Full text: Hessenland (11.1897)

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mit den Grafen von Naumburg, bezüglich der 
Weidelsburg, dieselben letztere dem Erzbischof 
von Mainz verkauften (1266). Nun ging 
der Landgraf vor, zerstörte die Weidelsburg und 
besetzte die Naumburg (1271), weiter aber auch 
erstürmte er die bekannte Feste des Erzbischofs 
auf dem Heiligenberge bei Felsberg. Dafür 
mußten aber seine Anhänger büßen. Diesmal 
die Herren der Burg Wolfershausen an der 
Edder bei Grifte, welche noch kürzlich dem Erz 
bischof gegen der Burghut den Eid der Treue 
geleistet hatten, sich aber (1273) plötzlich an 
den Landgrafen anschlossen. Nach Landau 
(Wüste Ortschaften, Zeitschrift für Hessische Ge 
schichte. A. F. Suppl. VII. S. 161) wurde 
die Burg Wolfershausen vom Stifte Fritzlar 
zerstört. Nach Falckenheiner, Bd. I, S. 245, 
thaten es die Bürger von Fritzlar, und dazu paßt 
auch die das. Bd. II, S. 179 abgedruckte Urkunde, 
worin der Stadtrath von Fritzlar unter anderen 
Versprechen dem Stifte gegenüber aller Schad 
loshaltung wegen der aus die Burg Wolfershausen 
verwendeten Kosten entsagte. 
In Folge Antrags des Erzbischofs Werner- 
würde der Bann gegen den Landgrafen ausge 
sprochen (1273) und im folgenden Jahre (1274) 
sogar vom König Rudolf die Reichsacht. Doch 
wurde diese in Folge geleisteter Dienste wieder 
aufgehoben (1277). Ungeachtet des wieder her 
gestellten Einvernehmens zwischen dem König und 
dem Landgrafen nahm der Erzbischof den Grafen 
Gottfried von Ziegenhain zu seinem Burg 
mann in Amöneburg gegen den Landgrafen 
Heinrich und alle Feinde des Mainzer Stifts 
und zog nach Fritzlar. Darauf rückte der Land 
graf mit einer durch allgemeines Aufgebot ver 
stärkten Heeresmacht ebendorthin und nöthigte 
den Erzbischof zur offenen Feldschlacht (1282). 
Dem Letzteren gelang es mit 24 Reitern in die 
Stadt zu kommen, welche des ihr vor 50 Jahren 
widerfahrenen Mißgeschicks eingedenk den übrigen 
Herrn die Thore verschloß. Von seinem Bundes 
genossen verlassen, sah sich der Erzbischof ge 
nöthigt, Frieden zu schließen (1287). Der über 
den Landgrafen verhängte Bann wurde aufge 
hoben, der Erzbischof hielt es aber für gerathen, 
zu seinem Schutze an der Stelle der 1232 bis 
aus wenige Reste zerstörten Burg, deren Lage 
nicht sicher ist, nach Uebereinkunft mit den Be 
wohnern eine neue Burg aufzurichten (1287), 
halb in, halb außerhalb der Stadt an der Stelle, 
wo die vom Markte westlich auslaufende Bischofs 
gasse, eine Fortsetzung der Geismar-Straße, an 
der Stadtmauer endet, nicht fern von dem Schilder 
thore (jetzt Geismar-Thor genannt). 
Um diese Zeit, zu Ende des 13. und zu An 
fang des 14. Jahrhunderts, entstand südlich vom 
alten Fritzlar durch die Mauer von ihm getrennt 
ein Neustadt-Fritzlar. Die erste Veranlassung 
dazu hatte schon ein Jahrhundert zuvor die An 
legung eines der Jungfrau Maria geweihten 
Armenhospitals durch den Probst Bruno des 
Klosters Weißenstein (jetzt Wilhelmshöhe) bei 
Kassel gegeben, welcher dazu vom Erzbischof Heinrich 
von Mainz vier Morgen Landes zur Ausstellung 
der erforderlichen Gebäude geschenkt erhalten hatte 
(1147). Da das Kloster Weißenstein ein 
Augustiner-Kloster war, so ist es begreiflich, daß 
ein solches bald auch in Fritzlar entstand, und 
zwar ein Augustiner-Nonnenkloster, das die Pflege 
der Armen und Kranken übernahm. An das 
Kloster schloß sich bald eine Klosterkirche, welche 
der heiligen Katharina zu Ehren erbaut und 
zunächst für den Gottesdienst der Nonnen und 
der im Kloster wohnenden Hospitaliten herge 
richtet wurde. Durch Ansiedelung auch von 
anderer Menschen, welche theils die Frömmigkeit 
trieb, theils irgend ein Geschäftsvortheil, auch 
das Bedürfniß frischere Luft außerhalb der be 
engenden Stadtmauern einzuathmen, wuchs der 
neue Stadttheil, und als der Eifer der Augustine- 
rinnen nachließ, wurde ein neues Hospital auf einer 
Edder-Jnsel erbaut und dem heiligen Geiste ge 
weiht. 20 ) 
Der Anbau der Neustadt, wie der gewöhn 
liche Name lautet, wurde durch Bewilligung von 
Steuerfreiheit für eine gewisse Anzahl von Jahren 
befördert, wodurch auch der Name Freiheit 
entstand. 2 Z 
In welchem Jahre dieselbe Stadtrecht erhielt, 
läßt sich nicht genau bestimmen, jedenfalls vor 
1380, wo der Schultheiß Johannes Karne 
in der Neustadt Fritzlar Gericht hegt. Altstadt 
und Neustadt hatten ihre besonderen Rathhäuser, 
erstere an dem unteren Friedhose bei der Stifts 
kirche, letztere auf dem südlichen Abhange eines 
Gartens, und ihre besondere Gemeinde-Vertretung, 
die Altstadt 2 Bürgermeister und 12 Rathsherren 
2ß ) Vergl. die Urkunden von 1286 und 1310, Falcken 
heiner II, S. 180 fg., 190 fg., 1286 : „ad structuram 
Monasterii beate Marie extra muros Fritslarienses, et 
duo solidi dominabus Hospitalis extra muros Frits 
larienses“, 1310: „flospitali novo prope fluvium Edram 
extra muros Fritslar fundato et constructo“, in denen 
von Stiftungen namentlich zu Gunsten des gedachten 
Klosters und des erwähnten Hospitals die Rede ist. 
In einer Urkunde v. 1390 „in der Nuwenstadt", 
in einer Subsidien-Rechnung aus dem 15. Jahrhundert 
„8anetimoniaIes (die Nonnen) in libertate Fritslar“ 
— [in Kassel Altstadt, Neustadt, d. h. Unter-Neustadt, 
und Freiheit). Falckenh. II, S. 8, Note 1 und 3.
	        

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