Full text: Hessenland (11.1897)

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Mir unsere Aue geworden ist. 
Vortrag, gehalten im Vereine für hessische Geschichte und Landeskunde am 26. April 1897. 
Von Carl von Stamford. 
(Fortsetzung.) 
(Nachdruck verboten.) 
» er junge Fürst, den der Beiname des Ge 
lehrten schmückt, bethätigte seinen den Wissen 
schaften geneigten Sinn; er nahm 1598 die 
erste Buchdruckerei, die in Kassel in's Leben trat, 
in das Lust Haus auf, welches sein Vater in 
dem Lustgarten erbaut hatte. Moritz empfand 
es als nachtheilig, daß er den Besitz des Grund 
und Bodens der Fuldainsel mit einer Anzahl 
seiner Unterthanen theilen mußte, er faßte daher 
den Plan, die ganze Insel in seine Hand zu 
bringen. Wegen Beschädigung der Anlagen durch 
die Fluth ließ er 1601 Dämme bauen und 
beauftragte Beamte mit der Verhandlung wegen 
Eintausches oder Ankaufes der auf der Insel 
nicht dem Landesherren gehörigen Landstücke. Der 
Landmesser Jost Moers nahm die Vermessung 
aller dieser einzelnen Stücke vor. Die Verhand 
lungen zogen sich längere Zeit hin, da. wie es 
begreiflich ist, nicht alle der Eigenthümer entgegen 
kommend waren und die Anhänglichkeit der 
Leute an ihr hergebrachtes Eigenthum zu allen 
Zeiten ein Hinderniß für Vertauschung bildet. 
Erst unter dem 18. Juli 1604 spricht Landgraf 
Moritz aus: „Nachdem wir mit Vnnsern Vndter- 
thanen so Lenderey Inn der Awe gehabt ein 
Auswechßell troffenn, also das Wir nun 
mehr die ganze Awe Ahn Vns gebracht 
u. s. w. Beuelhen Derowegen Vnnseren Ober- 
forst- vnndt Jegermeister vnndt beambtten zue 
Caßell das sie diesen Vnnsern Auswexell aller 
seits zu wergk richten vnndt einem Jeden ahn 
seinem Orth die Holz vnndt Hudens Gerechtig 
keit wie Obstehett, zustellen vndt inraumen. 
Moritz Landtgraff zue Heßen." 
Der Stadt Kassel hatte auf der Länderei 
wie auf den Trieschen in der Aue die Koppel- 
hutens-Gerechtigkeit mit dem Fürsten gemeinsam 
zugestanden, für diesen Antheil übergab letzterer 
seiner Stadt „Vnser Gehölze, den ganzen Krazen- 
bergk mitt den dazu gehörigen Trischen zur 
Hude vndt Holzgeprauch Erblichen Dan auch 
die Hudens Gerechtigkeit ahn der kleinen Fulda 
hinauss biß an die Newe mühle ahn wilcher 
vnnser Vndterthanen zu Niddertwern mit Ihnen 
den von Caßell die Coppelhutt von Altters ge 
habt" ; weiter hatte er „zugeeignet vndt bewilligt, 
das vnnser Vnderthanen zu Nidertwern gegen 
ihr Hudensgerechtigkeit ahn der Fulda, am 
Dünchen vber die albereits daran habende 
Hude soviell Ihnen an der Fulda abgehet nach 
gelegenheit der gütigkeit vndt Pilligkeit widder- 
umb zugestellet werden soll." Schließlich berichten 
die Beamten „8a. summarum aller der Bürger 
vnd anderer Lendereh wiesen vnd Gerten in der 
vnderen Awe, darin Vnsers gnädigen Fürsten 
vnd Hern Lenderey nicht mitgemeint: 126 */2 Acker 
30 Ruthen, an denen 29 Besitzer betheiligt waren. 
8a. aller Lendereh in der ö bersten Aw 
101V* Acker 27’/4 Ruthen, von 20 Besitzern. 
8a. aller gemeynen Hude zwischen der obern 
vndt Rider Aw: 62 Acker 14 */4 Ruthen." Das 
ergab im Ganzen 290 Acker 35 */2 Ruthen. 
Der Fürst hatte „hiebevor mit der Stadt zu 
sammen die Hude vff 62 Acker gutes Rasens, 
Sommerhude mit schweinen khuen und schaffen". 
Gleichergestalt hatte der Fürst und die Stadt 
„vff 250 Ackern die Stopsfel- und Nachtreibehude". 
Hierüber heißt es: „Wollen also der Stadt, 
wiewol sie allezeit viel mehr Khue und Schweine 
gehaben, Ihr die Helsft, nehmblich erstlich 
31 acker guter Hudweide, danach die Helfte der 
Stopffelhude nemblich 125 Acker geburen (ge 
währen)". 
Dem nun abgerundeten Eigenthum wurde der 
Name der Moritzaue beigelegt. Am Rande 
des Lustgartens lag das Schieß haus, in 
welchem die Bürger mit der Armbrust schossen; 
der dazu nöthige Raum in der Richtung gegen 
das Ravelin vor der Brücke über die kleine 
Fulda (an Stelle der jetzigen Löwenbrücke), wie 
das Schießhaus selbst waren Eigenthum der 
Stadt. Die Uebungen mit der althergebrachten 
Armbrust gaben Anlaß zu Belustigungen mit 
Frauen und Kindern der Bürger, und der Land 
graf wie die Seinigen werden bei besonderen 
Gelegenheiten sich unter die Bürgerschaft ihrer 
guten Stadt gemischt haben. 
Das Lusthaus an der dem Schießhause 
entgegengesetzten Seite des Gartens, schreibt 
Merian noch 1655, war mit vier aus dem 
Grund zum Dach laufenden runden Erkern ver 
sehen; rings um das Haus gingen schöne steinerne 
Altanen und Gallerten. Ein Spring- oder 
Spritzbrunnen warf sein Wasser im Innern des 
Hauses hoch hinauf, an warmen Sommertagen 
die Luft erfrischend. Verschiedene Gemächer luden 
zum Bewohnen im Frühling und Sommer ein. 
Unter dem Hauptsaale befand sich eine mit Zinn
	        

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