Full text: Hessenland (11.1897)

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ihren Weg durch sich selbst machen, nur dürste 
die Handlung mit dem als Kürassier verkleidet 
sich unter das Volk mischenden König Heinrich IV. 
von Frankreich und seinem die Paradeklinge im 
Pfandhaus versetzenden Leibdragoner etwas mehr 
zusammengezogen werden. Bei der Oper Lion(s 
bedarf es ein wenig der Unterstützung durch die 
landsmännischen Kreise, um ihr nachhaltigen Erfolg 
zu sichern. Das verhältnißmästig recht gute Text 
buch des Mainzer Dichters N o h a s ch e k behandelt 
das neuerdings wieder in so zahlreichen Variationen 
(Mascagni, Leoncavallo rc.) angezogene Eifersuchts 
thema. Die einer reichen Weißen zur Liebe ver 
lassene Indianerin Winapoh, die Lebensretterin, 
erschießt ihren treulosen mexikanischen Jäger Pedro, 
nachdem sie ihn wiedergefunden, stürzt sich selbst 
aber in den Abgrund. Die Musik des jungen 
Kasselaners zeugt von redlichem Streben und ist 
geschickt zusammengestellt, namentlich, soweit es sich 
um das lyrische Element handelt, in Bezug aus 
das Dramatische ist sie ein wenig zu banal gehalten. 
Es ist nicht zu leugnen, daß Zoellner in Bezug 
aus Originalität, Melodik und Instrumentation 
wenigstens vorläufig noch der Größere ist. 
Musikdirektor Or. Beier hatte Beides mit Liebe 
zur Sache einstudirt, auch ließ die Jnszenirung 
nichts zu wünschen übrig. Gleiches gilt von den 
mitwirkenden Kräften, unter denen in „Winapoh" 
Frl. Joachim (Winapoh) neben Herrn Bar tram 
(Pedro) und im „hölzernen Schwert" Frau Porst 
(Lisette) neben den Herren Bartram (König Heinrich) 
und Kietz mann (Gautier) besonders hervortraten. 
Todesfälle. In der Nacht vom 12. auf 
13. November verschied zu Göttingen Professor 
Dr. Viktor Hüter, eine Autorität als Frauen 
arzt, überhaupt einer der bekanntesten Aerzte seiner 
Vaterstadt Marburg, wo er am 16. Oktober 1832 
als Sohn des Direktors der Entbindungsanstalt 
Professor Karl Hüt er geboren war. Sein ganzes 
Leben hat der Verstorbene dort zugebracht. Er 
hat dort Anfangs der 50er Jahre studirt, seit No 
vember 1858 gelehrt und seine bedeutende Praxis 
bis kurz vor seinem Tode geübt. 
Am 16. November verstarb zu München der 
Kulturhistoriker Professor Wilhelm H. von 
Riehl im 75. Lebensjahre, der auch in Hessen 
durch seine gediegenen Vorträge und seine treff 
lichen Bücher bekannt ist, ein geborener Nassauer 
aus Biebrich. Was uns veranlaßt, seiner an dieser 
Stelle zu gedenken, ist der Umstand, daß er in 
Marburg Anfangs der 40er Jahre (1841) 
studirte und zwar Theologie. In seinem so sehr 
lesenswerthen Buche: „Religiöse Studien 
eines Weltkindes" (Stuttgart 1894) schildert 
er auf S. 424 u. ff. seine dortigen Erfahrungen 
in höchst fesselnder Weise, sodaß wir unseren Lesern 
die Lektüre desselben dringend an's Herz legen. 
'^etfonatien. 
Verliehen: dem Erbschenken im vormaligen Kur 
hessen Dr. Freiherrn Schenck zu Schweinsberg in 
Fünfkirchen in Ungarn, sowie dem Erbkämmerer eben 
daselbst Grafen von Berlepsch auf Schloß BerleUch 
bei Witzenhausen der Kronenorden 2. Klasse; dem Forst 
meister a. D. Cornelius zu Bischhausen der rpthe 
Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife und der Zahl 50; 
den Forstmeistern a. D. Wachs zu Kassel und Metz in 
Bracht der rothe Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife; 
dem Forstmeister a. D. Siebert in Neustadt der rothe 
Adlerorden 4. Klasse; dem Pfarrer S e ß l e r in Schönstadt 
der rothe Adlerorden 4. Klasse. 
Ernannt: Staatsanwalt Wagener in Kassel zum 
Ersten Staatsanwalt in Liegnitz, Pfarrer Siebert in 
Wehrda zum Pfarrer in Eichen; die Referendare Bl ackert 
und Dr. Rundnagel zu Gerichtsassessoren. — Rohde, 
Sekondlieutenant der Reserve des Feldartillerieregiments 
Nr. 34 (Metz) zum Premierlieutenant. 
Versetzt: Staatsanwalt G r e f f r a th in Frankfurt a. O. 
an das Landgericht nach Kassel. 
Geboren: ein Mädchen: Major Graf Franz 
Pfeil und Klein Ellguth und Gräfin Amelie, 
geb. von Loßberg (Kassel, 17. November). 
Gestorben: Pfarrer Friedrich Nie meyer, 
65 Jahre alt (Exten. 1. November); Eduard Scheller 
(St. Gilgenberg bei Bayreuth, 13. November); Frau 
General von Berger, geb. von Zeuner, 84 Jahre 
alt (Kassel, 15. November); Frau Hedwig Stölzel, 
51 Jahre alt (Haßloch, 15. November); Professor Dr. Karl 
Jsraöl-Holtzwart (Frankfurt a. M., 16. November); 
verwittwete Frau Gert rüde Keßler, geb. Kirchhof, 
44 Jahre alt (Kassel, 16. November); Lehrer Friedrich 
R o s e n st o ck, 34 Jahre alt (Kassel, 17. November); Bäcker 
meister Konrad Weißenborn, 48 Jahre alt (Kassel, 
18. November); Kaufmann Julius Kehm (Kassel, 
19. November); Postsekretär a. D. Konrad Gehn er, 
73 Jahre alt (Kassel, 25. November). 
Tonristische Mittheilnngen aus beiden Hessen, 
Naffau, Frankfurt a. M., Waldeck und den Grenze 
gebieten, herausgeg. von Dr. Wilh. Lange, Jahrgang V, 
Nr. 5 (November 1897). Inhalt: Grubenhagen von 
Scheibe. Die Taunusfahrt des Niederhessischen Touristen 
vereins sZweigverein Kassels von G. Haupt (Schluß). 
Rheintour des Taunusklub. Von Fried. Ad. Schmidt. 
Eine alte Räuberherberge im Taunus. Die Fuchsmühle 
bei Schloßborn. Hexenritt von Ludwig Mohr. Berichte. 
Briefkasten. 
L. P. in Kassel. Der Verfasser des Artikels über 
„Die Kunst in Kassel" erklärt, seine darin geäußerten 
Ansichten nach jeder Richtung hin mit seinem Namen 
vertreten zu wollen. Demgegenüber würden wir nur 
dann Ihrem Gegenartikel Raum geben können, wenn Sie 
uns gleichfalls in den Besitz Ihrer genauen Adresse setzen 
möchten. 
Für die Redaktion verantwortlich: Dr. W. Grotefend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel, Kassel.
	        

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