Full text: Hessenland (11.1897)

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Fluth fliegen sich kreuzende bunte Nachen, uns 
denen fröhliches Gespräch oder muntere Lieder er 
schallen. Der bescheidene Fußwanderer muß- seine 
Sinne und seine Gedanken beisammen halten', um 
nicht Radlern und Radlerinnen m die schwirrenden 
Bahnen zu gerathen und im genußvollen Schlendern 
zu einem wilden Sahe aufgeschreckt zu werden. 
Welch einen Tummelplatz bietet die Aue allen 
denen, die der Rücken eines stolzen Rostes trägt, 
wie behaglich rollen in ihren Schattcngängen die 
Gefährte der bevorzugten Sterblichen' 
Endlich, wenn wir auch der Jahreszeit ge 
denken, die den Menschen meist an das Haus 
fesselt, wo stnden die Freunde und Freundinnen 
des Eislaufes herrlichere Bahn als auf den er 
starrten Wasserflächen der Aue? 
Als noch die kleine Fulda ihre Fluthen längs 
der Moritzaue dahinwülzte, führte ein Jnselchen 
derselben die Bezeichnung „im Paradies"5 sie war 
von guter Vorbedeutung/ seitdem hat sich Mts 
rings um dieses ,Erdfleckchen! Gelegene zu -eurem 
Paradiese umgewandelt. 
Ich bin zu Ende, wenn auch noch Vieles,hätte 
gesagt werden können. In raschen: Gpgg^ ist 
vor uns die Entwickelung der Ane voxhher -ge 
glitten, dieser Schöpfrrng edler hessischer Fürsten, 
welche sie nicht in selbstischem Sinne für,-sich, und 
ihr Hans, sondern in ostenliegender Absicht, für 
ihre Hauptstadt ebenso geschaffen haben. Möge 
die Erinnerung hieran und ein Empfinden des 
Tankes nie erlöschen! 
Nun spreche ich Ihnen allen nreinen Dankmrus 
für Ihr gütiges Gehör und den Wunsch, daß 
Sie meine Liebe zur Aue nrrd meinen Genuß an 
ihr theilen möchten' 
Das Meihnachts-Kindertied: „Der Christbaum ist der schönste 
Baum." 
Von Metropolitan F. R r e b e li n g in W v l s s a ng e r. 
s^rsisnf’ , (Nachdruck verboten.) 
er Dichter des Liedes ist Johannes Earl 
HT geboren zu Nauheim bei Frredberg tu 
Hessen am 21 März 1806, gestorben als 
Konfistorialrath a. D. und Pfarrer zu Preunges 
heim bei Frankfurt a. M. am 23. Januar 1887 
Ueber seinen Lebensgang vermag ich weiter nichts 
zu sagen, als daß er, ehe er in Preungesheim 
stand, Konsistorialrath und Pfarrer in Hanau | 
war, wo er im Jahr 1842 unser Lied dichtete, 
und daß sein Name unter den Mitarbeitern des 
seligen Wichern aus dem Gebiet der inneren 
Mission schon frühe genannt worden ist. Ich 
selbst habe ihn einmal irn Leben gesehen, und 
zwar im Herbst 1869 11t Gelnhausen in 
einer außerordentlichen Versarnmlnng von Pfarrern 
des damaligen Konsistorialbezrrks Hanau, welchem 
rch in meinem ersten Pfarramt angehörte. Diese 
Konferenz war aus Ursache der damals für 
unsere hessische Landeskirche projektirten Pres- 
byterial- und Synodal-Verfassnng in der Absicht 
amtlich einberufen, einen allgemeinen Protest 
gegen bte beabsichtigte Neuerung zu veranlassen, 
wurde aber höherer: Orts in letzter Stunde 
telegraphisch verboten rrnd konnte daher nur rn Ab- [ 
Wesenheit des eigentlichen amtlichen Leiters als 
freie Konferenz zwecks Besprechung der Sache | 
gehalten werden. Da war unser Liedesdichter i 
Konfistorialrath Earl zu meiner Verwunderung 
fast der Einzige, der der projektirten Kirchen- 
verfastnna, die ja bekanntlich am allgemeinen 
aktiven und passiven Widerstand fast des ganzen 
kurhessischen Volkes scheiterte, eifrig das Wort 
redete und dringend bat, dieselbe als ein könig 
liches Gnadengeschenk dankbar anzunehmen. 
Ter Komponist der durchaus korrekt gesetzten, 
zweistimmigen und für Klavierbegleitung ein 
gerichteten Melodie, welche gleichzeitig mit dem 
Liede erschien und uns ungemein frisch, volks- 
thümlich und lieblich anmuthet, ist Georg 
Eisenbach, weiland Kantor an der Marien 
kirche zu Hanau und Lehrer an der Mädchen 
schule daselbst. 
Wo mir in Schulliederheften diese Melodie 
gedruckt vor Augen kam, fand ich sie regelmäßig 
recht willkürlich verändert und gegen das Original 
entschieden verschlechtert. 
Es ist leicht begreiflich, daß das Earl-Eisen- 
bach'sche Lied bei seinem Erscheinen im Jahr 1842 
rn Kurhessen, und besonders im Hananischen, 
lebhaftes, freudiges Aufsehen erregte. Zwar über 
die Grenzen unseres engeren Heimathlandes scheint 
es damals nur wenig hinansgedrnngen zu fein. 
Um so größer war das örtliche Interesse an diesem 
Liede. Ein geschickter Konditor - ohne Zweifel aus
	        

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