Full text: Hessenland (11.1897)

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Truppenmacht zur Besetzung durch diese (10. Ok 
tober 1631), daun wieder zur Besetzung durch 
ein schwedisches Corps (12. Okt. 1631). In 
dieser Weise wiederholter Besitzwechsel. Im ivest- 
sälischen Frieden (1618) blieb Fritzlar mainzisch. 
Nachdem es in den zwischen Deutschland und 
Frankreich geführten späteren Kriegen, den sog. ! 
Raubkriegen, durch verschiedene Trnppen-Tnrch- 
märsche zu leidere gehabt, muß aber das Schicksal ! 
im siebenjährigen Kriege noch schlimmer ! 
gewesen sein als im dreißigjährigen, da mit- j 
getheilt wird, daß drei Jahre so gut als gar j 
nicht geerntet werden konnte, da die Felder durch 
Abmühen und Verfuttern der Fruchte aus 
genutzt oder durch aufgeschlagene seiger und das ! 
Weiden der Pferde in den Saaten zertreten ! 
worden war. 1760 befand sich ein Magazin der 
Verbündeten in Fritzlar, einem französischen 
Streifeorps unter Roman gelang es in die Stadt 
einzudringen, es mußte sie aber beim Herannahen 
einer größereil Trnppenmacht der Verbündeten 
wieder räulneil. Länger wußten sich aber darin 
die Franzosen 1761 zu behaupten, sogar gegen 
den Erbprinzeil von Braunschweig, schließlich 
schlosseil sie auf Bitteil der Bürger eitle ehren- ! 
volle Kapitulation ab. , 
Nach dein anl 0. Februar 1801 zwischen dem 
letzteil deutscheil Kaiser Franz II. lind der Re 
publik Frankreich abgeschlossenen Lnneviller I 
Frieden wurde das linke Rheinnfer all Frank 
reich abgetreten und zur Entschädigung der j 
dadiirch betroffenen erblichen Reichssürsten eine 
aus den Gesandten von acht Fürsten bestehende 
Deputation bestellt. 'Nach dem voll dieser gefaßten 
Reichsdepntationshallptschlllß vom 18.Anglist 1802 
kamen die in Hessen gelegeneil kurmainzischen 
Aemter «Fritzlar, Neustadt, N'aniubnrg und 
Amöneburg) nebst der Reichsstadt Gelnhausen 
n. s. lv. für den Verlust von Rheinsels und 
Goar unter dem Titel eines Fürste nthnms 
Fritzlar an Hessen, dessen Schicksale sie fortan 
theilten. - 
Die Stadt Fritzlar, an einer Anhöhe der in 
verflossenen Jahrhunderten Gold führenden Edder 
gelegen, in die sich die mehrere Mühlen treibende 
Elbe ergießt, bietet mit den stattlicheil Kireh 
thürmen und den znm größten Theile noch vor 
handenen alten Befestignngsmanern lind Thürmen 
ein schönes mittelalterliches Städtebild dar und 
gewährt andererseits einen herrlichen llmblick ans 
dir waldeckischeil lind hrssischril Berge, insbesondere 
Isthaberg, Habichtswald mit Sehanmbnrg in, 
Vordergründe und Weidrlsbnrg iin Hintergründe, 
Langenberg. Kammerberg, Odenberg, Gndensberg, 
Lanlinsberg, dann in Fivischenränmen Heiligen 
berg. Altenbnrg bei Fimmersrode, Schloßberg 
bei Homberg, und zn Füßen einen lieblichen, 
diireh Friiehtbarkeit sieh auszeichnenden Thalgrnnd, 
in welchem in früheren Jahrhunderten die in 
unserer vorausgegangenen Schilderung erwähnten 
so mannigsachen blutigen Kämpfe ansgesoehte» 
ivnrdeil. 
Das Wcrhnachts-Kinderln'd: „Der Christbaum ist brr schönste 
Daum." 
Von Atetrvpvlitan F. Riebeling in Wolssanger. 
l'Juu!)t>mit iH'vlmk'it.) 
. 1 
ejUit Recht redet man voll einem Paradiese ^ Ach, das; auch dieses Paradies verloren geht 
der Killdheit, in welches wir lins im > ans Erden, daß sie so schnell wie ein 'Morgen 
späteren Leben mit stillem Heimweh zurück- j träum entflieht, die goldene Kindheit mit ihrem 
sehnen, um in seliger Erinnerung hin und wieder > frohen Muth, mit ihrem genügsamen Sinn, mit 
darill einzukehren und an seinem Blüthenduft uns ! ihrer frommen Unschuld, mit ihrem seligen 
zll erquicken. O, es ist etwas unbeschreiblich j Frieden. 
Seliges um dies Kindheits-Paradies, um ein ! Weiln aber etwas in der Welt im Stande iß, 
Kindesauge unb seinen stillen Glanz, womit es ; uns auf Flügeln der Erinnernng in jenes Pa- 
die Welt ansieht, um ein Kindesherz und seineil : radics zilrnckziltragen, so ist's die fröhliche, selige 
leichteil, sorgenlosen Pnlsschlag! ! Weihnachtszeit, tu der uns Alten wohl und weh 
Aber wie mail vom Frühling der Natur zugleich um's Herz wird. Das Weihnachtslicht 
singt: „Er stiegt wie junger Morgen, erhält ! im Vaterhanse ist iiiis längst erloschen, und mit 
nicht lange Rast", so gilt dies auch vom Früh- ; der letzten verglimmenden Kerze überkommt uns 
ling des Lebens, vom Paradiese der Killdheit. j das Gefühl der Frcmdlingschaft. Mit ben Auge»,
	        

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