Full text: Hessenland (11.1897)

830 
rathe keinen Schwatzen, ich hab's gesagt ititb- ich 
bleibe dabei." 
!,JRös'l, überstürz'' -Dich nicht, rch bitte, das kann 
nicht Dein letztes Wort sein. Dein allerletztes." 
5,Jg,- mein allerletztes-! Daß Du es -Mißt'" 
Eine Weile war es still in dorn tleinktt Zim- 
iner, nur daS' Schluchzen dei' Mutter -war ver 
netz in ban 
Rös'l sah hartnäckig zum Fenster hinaus und 
rührte sich, nicht. 
Endlich ergriff Lorenz dm Chlindew Die 
Sprache oersagte ihm, er nickte der' Mutter zu 
und ging. Die alte Frau sank ans den Stuhl 
und weinte laut. Er war so ein braver Mensch, 
der Lorenz, so fleißig, solid, gar nicht ckvh, wie 
ihr Mann gewesen war, und dieses Glück, dieses 
stille goldene Glück warf ihr Kind von sich. 
Plötzlich vernahm sie ein Geräusch, Rös'l 
hatte das Fenster aufgerissen und schrie ganz rück 
sichtslos über die Straße hinüber „Lvrenz! — 
Lorenz'" 
„Mutterl, hol' ihn zurück, ich bitt' Dicch lauf, 
ich kann ihn nicht lassen, ich kann'S nickst, und 
daß es doch ein Kaminkehrer ist, na in 
Gottesnamen, — mag wohl eine Strafe für 
meinen Hochmuth sein." 
Aus Keirncrth xtxià gtremöe. 
Vortrüge in den Geschicht6verernen 
z u Marburg und Kassel. Am 26. No 
vember theilte Professor Dr, Heydenreich int 
Geschichtsverein zu Marburg in dessen Monats- 
sitzung „aus der Geschichte des Klosters 
Fulda" mit, er sprach z. B. über die ältesten 
erhaltenen Bauten des Klosters, über die ältesten 
Nachrichten über den Ort Fulda (vgl. auch „Hefsen- 
land" 1891 S. 279), über die wissenschaftlichen 
Studien der Fuldaer Mönche und die Bedeutung wie 
die älteste Ueberlieferung der Fuldaer Traditionen, 
auf die er unter Hinweis auf die seitens der histo 
rischen Kommission für Hessen und Waldeck ge 
plante und von dieser Professor Dr, Saugt zu 
Berlin übertragene Herausgabe des Fuldaer Ur 
kundenbuches des Näheren einging. Im Anschluß 
daran kann an dieser Stelle hinzugefügt werden, 
daß die Vollendung des 1 Bandes dieses Urkunden 
buches nach in der am 1t Dezember in Marburg 
stattgehabten Sitzung des Vorstandes der historischen 
Kommission gemachter Mittheilung für Ostern 1899 
in Aussicht steht. 
Zu Kassel sprach am 29. November ebenfalls 
in der Monatssitzung Dr. insä. Karl Schwarz 
kopf über „ di e T h eil n a h m e H e ss e n -Kassel- 
sch er Truppen an der B elag er tt itg von 
A then und di e Z e r st ör u n g d e s P ar t he n o n 
im Jahre 1 6 8 7 " Hessen-Kassel'sche Truppen 
waren Zeugen und Zuschauer jenes gewaltigen 
Sturzes, der die gebildete Welt noch heute mit 
Schrecken und Trauer erfüllt. Diese Truppen, ein 
neugebildetes Regiment von 1000 Mann, hatte 
Landgraf Karl auf eilte wie an den Kurfürsten von 
Sachsen, die Herzoge von Braunschweig und Würtem- 
berg auch an ihn ergangene Werbung der Republik 
Venedig, die als Bundesgenossin Kaiser L evpold's 
Krieg gegen die Türken führte, der Republik zur 
Verfügung gestellt. Nach eingehender Schilderung 
der Erlebnisse des Regiments auf dem Marsche 
nach Venedig bezw. der Fahrt von dort bis in 
den Hafen von Athen wandte sich der Redner der 
Belagerung der Akropolis, wohin die türkische Be 
satzung der Stadt sich zurückgezogen hatte, selbst 
zu und gab ein anschauliches Bild derselben. Das 
Bombardement gegen Mauern und Felsen der 
Burg begann am 25. September zunächst mit 
mäßigem Erfolge, wiederholte Versuche die steilen 
Felsen der Akropolis zu ersteigen, führten eben 
falls nicht zum Ziele. Die einzige Möglichkeit, des 
Zufluchtsortes der Türken Herr zu werden, bot 
das Bombardement der ehrwürdigen Gebäude 
der Burg selbst, zu welchem man sich schließ 
lich trotz des Widerspruchs des hessischen 
Kommandeurs Oberst Dumont entschloß. Ein von 
einem dem braunschweigischen Generalstab als 
artilleristischer Sachverständiger zugetheilten Ar 
tillerielieutenant abgefeuerter Schuß traf mitten 
in den Parthenon, in den man über 200 Personen, 
meist Frauen und Kinder, und mit ihnen Pulver- 
vorräthe in offenen Fässern geflüchtet hatte, weil 
man nicht denken konnte daß die Belagerer so 
barbarisch fein würden, ihre Geschosse aus den 
durch Schönheit und Alter so hochbedeutenden 
Tempelbau zu lenken. Der Tempel stürzte zu 
sammen und die Türken ergaben sich nach Wieder 
abzug eines inzwischen herangerückten Entsatzheeres 
am 29. November Die hessischen Soldaten die 
übrigens ihrer Heimath so zugethan waren, daß 
sie über dem feurigen Malvasier zu Athen, um 
mit dem Fähnrich Homberg in einem Briefe an 
seine Mutter zu Bach zu sprechen das Dünnbier 
zu Vach nicht vergeffett konnten, thaten wie die
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.