Full text: Hessenland (11.1897)

gründete die Gemäldegalerie des hessischen Fürsten 
hauses. Wilhelm wendete der Carlsaue seine 
Sorgfalt zu, der Natur der Dinge nach wuchs 
dieselbe sich immer schöner und kräftiger aus. In 
der ersten Zeit ihres Bestehens ist sie vorzugs 
weise als Lindenanlage bezeichnet worden, es ist 
daher bemerkenswerth, daß alle Lindenstämmchen 
zu den zahlreichen Alleen der Aue wie zu anderen 
Pstanznngen aus dem Büdinger Walde bezogen 
wurden.*) Wie sie in dem Boden der einstigen 
sumpfigen Insel, der dann theilweise Jahrhunderte 
lang als Ackerland gepflegt wurde, sich einge 
bürgert haben, mögen wir heute bewundern. Der 
Statthalter legte den Küchen garten an der 
Westseite des Parkes, den holländischen oder 
Obstgarten aus der Ostseite au. 
Die kleine Fulda war noch nicht abgedämmt; 
ob es bei der Masse der Arbeit noch nicht mög 
lich gewesen war, oder ob die Rücksicht aus die 
Gefahr der Ueberschwemmungen die Erhaltung 
*) Nachricht aus den in dem städtischen Archive Kassels 
aufbewahrten hinterlassenen Papieren des Gartendirektors 
Wilhelm Hentze. 
dieses Wasserlaufes hatte räthlich erscheinen lassen, 
vermag ich nicht anzugeben. Der Statthalter 
ließ die bereits vorhandenen Schutzdümme um 
die ganze Aue herum vervollständigen und den 
oberen Lauf der kleinen Fulda ausfüllen. Er 
bezog mit seiner Gemahlin urid dem Hofstaate 
im Sommer das Orangerieschloß, Festlichkeiten 
belebten das Schloß wie den Park, bis der sieben 
jährige Krieg Hessen in Mitleidenschaft zog. 
Landgraf Wilhelm VIIL, unerschütterlich zu 
Friedrich dem Großen haltend, verließ seine Haupt 
stadt am 5. Juli 1757 und sah sie erst am 
6. Mai 1758 wieder, uni sie schon am 18. Juli 
von Neueln mit dem Rücken anzusehen und fern 
von ihr am 1. Februar 1760 zu sterben. Während 
Kassel in Gewalt der Franzosen sich befand, und 
durch die beiden Belagerungen der Festung erlitt 
unsere Aue mancherlei Beschädigungen, wie oben 
der Verlust des künstlich erhaltenen großen Lor 
beerbaumes zu beklagen war. Die Benutzung der 
Orangerie als französisches Futtermagazin war 
natürlich dem schönen Gebäude auch nicht vor- 
theilhast. 
folgt.) 
(Lchluß 
Me ältere Geschichte von Fritzlar. 
Von C. Neuber. 
lSchluß.) 
ene Verwickelungen entstanden, als unter dem 
VV energischen Kaiser Ludwig dem Baiern 
gegen Ende seiner Regieruugszeit ein Gegen- 
Kaiser Karl IV. aus dem Hause Böhmen-Luxem 
burg aufgestellt wurde und gleichzeitig dem dem 
erstgenannten zugethanen Erzbischof Heinrich II. 
von Virneburg gegenüber Gerl ach von 
Nassau. Der damalige Papst trat aus die 
Seite von Karl IV. und Gerlach von Nassau, 
und ermächtigte mit Karl den Landgrafen H e i n- 
rich II. den Eisernen, die nöthigen Schritte 
zu thun, um die Geistlichen der Partei Fritzlar 
aus ihre Seite zu bringen, wogegen sich aber 
Stadt und Stift erhoben. Nach einigen Reibereien 
wurde ein Frieden abgeschlossen (1344), aber der 
selbe war von kurzer Dauer, und nach dem Tode 
Ludwig's des Baiern kam es zu einem förmlichen 
Kriege zwischen Hessen und Mainz. Während 
der Landgraf einen Angriff auf das Diemellaud 
machte, sammelte Erzbischof Heinrich seine Ge 
treuen in Fritzlar und beabsichtigte von da aus 
den Landgrafen zu bekriegen. Der Landgraf 
belagerte nun Fritzlar, vermochte es aber nicht 
einzunehmen und gab die Belagerung auf. Als 
ihn aber der Erzbischof allzu hitzig verfolgte, 
kam es in der Nähe von Gudensberg bei 
Dorla „an der Streithecke" zu einem 
blutigen Kampfe (1349), in welchem der Erz 
bischof sich durch die Flucht rettete (er starb im 
Kirchenbann 1353). Einige Jahre danach erfolgte 
eine Aussöhnung des Stists mit seinen Gegnern 
(1354), doch dauerte die Ruhe nicht lange, ins 
besondere als wieder zwei Geistliche um den 
erzbischöflichen Stuhl von Mainz stritten, Lud 
wig und Adolf, und die Stadt auf des 
Ersteren, das Stift auf des Letzteren Seite stand. 
Als im Jahre 1479 die Christenheit das alle 
Gemüther aufregende Schauspiel mitansehen 
mußte: gleichzeitig drei Päpste und ein Jahr- 
später gar drei Kaiser standen sich wieder 
2J ) Tie zwei Päpste Benedikt VII. in Avignon und 
Gregor XII. in Nom waren von der Kirchenversammlung 
zn Pisa (1409) abgesetzt und wurde an ihrer Stelle 
Alexander V. gewühlt; jedoch ohne Abdankung der zwei 
andern. — Die drei Kaiser waren Wenzel, sein Bruder 
^icgmnnd und sein Better Jobst von Mähren l 1410- 1411).
	        

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