Full text: Hessenland (11.1897)

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Verein für hessische Geschichte und 
Landeskunde zu Kassel. Die erste Sitzung 
des Geschichtsvereins im Winterhalbjahr 1897/98 
eröffnete der erste Vorsitzende Bibliothekar an der 
Landesbibliothek Dr. Hugo Brunner am 25. 
Oktober an gewohnter Stätte mit einer Begrüßung 
der Anwesenden und geschäftlichen Mittheilungen. 
Darnach sind 27 Mitglieder in den letzten Monaten 
neu eingetreten, abgegangen dagegen 21. Professor 
Lenz, der 37 Jahre das Amt des Kassenführers 
mit großer Umsicht verwaltete, hat dasselbe seiner 
Gesundheit halber niederlegen müssen. Sein Nach 
folger wurde laut Beschluß der Generalversamm 
lung zu Gudensberg Landesbankrath Wolfs von 
Gndenberg. Professor Lenz wurde ebendaselbst 
zum Ehrenmitglied ernannt. In etwa 14 Tagen 
wird der neue Band der Zeitschrift mit den Mit 
theilungen zur Ausgabe gelangen können. Wiederum 
sind zahlreiche Geschenke eingegangen, darunter von 
Weinhändler Le Goullon eine Anzahl Ansichten 
von Wilhelmshöhe, von Dr. Lange sein Buch: 
„Zu den Sooden", von Major a. D. von Löwen 
stein ein Zengdruck, in dessen Mitte eine Ab 
bildung: „Hessische Bürgergarde im Eichenhain", 
in den Ecken Fahnen und militärische Embleme 
mit verschiedenen Umschriften (1832), und von den 
Hof-Juwelieren Range, ebenfalls zu Kassel, ver 
schiedene Druckschriften aus dem Jahre 1813. Be 
vor dann der Hauptredner des Abends, Land 
gerichtsrath Büsf, das Wort nahm, sprachen noch 
mehrere andere Herren, so erläuterte Dr. nioä. 
Schwarzkops ein Koloritbild, welches den Dichter 
Seume vor der Doppelreihe der zur Exekution auf 
gestellten Soldaten in Ketten zeigt, daneben die 
Unteroffiziere, welche ihm die Handfesseln abnehmen 
sollen. Seume war nach seiner Desertion aus 
hessischen Kriegsdiensten nach der Rückkehr aus 
Amerika bekanntlich bald wieder von Werbern an 
gehalten, dieses Mal aber von preußischen Werbern, 
die ihn dem Regiment „Courbiores" in Emden ein 
reihten. Auch hier versuchte er zu desertiren, aber 
ohne Erfolg, er wurde vor das Kriegsgericht ge 
stellt und zu zweimaligem Spießruthenlausen ver- 
urtheilt, doch wurde das Urtheil nicht vollzogen, 
vielmehr die Strafe in Gesängnißhaft umgewandelt, 
aus der Seume sich dann bald zu befreien wußte. 
Die Vorlage gab dem Redner Anlaß, seine be 
deutende Bewandertheit in der Unisormskunde an 
den Tag zu legen, indem er nachweisen konnte, 
daß die Uniform der aus dem Bilde dargestellten 
Unteroffiziere von der Montur des Regiments 
„Courbisres" in verschiedenen Einzelheiten abwiche. 
Bezüglich eines Fundes von menschlichen Gebeinen, 
darunter ein Schädel, in dem noch eine Flinten 
kugel steckte, der bei den kürzlich auf dem Grundstück 
der Bodenheimffchen Faßfabrik am Grünen Weg p 
Kassel vorgenommenen Kanalarbeiten gemacht wurde, 
könnte Dr. Schwarzkopf an der Hand des Werkes 
von Dr. Hugo Brunner „Kassel im siebenjährigen 
Kriege", S. 173 — 174, nachweisen, daß diese Ge 
beine aus dem Jahre 1762 stammen, als die 
Alliirten die Franzosen unter General von Diesbach 
in Kassel belagerten. Dort auf bem Grundstück 
der jetzigen Bodenheimffchen Fabrik, dem Reiß- 
berg, lag eine vorgeschobene französische Ver 
theidigungsschanze, auf die am 23. Oktober 1762 
von den Alliirten ein Sturm eröffnet wurde, der 
endlich abgeschlagen wurde. Es kann nach dieser 
Darstellung als sicher angenommen werden, daß 
die jetzt wieder arbs Tageslicht gekommenen Knochen- 
maffen von den damals gefallenen verbündeten 
Truppen (Braunschweigern) herrühren. Fast der 
gleichen Zeit gehören die auf dem Grundstück des 
Dr. Mense am Philosophenweg ausgegrabenen 
Kanonenkugeln an, vermuthlich sind sie bei der 
von Gras Wilhelm von Bückeburg 1761 aus 
geführten Belagerung Kassels dorthin gekommen. 
Weiter legte Bankier Fiorino einen Thaler vor, 
welcher in der Münze Heinrich Hermanns von Milch 
ling aus Burg Milchling geprägt ist, der 1569 
von Kaiser Maximilian II. in den Reichsfreiherrn 
stand erhoben wurde. Er besaß das Münzrecht, 
übte es zumal in den Jahren 1608 -1610 aus, 
aus denen der vorgelegte Thaler stammt, der auf 
der einen Seite das Bild Kaiser Rudolfs II., ans 
der anderen das Milchlingffche Wappen zeigte, ver 
muthlich ist die Prägestätte Nürnberg. Alsdann 
hielt Landgerichtsrath Büss seinen angekündigten 
Vortrag über „Hessisches Leben in Sage 
und Sitte", der die ungewöhnlich zahlreiche Zu 
hörerschaft, die den Saal bis auf den letzten Platz 
gefüllt hatte, zu lebhaftem Beifall begeisterte. 
Vortrag. Am Mittwoch, den 20. Oktober, 
Abends, hielt Se. Excellenz Generallieutenant z. D. 
von Schmidt im großen Saale des neuen 
evangelischen Vereinshauses den zum Besten des 
Philipps den km als angekündigten Vortrag 
über: „Kassel im 16. Jahrhundert als 
Stadt und Festung", welcher sehr großen 
Beifall fand. Durch das gütige Entgegenkommen 
des Herrn Vortragenden sind wir in den Stand 
gesetzt, dessen inhaltreiche, aus den sorgfältigsten 
Studien fußenden Ausführungen demnächst im 
Wortlaut zum Abdruck zu bringen.
	        

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