Full text: Hessenland (11.1897)

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Beide gegenüber, der Erzbischof Johann auf 
Wenzel's, Landgraf Heinrich auf Sieg 
ln und's Seite. Unter dem Landgrafen Lud 
wig I. dem Friedfertigen (1413—1458) kam 
ein Friede zu Stande (1416), jedoch nicht lange, 
da der Erzbischof im Vertrauen auf die fried 
fertige Gesinnung des Ersteren versuchte, die mit 
Hessen in enger Verbindung stehende Abtei Fulda 
an sich zu reißen. Nachdem der Erzbischof die 
Besatzung von Fritzlar erheblich verstärkt und die 
tu Trümmern liegende Burg Jesberg wieder 
aufgebaut, ließ er dem Landgraf förmlich Fehde 
ankündigen (1427), und während er selbst mit 
der größeren Hälfte feines Heeres nach Fulda 
zog, ntußte der Graf von Leiningcn mit einem 
anderen Haufen in die Gegend von Gndensberg 
tlnd Melsungen einfallen. Der Landgraf aber 
trat ihm gerüstet entgegen, drängte die Mainzer 
bis hinter Fritzlar zurück und schlug sie bei 
Großen glis auf's Haupt (23. Juli 1427). 
Es wird dabei erzählt, der Landgraf habe die 
Seinen vor Beginn der Schlacht an all das 
Ungemach erinnert, welches sic von Mainz er 
litten, und sich dann mit dem Rufe: „Heute 
Landgraf oder keiner tnehr" auf die Feinde ge 
stürzt und durch feinen unerschrockenen Muth 
alles fortgerissen und einen blutigen Sieg erfochten. 
140 Ritter wurden gefangen, der Feldherr Graf 
von Leiningen rettete sich durch die Flucht. Der 
siegreiche Lattdgraf eilte nun der Stadt Fulda 
ztr Hilfe, welche inzwischen vom Erzbischof be 
lagert wurde, und nöthigte letzteren in dem Wüsten 
felde zur offenen Feldschlacht, welche nach heftiger 
Gegenwehr der Mainzer mit einem glänzenden Siege 
des hesfifcheit Heeres endigte (10. August 1427). 
Hiermit war der Friede hergestellt, und die Ueber- 
macht von Mainz schien gebrochen. 30 * ) 
Von Neuem entbrannte der Streit, veranlaßt 
durch die Mainzer Stifts-Fehde zwischen 
Diether von Isenburg und Adolf von 
Nassau. Fritzlar stand auf Diether's Seite. 
Non den jetzt über Hesseit herrschenden Söhnen 
Ludwig's I. trat Ludwig II., welcher Nieder- 
hesfen ererbt hatte, ans Adolfs und H ein - 
r i ch III., welcher Oberhefsen ererbt, atlf Diether's 
Seite. Ludwig II. unterwarf mit Waffengewalt 
Fritzlar für feinen Bundesgenossen Adolf, es 
gelang zwar Diether dasselbe wieder zu gewinnen, 
jedoch nur vorübergehend, da inzwischen Adolf 
Mainz eroberte (1462). 
Merkwürdiger Weise erklärte bei einem späteren 
Zwist der Landgrafen Erzbischof Adolf, jetzt 
Alleinherr geworden, sich für Heinrich, und nun 
hatte Fritzlar abertnals durch Ludwig zu leiden 
dem es auch gelang, das jüngst so stark befestigte 
Jesberg zu erstürmen und seine Mauern zu 
brechen. 3 I 
Nach dem Vorgetragenen haben wir ersehen, 
wie Fritzlar att den verschiedenartigsten Ereignissen 
in der allgemeinen Geschichte Deutschlands und 
der besonderen von Hessen und Mainz im Mittel 
alter betheiligt gewesen ist. Aber auch in der 
Neuzeit haben die meisten Ereignisse von Be 
deutung Fritzlar mit ergriffen. 
Die Reformation fand frühzeitig Eingang. 
Schon unl das Jahr 1522, also ein Jahr nach 
dem Reichstage zu Worms, predigte Jost 
Runcke in und um Fritzlar den sogenannten 
neuen Glauben 3 ^), und noch vor dem Jahre 1547 
bet'annten sich alle Gilden und die bei Weitem 
größere Zahl der Bürger in Fritzlar zu ihm; 
auch in die Klöster drang die neue Lehre und 
ergriff deren Bewohner ntüchtig, nur das Stift 
widerstand derselben, zumal der Erzbischof dem 
Katholizismus treu blieb. Von Bedeutung sollte 
aber das Jahr 1552 für Fritzlar sein, als Land 
graf Moritz von Sachsen, getrieben durch den 
jungen Landgrafen Wilhelm IV., den Sohn 
des von Kaiser Karl V. gefangen gehaltenen 
Landgrafen Philipp, sich gegen den Kaiser erhob 
und ihn zum Pafsaner Vertrage zwang, Landgraf 
Wilhelm aber ebenfalls zu den Waffen griff uud sich 
gegen die Besitzungen des Erzbischofs von Mainz, 
namentlich Fritzlar, wandte, sich huldigen ließ und 
den Superintendenten die Aufsicht über alles Kirch 
liche übergab. Da er jedoch nach dem Augsburger 
Religionsfrieden (1555) die Stadt wieder räumte, 
traten wieder Verfolgungen der Evangelischen 
durch den Erzbischof ein, und die zum Theil ver 
lassenen Klöster, wie das Franziskaner-Kloster, 
wurden wiederhergestellt. Nun kamen die Jesuiten 
nach Mainz nnb damit auch nach Fritzlar, und 
diese verstanden es, in Kürze den von der Re 
formation errungenen Boden wieder zurück 
zuerobern. 
Fritzlar sollte aber auch die Schrecken des 
dreißig)ährigett Krieges miterleben, da 
sein Oberherr, der Erzbischof von Mainz, streng 
zum Kaiser hielt, während beim Herannahen des 
Schweden-Königs Gustav Adolf der Landgraf 
Wilhelm V. von Hessen sich gleich an diesen 
angeschlossen hatte. So kam es zur Einnahme 
nnb mehrstündiger Plünderung von Fritzlar durch 
hessische Truppe» (28. Aug. 1631), dann wieder 
beim Herannahen eitter stärkeren kaiserlichen 
"0 Bach, geschichtl. Nachrichten von dem Gerichte Jes 
berg, S. 4; Rommel, Bd, IJI, S. 40. 
3 ") F a l ek e n h eine r I, S. 271. 
30 ) Romme l, hessische Gesch., Bd, II. S. 274 fg.
	        

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