Full text: Hessenland (11.1897)

wegen keine Anstellung in Hanau haben erlange,: 
tonnen, weshalb er sich nach Lübeck gewandt habe 
Hören wir also was die Kirchenbücher der 
evangelischen Marlenkirche (vormals die 
„Hochdeutsch-reforinirte" Kirche) berichten 
Trauungsbuch 1 7 7 5. Nr. 7 „Am 
20. Februar 1775 ist kopulirt worden Jo 
hann Friedrich Geibel Raths- Bürger 
und Amtsdiener-Adjunctus in der Altstadt, 
wehend Johann Heinrich Geibel, gewesenen 
Misnachbarn zu .Wachenbuchen, nachgelassener 
etlicher Sohn mit Jungfrau Johanna K a t h a- 
rchna, des Johannes Ermentraut, Raths-, 
Pstrgsr- und Amtsdieners in der Altstadt ehe 
lichen, Tochter." 
Johann Friedrich Geibel starb am 17 Ja 
nuar 1828, alt 80 Jahre 1l Monat. (Todten- 
buch 1828. Nr. 7.) 
Johanita Katharina Geibel, des Herrn Johann 
Friedrich Geibel, Bürgers in der Altstadt, Ehe 
frau, geborene Ermetraut, starb am 23. März 1824, 
alt 70 Jahre. fTodtenbuch 1824. Nr. 39.) 
Aus der am 20. Februar 1775 geschlossenen 
Ehe des vorgenannten Johann Friedrich Geibel, 
Bürger-, Raths- und Amtsdieners in der Altstadt, 
und der Johanna Katharina geb. Ermetraut 
(Aermetraut) stammen folgende Kinder 
1 Ein Sohn Johannes geboren den 
1 April 1776, getauft den 4. April, Gevattern 
Johannes Aermetraut, Nathsdiener in der Alt- 
stadch und dessen Ehefrau, des Kindes Großeltern. 
2. Ein Sohn Daniel, geboren den 30. April 1779, 
verheirathete sich als Bürger- und Rathsdiener 
am 6. Juni 1809 mit Susanna Marie Lammers 
dorf, aus welcher Ehe am 32. April 1810 eine 
Tochter Katharine Friederike geboren wurde. 
Beide Eheleute starben früh: Daniel Geibel an: 
3. Mai 1817 im Alter von 38 Jahren, seine 
Ehefrau war ihm bereits am 20. Juli 3815, 
39 Jahve alt, im Tode vorausgegangen. 
3. Eine Tochter Anna Elisabeth, geboren am 
7. November 1789. 
Es bestätigt sich also, daß der aus Wachen 
buchen t stammende Großvater des Dichters in 
Hanau Nathsdiener und zwar zunächst als Adjunkt 
seines Schwiegervaters Ermentraut gewesen, welches 
Amt später auf feinen zweiten Sohn Daniel 
überging. Ueber feinen ältesten Sohn Johannes 
wissen wir, daß er in feinem 17 Jahre die 
Universität Marburg bezog und 1798 Pastor 
der reformirten Gemeinde zu Lübeck wurde, wo 
selbst ihm am 17 Oktober 1815 sein später so 
berühmter Sohn geboren wurde. Unter'm 18. No 
vember 1817 übersandte ihm der berühmte 
Theologe Schleiermacher das Diplom der theo 
logischen Doktorwürde. I)r Johannes Geibel, 
der am 27 Juli 1853 77 Jahre alt zu Lübeck 
starb, ein bedeutender Kanzelredner, bethätigte 
sich auch als eifriger Patriot während der Be 
freiungskriege und war als Dichter nicht unbegabt. 
Bon feinen geistlichen Dichtungen sind das Kon 
firmationslied „Lobfingt dem Herrn mit Herz und 
Mund" sowie das Gebetlied ..Herr schaue auf 
uns nieder" in's Gesangbuch übergegangen.*) 
'9 Eine ausführliche Darstellung über die Bedeutung 
1>r Johannes Gcibel's und feine dichterische Thätigkeit 
giebt das Schriftchen Geibel 's Vater Vortrag ge- 
halten im Lübeckischen Schillervcrein den 3. Nov. 1892 
von Hauptpastor L r n d e n b e r g (Lübeck 1893). Im 
Jahre 1817 besuchte Johannes Geibel seine Vaterstadt 
Hanau in Begleitung seiner Tochter Elise, die uns eine 
Schilderung ihres großelterlichen Hauses in ihren Auf- 
zeichnungen hinterlassen hat. (Lindenberg a. a. O. S. 13.) 
K. Keusohn. 
Mir unsere Aue geworden ist. 
Vortrag, gehalten im Vereine für hessische Geschichte und Landeskunde am 26. April 1897 
Von Carl von Stamford. 
(Schluß.) (Nachdruck verboten.) 
Iper Sohn Wilhelm's. Friedrich II., blieb i 
Jm feiner Hauptstadt fern, bis der Krieg ausgetobt 
hatte; erst nach den: am 1 November 1762 
Kassel von den Franzosen verlassen worden, kehrte 
der Landgraf in tiefer Stille am 2. Januar des 
neuen Jahres in seine Residenz zurück. Große 
Drangsale und bittere Noth hatten die Bewohner 
Kassels länger als sechs Jahre erdulden müssen, 
es dauerte geraume Zeit, bis die Menschen wieder 
den Muth der Freude hatten. Friedrich herrschte 
in mildem Sinne, seilte Regimenter im englischen 
Solde hatten ungeheuere Summen verdient, der 
Fürst erließ die Hälfte der monatlichen Kontri 
bution, führte noch andere wohlmeinende Neue 
rungen ein und half seinen Kasselanern, wieder 
froher in's Leben zu sehen.
	        

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