Full text: Hessenland (11.1897)

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ie unsere Aue geworden ist. 
Vortrag, gehalten im Vereine für hessische Geschichte und Landesümde am 26. April 1897. 
Von Carl von Stamsord. 
ck '(§ der Zeitpunkt sich näherte, zu dem das 
J-k außerhalb der kleinen Fulda in Aussicht ge- 
O V. nommene Land hinzugezogen werden mußte, 
vertraute der Landgraf das Geschäft der Erwer 
bung desselben zweien Männern an, dem Obristen 
Karl von Hattenbachunddem Obervogt Lud 
wig H orstm ann. In gleicher Weise wie ein Jahr 
hundert früher unter Landgraf Moritz sollte der 
Grund ltnb Boden von den Besitzern, Bürgern 
von Kassel oder Unterthanen zu Niederzwehren, 
mittels Tausches oder durch Kauf in ben Besitz 
des Fürsten übergehen. Ueber das Verfahren 
der beiden Beauftragten heißt es*): „ Vorberührtem 
Gnädigsten Befehl zufolge haben wir zufvrderst 
6 schepfen und stuhl Greben hiesiger Cassel 
Aembter die aller solcher Güther kundig waren, 
für hiesigem Amtgerichte deren pflichte womit 
sie Ihrer Durchlaucht vorhin zugethan gewesen 
erlassen und sie alle 6 würklich leebliche Eide 
zu Got schweren lassen, daß sie sowohl die herr 
schaftlichen als der Unterthanen zu ertauschende 
und verkauffende güter alle besehen und nach 
dem zeitigen werth Ihrem besten wissen und 
Verstände nach taxiron vnd ahn Gelt anschlagen 
sollen, womit auch alle die puivutm-on vnd 
andere Unterthanen zufrieden gewesen und die 
68tin,atore8 daranss den ansang gernacht und 
öftermelte Güther folglich geschahet rmd ahn 
gelt angeschlagen haben alß 90 ^ aller von 
obberührten vnterthanen sowie solches in bei 
liegender Carte und Kpooitieution ausführlich 
nachgesehen werden kann." 
Die 90 ll ,2 Acker lagen inwendig des ab 
gezeichneten Kanals, der die Grenze des beab 
sichtigten Aueparkes darstellte, 167 2 Acker blieben 
außerhalb des Kanals und sollten den Zwehrenern 
gegeben werden. Beide Zahlen, zusammen 107 Acker, 
waren von den Schützern zusammen zu 4957 Thalern 
angeschlagen, mithin der Acker durchschnittlich zu 
46^2 Thaler geschäht worden. Diese Ländereien 
gehörten Bürgern von Kassel und Unterthanen 
lFortsetzung.) (Nachdruck verboten.) 
zu Niederzwehren eigenthümlich. Außer ihnen 
wurde noch die Kuhhnte an der kleinen 
Fulda inwendig des Kanals von der Stadt 
Kassel zur Aue gezogen, sodann drittens eine 
Wiese oder gewesene Kuhhnte, sog. Gieße, 
an der großen Fulda nach der Neuen Mühle 
hinauf, jene 12 15 /i< ; Acker betragend, zu 905 Thaler 
23 Albus 3 Hellern, letztere, 49 V2 Acker groß, 
zu 4922 Thalern 8 Albus 11 Hellern tarirt, 
Summa 10 285 Thaler. 
Weiter hören wir: „Für die Stadtwiesen, die 
Gieße und die Hute, so zur Ane gezogen worden, 
zusammen 62 Acker*), für 5828 Thaler taxirt, 
hat Jhro Hochsürstliche Durchlaucht auf der Stadt 
unterthänigstes Nachsuchen Ihnen die Baraqnen 
meubliren und zu beider Theile großen: 
Vortheil die Guaruisou dahinein legen lassen, 
daß also dargegen kein Svldate mehr in der 
Stadt liegen darf und dem fürstlichen Hanß 
ermelte wiesen erblich überlassen werden." Ich 
übergehe, in welcher Weise in's Einzelne die 
Besitzer für ihr hergegebenes Eigenthum mit 
Land oder Geld entschädigt worden sind und 
führe nur die Namen der Männer noch vor, 
denen zwischen ihrem Landesherrn und ihren 
Landsleuten die unparteiische Stellung anvertraut 
worden war. Wir finden am Schlüsse des 
Schriftstücks: 
„Aufs Jhro Hochsürstlichen Durchlaucht gnä 
digsten Befehl sind wir endsbenannte Sechs 
Schöpssen und Stuhlgreben anhero nach Caßell 
für das Ambt citiret und hatt Jeder gegen 
so lang erlaßung seiner Ihrer Hochsürstlichen 
Durchlaucht zugethanen Pflicht einen leiblichen 
Aydt zu Gott dem allmächtigen abschwehren 
müssen, daß wir nachfolgende güther in ihrem 
zeitigen werth schätzen und an geldt anschlagen 
sollen und wollen, welches wir dann auch so bald 
nach vnßerm besten verstände und wissen ver- 
0 Maatsarchiv ,’,u Marburg. 
*) Die Ackerzahleu der Kuhhute an der keiueu sz-uldn 
uud der Gieße ergebeu zusammen 02 7 /i« Acker.
	        

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