Full text: Hessenland (11.1897)

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Schlosses im gothischen Stil ungestört in Angriff 
genommen werden. 
Unter dem 24. April 1248 stellt die Herzogin 
Sophie ihre erste Urkunde in Marburg ans. Im 
Jahre 1265 trat sie an ihren inzwischen zur 
Volljährigkeit gelangten Sohn Heinrich die Negie 
rung über Hessen ab. Sophie starb am 29. Mai 
1275, 50 Jahre alt. Ihr Leichnam wurde nach 
Brabant gebracht und in der Abtei Villers zu 
Löwen an der Seite ihres Gemahls bestattet. 
Nach einer Notiz in den Bollandisten auf der 
burgundischen Bibliothek in Brüssel enthielt das 
wahrscheinlich im Jahre 1794 zerstörte Grabdenkmal 
der Herzogin Sophie nur ihr Todesjahr. 
Von den Inschriften Heinrich's und Sophiens 
daran lautete die der letzteren folgendermaßen: 
Anno Domini incarnationis 1275 obiit Domina 
Sophia filia S. Elisabeth uxor emsdem Heinrici, 
quae recondita est in hoc ipso monasterio a latere 
viri sui, deutsch: Im Jahre 1275 der Menschwerdung 
des Herrn starb die Herrin Sophie, die Tochter 
der heiligen Elisabeth, die Gemahlin desselben 
Heinrich, welche in demselben Kloster an der Seite 
ihres Gemahls begraben ist. Sophiens Todestag 
enthält das im Staatsarchiv vorhandene Fragment 
des Nekrologiums des deutschen Hauses, es heißt 
da: 29. Mai obiit Sophia ducissa Brabantie et 
domina Hassie filia beate Elisabeth, deutsch: Am 
29. Mai starb Sophie, Herzogin von Brabant und 
Herrin von Hessen, Tochter der seligen Elisabeth.' 
Die Angabe der hessischen Chronisten, Sophie sei 
im Jahre 1284 gestorben, ist hiernach falsch, eben 
so daß sie in der St. Elisabethkirche begraben 
worden sei, woselbst sich ihr Grabdenkmal vorfinde. 
Als am 3. August 1847 der wüthende Strom 
eines Wolkenbruches die St. Elisabethkirche berührte 
und deren durch Gräber unterminirten Fußboden 
verwüstete, wurden zunächst die Hochgräber und 
Grabsteine der hessischen Fürsten und Fürstinnen 
im südlichen Kreuzarm der Kirche in Beziehung 
aus Inschriften an denselben einer genaueren 
Untersuchung unterworfen. Dabei stellte sich 
heraus, daß das angebliche Hochgrab Sophiens 
gar nicht ihr, sondern nach einer daran entdeckten 
nur noch zum Theil erhaltenen Inschrift einer Land- 
gräfin Namens Aleydis — ohne Zweifel der Ge 
mahlin des Landgrafen Otto I. — angehörte. B. 
„Mackes". Vor dem Revolutionsjahre 1848 
existirte bekanntlich in Hessen die gefürchtete Prügel 
strafe als Sühne für verschiedene Vergehen, die sich 
häufig flegelhafte Jungen vom 14. bis 22. Lebens 
jahre zu Schulden kommen ließen; sie war ein 
Mittel von ausgezeichneter Wirkung, das auch 
heute noch für manche Extravaganzen ein probates 
Rezept wäre! Einmal des Monats war in meiner 
Heimath (Neustadt, Kr. Kirchhain), der Tag der 
Sühne, wo es im Gerichtsgebäude, wie die Juden 
sagten, „Mackes" gab. Da erschienen dann aus 
dem Amtsbezirke die Vorgeladenen vor dem strengen 
Amtmann B. War das Vergehen erwiesen, so 
half kein Leugnen und keine Revision; die Exe 
kution wurde sofort mit ungebrannter Asche aus 
geführt Daraus folgte eine ernste Mahnung zur 
Besserung und der Delinquent verließ mit dem 
Denkzettel von 6, 8, 10, 12, 15, 20 kernhasten 
Streichen die Richtstätte; er hatte sein Theil und 
kam gewiß sobald nicht wieder. Für uns Schul 
buben war dieses zugleich ein praktisches Er 
ziehungsmittel. Das Schulgebäude stand in der 
Nähe des Amthauses. Sobald der Herr Lehrer 
den ersten „Autsch" vernahm, öffnete er die 
Fenster und das Geheul drang zu unseren Ohren; 
keiner rührte sich. „Hört ihr die Sünder, nehmet 
ein Beispiel an ihnen, stehlt nicht, beschädigt die 
jungen Bäume nicht, quält keine Thiere, hebt keine 
Vogelnester aus bleibt aus den fremden Gärten 
weg, geht keine verbotenen Wege, schimpft Eure 
Nebenmenschen nicht, schwänzt nach . Eurer Ent 
lassung aus der Schule die Christenlehre nicht re." 
Das waren die ernsten Worte unseres alten 
Lehrers. Mit scheuen Blicken betrachteten wir 
immer das Amthaus und des Herrn Amtmannes 
Majestät, den Mann der Ordnung. Für viele 
Vergehen wären auch jetzt noch die „Mackes" un 
streitig das beste Heilmittel! r. 
Airs Keimcrth un6 Irtenröe. 
Die Kirnst in Kastei.*) 
In Kassel? Das ist wohl wo der berühmte 
Professor Knack fuß wohnt? 
cy 
*) Wir geben dem obigen lesenswerihen Aussatze jjnn 
Raum, da er uns von sehr sachverständiger Seite 
zugegangen ist, ohne uns im Einzelnen mit seinen Aus 
führungen überall einverstanden zu erklären. Leider 
Draußen im Lande sieht und hört man sonst wenig 
von der Kasseler Kunst — man muß hitlgehen. 
Zunächst: daß Kassel, eine Stadt von solcher 
Größe und Wohlhabenheit, eine Stadt, die alles 
kam derselbe für das vorige Heft zu spät. Wir glauben 
ihn jedoch auch nach dem nunmehr erfolgten Schluß der 
großen Kunstausstellung, auf die er großentheils Bezug 
nimmt, noch mittheilen zu sollen. D. Red.
	        

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