Full text: Hessenland (11.1897)

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richtet und jedes stuck geschähet und angeschlagen 
haben alß folget. 
Caßell, 20. September 1711. 
Jakob Rüde klm ann, Schöpsfengrebe zu 
Volmarshaußen, 
Johannes Homberg, schöpsfengrebe zu 
Harlleshaußen, 
Johannes Dorn icke, grebe zu weymar, 
I ohaunes Vogt, Schöpffen Grebe zu 
Dörnhain, 
Johan Conrath, Bergmann, 
Jost Baun, bestelter schöpsfengrebe zu 
Großen Ritte." 
Wer möchte dem nach Vorstehendem von dem 
Landgrafen innegehaltenen Verfahreil einen Vor 
wurf machen, als ob das Uebergewicht seiner 
Stellung gemißbraucht worden wäre ? Wer aber 
auch gegen die sechs zur Schätzung berufenen 
Schöpfen und Stnhlgreben einen Verdacht ans 
sprechen, als ob ihre Aussprüche durch etwas 
Anderes beeinflußt worden seien, als durch ihre 
Ueberzeugung? 
Wir dürfen ihr Andenken als das von Ehren- 
männern nach 180 Jahren noch hoch halten. 
Die Ländereien wurden zur Aue gezogen, den 
seitherigen Besitzern andere bei Kassel zllm Ersätze 
gegeben oder auch der festgesetzte Geldwerth dafür 
ansgezahlt. 
Die Arbeiten an den ausgedehnten Anlagen 
des Parkes wllrden auf das Eifrigste betrieben, 
der Landgraf bewegte sich häufig unter den Ar 
beitern, aber die Fortschritte gingen langsam vor 
sich, weil der sumpfige Boden viele Schwierig 
keiten bereitete und die so große Veränderung 
nicht der Natur angepaßt wurde, sondern im 
Gegentheile ihrem unregelmäßigen Antlitze eine 
Maske ailfzwang, gegen die sie sich sträubte. 
Bis zum Jahre 1722 wurden Tagelöhner bei 
der Arbeit verwendet, in dem genannten Jahre 
aber bis auf 10 entlassen, die von da ab als 
Aufseher angestellt wurden. An ihrer Stelle 
wllrden 200 Soldaten kommandirt, welche monat 
lich durch andere abgelöst wurden und aus ihre 
Brodportion von ITF Pfund täglich 1 k Pfund 
mehr, sowie 2 Mariengrvschen Arbeitslohn für 
ben Tag erhielten. Die Kosten für diese Sol 
daten werden denen für Tagelöhner ziemlich gleich 
gewesen sein; da jene indessen während des Kom 
mandos in die Aue keine Löhnung empfingen, 
war es ein Vortheil bei dieser Verwendung, daß 
sie als Soldaten bei der Fahne standen, ohne 
daß Löhnung für sie gezahlt zu werdell brauchte. 
Da die Fortschritte beut alternden Fürsten zu 
langsam waren, befahl er, voll 1723 an beständig 
500 Mann der Truppen arbeiten zu lassen; in 
dieser Zeit wird von dem großen Bassin berichtet, 
daß der darin aufgeführte Berg zusammengestürzt 
sei, im Jahre 1728 wird immer noch an diesem 
Bassin gearbeitet, bei dem allerdings auch eine 
ungeheure Erdmasse zu bewegen war. Jetzt waren 
drei Regimenter zur Arbeit kommandirt, sie blieben 
den Sommer über auf ihrem Arbeitsfelde und 
lagerten unter Strohhütten in der Aue. 
Der herrliche Ban der Orangerie war im Jahre 
1720 vollendet, jedoch ohne die beiden vorge 
schobenen Pavillons, wie wir heute sie sehen. Die 
Pläne des Schlosses hatte der geniale römische 
Baumeister Francesco Guernieri entworfen, 
welcher auch die großartigen Bauten des Oktogons 
am Carlsberge entwarf und ausführte. Im 
Jahre 1722 bewilligte der Fürst als Anfang für 
den Pavillon des Marmorbades 2000 Thaler 
und 2500 Thaler für das Bad selbst; dieses ist 
unter Leitung des Bildhauers Stephan Peter 
Al 0 n n v t gebaut und mit Kunstwerken von 
seiner Hand geschmückt worden. 1728 war es 
vollendet und Monnot stellte es seinem kunst 
sinnigen Gönner vor, ein Juwel der Kunst jener 
Zeit. Welche Empfindungen mögen an jenem 
Tage des Landgrafen Seele bewegt haben, als er 
vor dem edlen Orangeriepalaste stehend, der in 
jugendlicher Frische erstrahlte, über den Wald von 
Orangen-, Lorbeer- und anderen südlichen Bäumen 
vor dem Schlosse hinaus auf die in den Haupt 
sachen beendigte Umwandlung der Aue blickte! 
Alit Stolz und mit Freude durfte er in den An 
blick sich versenken, den sein Geist und seine Kraft 
geschaffen hatten, ein Bauwerk und einen Park, 
benen hohe Bewunderung gezollt wurde. Uns 
heute Lebenden würden freilich die vielen steifen 
Alleen, die regelmäßigen Wände und Hecken, aller 
der Natur angethane Zwang nicht angenehm be 
rühren; der geistvolle Landgraf war aber auch 
ein Kind seiner Zeit. 
Ihm zu Ehren wurde der Moritzaue der Name 
Carlsaue beigelegt, wie der Gipfel des Habichts 
waldes neben dem vom Landgrafen zur Feier 
des Friedens nach dem spanischen Erbfolgekriege 
errichteten Oktogon Carlsberg benannt worden 
war. Nach Vollendung des Marmorbades war 
es ihm nicht lange mehr vergönnt, zu schaffen 
und seine Werke zu schauen; am 23. März 1730 
verschied Landgraf Carl 76jährig, von seinem 
Volke tief beklagt. 
Für den Nachfolger Friedrich, König von 
Schweden, führte sein Bruder Landgraf Wilhelm 
als Statthalter die Regierung non Hessen. Er 
hatte seither als General der Republik der Nieder 
lande gedient, dort Gemälde gesammelt und
	        

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