Full text: Hessenland (11.1897)

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Abhandlung „Die Altkönig-Ringwälle" 8 * ) in den 
Ringwällen nur Zufluchtsstätten für die Bevölkerung 
in schlimmen Zeiten. Für die hier in Rede stehende 
Altenburg insbesondere hatte schon Landauf auf 
Grund der deutlich zu erkennenden drei Ringwälle 
erklärt, daß es eine von Germanen befestigte Zufluchts 
stätte für plötzliche Ueberfälle gewesen. Er trat dabei 
entschieden der Meinung entgegen, welche eine Be 
festigung der Römer annehme, da diese in unserem 
Lande, dem eigentlichen Chattengebiete, nirgends 
festen Fuß gefaßt hätten und insonderheit der 
Name des am südlichen Fuße der Altenburg ge 
legenen ehemals löwensteinschen Dorfes Römers^- 
berg dafür keinen Anhaltspunkt gewährte, da der 
selbe mit den Römern nichts zu schaffen habe und 
eigentlich Rennershufen laute. v. Gilsa hat dann 
in einer Abhandlung in den Mittheilungen von 
1882 (S. LXXII sg.) unter genauer Beschreibung 
der drei Ringwälle und in einem Vortrage beim 
Ausfluge des Vereins am 8. September 1883 auf 
die Altenburg, wiedergegeben in den Mittheilungen 
von 1883 (S. XVI sg.), sich dahin ausgesprochen, 
daß diese im Gegensatze zu Ringwällen an anderen 
Orten mehr den Charakter einer Befestigung trage, 
woraus auch die Bezeichnung „Landwehr" in der 
dortigen Gegend hinweise. 
Daß neben der, möchte man sagen, strategischen 
Bedeutung der Ringwälle denselben auch die Eigen 
schaft von Kultusstätten zukam, geht wohl aus zwei 
Umständen hervor. Die alten Deutschen verehrten 
ihre Götter nicht wie die anderen Völker des Alter 
thums in Tempeln, sondern in den Wäldern, in 
8 ) Festschrift zur Feier des 50. Jahrestags der Stiftung 
des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde zu 
Kassel. 1885. S. 24 sg. 
'9 Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte und 
Landeskunde, a. F.. Bd. VIII, S. 92 sg. 
heiligen Hainen, sei es nun in Ebenen oder auf 
Höhen, und sie mußten die Stätten ihrer Götter 
verehrung schützen, was durch die Umwallungen 
am besten bewerkstelligt wurde. Sodann aber 
wollten sie, wenn der Kamps in der offenen Feld 
schlacht nicht thunlich, sondern eine Vertheidigung 
von gedeckter Lage aus nothwendig war, auch ihre 
Götter um sich haben. 
b) Der Name Altenburg ist außerordentlich 
häufig in dem ehemaligen Kurfürstenthum Hessen 10 ), 
in der darmstädtischen Provinz Oberhessen, wie bei 
Nidda und bei Schotten, hier im Volksmunde 
Altenburgskops genannt u.s. w. An viele dieser 
Altenburgen knüpfen sich auch Sagen cm. 11 ) 
In demselben Sinne ist c) die Altenburg, 
einst der Sitz der Kurfürsten von Sachsen, auf 
der im Jahre 1455 der sächsische Prinzenraub 
von Kunz von Kaufungen und seinen Gefährten 
verübt wurde, und jetzt Residenz der Linie Sachsen- 
Altenburg, hierher zu rechnen, da sich dieselbe nach 
Ansicht der Gelehrten auf einem früheren Ringwall 
erhebt. Ueber die Beschaffenheit der ursprünglichen 
Befestigung, welche als von den ehemaligen Be 
wohnern. den Wenden, in dieser Gegend auch 
Sorben genannt, angelegt angenommen wird, gehen 
die Meinungen auseinander, ebensowenig wie sich 
die Zeit der Anlage des jetzigen Schlosses genau 
bestimmen läßt, welche meistens schon in das 10. 
Jahrhundert gesetzt wird. 12 ) Und so lassen sich 
noch verschiedene Altenburgen in Deutschland an 
führen. tz. W. 
") Vgl. Landau. Wüste Ortschaften, VII. Supple 
ment der Zeitschrift f. h. G. u. L.. S. 160.164.199. 200.295. 
") Vgl. Archiv. Bd. IV. H. 1. S. 272 sg.; Bd. V. 
H. 2. S. 58; Bd. X, H. 3. S. 289 sg. 
lä ) Vgl. Mittheilungen der Geschichts- und Alterthums 
forschenden Gesellschaft des Osterlandes zu Altenburg, 
Bd. II. H. 3, S. 272 sg.- Bd. VIII. H. 3. S. 449 sg. 
Airs Keimcrth und gtrmtöe. 
Am 6. Januar, dem Todestag des letzten Kur 
fürsten von Hessen Friedrich Wilhelm I., 
lvar dessen Grabstätte auf dem alten Todtenhos 
zu Kassel besonders reich mit prachtvollen Kränzen 
mit Bändern in den hessischen Landessarben geschmückt. 
Nachtrag zur hessischen Todtenschau von 
1896: Domdechant Kalb zu Fulda, 14. Februar, 
81 Jahre alt; Metropolitan a. D. Gottfried 
Schantz zu Kassel, 19. Februar, 86 Jahre crlt; 
Kaufmann Hermann Lud ewig zu Kassel, 
13. November, 59 Jahre alt. 
Der neue deutsche Gesandte in Marokko 
Freiherr Schenck zu Schweiusberg. Auf 
den in neuester Zeit infolge der an angesehenen 
Deutschen in Marokko verübten Mordthaten be 
sonders in den Vordergrund gerückten und wichtig 
gewordenen Posten eines Gesandten des Deutschen 
Reiches in Marokko ist ein geborener Kurhesse 
berufen worden, dem es hoffentlich gelingt, dem 
Ansehen des Reiches dort nachdrücklichst Geltung 
zu verschaffen und weiteren Unthaten vorzubeugen. 
Es ist Gustav Adolf K a r l R u d o l s (ge 
nannt G u st o l s) Freiherr Schenck zu 
S ch w e i n s b e r g, bisher deutscher Gesandter in
	        

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