, das im übrigen einer rührfamen Birch- 
pfeifferiade zu vergleichen ist, nur mit dem Unter 
schiede, daß Charlotte Birchpseifser unleugbar im
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.