Full text: Hessenland (11.1897)

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Adschiedsbrief schrieb, muß dem Obigen zufolge 
erst nach dem Fvrtzug der Eltern von Wollers 
hausen geboren sein. Nannte sich Held Hasserodt 
selbst Friedrich Wilhelm, wie ihn auch das west 
fälische Kriegsgericht bezeichnete, so ist doch der 
Vorname Georg, der der hessischen Ueberlieferung 
entspricht (s. auch das Gedicht von Dr. H. Brunner: 
„Georg Wilhelm von Hafserodt" im „Hessenland" 
III, S. 229), durch das Kirchenbuch seines Heimaths- 
ortes sicher bezeugt. 
Sebastian Bach in Kassel. Die „Kasselische 
Zeitung von Policey, Commercien und anderen 
dem Publico dienlichen Sachen" bringt in der 
Nummer 38 des II. Jahrganges vom 22. Sep 
tember 1732 unter der Rubrik „Modifikation 
von allerhand Sachen" an erster Stelle folgende 
Ankündigung: 
„Es ist die im hiesigen Stifft St. Martini, 
oder der so genannten grossen Kirche grosse und 
Kostbahre Orgel, woran beynahe 3 Jahr gearbeitet, 
endlich durch den Orgelbauer Herr Nicolaus 
Becker von Mühlhausen nach heutiger Art ein 
gerichtet, und zu seiner perfection gebracht worden. 
Nachdem dann nun dieses Werck aufs Hohen Obrig 
keitlichen Befehl durch den Berühmten Organen, 
und Musicdirectorem Herr Bach von Leipzig mit 
zuziehung des hiesigen Hoff und Stadt Organen 
Hern Carl Möller examiniret werden wird, in 
ohngezweiffelter Hoffnung, daß solche die erwünschte 
probe erhält, so soll diesem selbige künfftigen 
Sontag, geliebts Gott, in öffentlicher versamlunge 
vollkommen gespielet und mit einer Nu8ica1i8cbeu 
harmonie inauguriret werden. Man wünschet, 
daß sothanes, zur Ehre GOttes hauptsächlich ge 
reichendes Merck der gantzen Gemeinde und einem 
jeden und insbesondere zur auffmunterung ge 
reichen möge." Zz. 
(Vergl. auch Dr. Carl Scherer, Jvh. Seb. Bach's 
Aufenthalt in Kassel. Aufsatz in den Monatsheften für 
Musikgeschichte. Jahrg. 25 [1893], Nr. 8.) 
Buo Kernrcrth irnö Ärgernde. 
Geschichtsverein. Am Montag, den 25. Ok 
tober, werden die Vortragsabende des Vereins 
für hessische Geschichte und Landeskunde 
im Saal der Oberrealschule in der Hedwigsstraße 
zu Kassel wieder ihren Ansang nehmen. 
Vortrag zum Besten des Philipps- 
Denkmals. Am Mittwoch, den 20. Oktober, 
wird Se. Exzellenz Generallieuteuant z. D. von 
Schmidt, Vorsitzender des Ausschusses für das 
dem Landgrafen Philipp dem Großmüthigen in 
Kassel zu errichtende Denkmal, zum Besten des 
selben im Saale des evangelischen Vereinshauses 
daselbst einen Vortrag über „Kassel im 16. Jahr 
hundert als Stadt unb Festung" halten, 
woraus besonders hingewiesen sei. 
Kasseler Grimmsammlung. Die Kasseler 
Grimmsammlung hat abermals eine werthvolle, sehr 
dankenswerthe Bereicherung erfahren durch die 
Güte des Geh. Regierungsrathes Pros. Dr. Her 
mann Grimm. Wie dieser dem Vorsitzenden der 
Kasseler Grimmgesellschast Oberbibliothekar Dr Loh 
meyer schreibt, kam in Berlin kürzlich „ein 
alter, viele Jahre lang verschlossen dastehender 
Koffer zur Untersuchung, welcher (Grimm'sche) 
Papiere längst vergangener Zeit enthielt. Mit 
Hülse des Dr. Steig zu Berlin hat der Inhalt 
sich in drei Pallete zertheilt, deren erstes, die 
frühen Zeiten betreffend, nach Hanau abgeht, das 
dritte für den hiesigen (in der königlichen Biblio 
thek zu Berlin aufbewahrten) Grimmschrank 
bestimmt ist, das zweite aber unter Ihrer Adresse 
nach .Kassel gesandt worden ist. Ich glaube," so 
schließt Hermann Grimm, „daß das Meiste darin 
für das Kasseler Grimm-Museum paßt,, und würde 
mich sehr freuen, dies durch einige Zeilen Ihrer 
Hand bestätigt zu sehen." 
Unter den theils handschriftlichen, theils ge 
druckten Papieren fanden sich schon bei flüchtiger 
Durchsicht eine Reihe von höchst interessanten 
Stücken, so z. B. zehn Schulzeugnisse der Brüder 
Jakob, Wilhelm, Ferdinand und Ludwig Grimm 
aus der Kasseler Lyceumszeit, verschiedene bisher 
unbekannte Briefe der Brüder, ihrer Tante Hen 
riette Zimmer, der Prinzessin Friederike von 
Hessen und anderer fürstlicher Persönlichkeiten, 
Studentenkarten Jakob's, Schulhefte und hand 
schriftliche Sammlungen der Brüder aus der 
ersten Kasseler Zeit, die von Jakob am 9. April 
1802 bei seinem Abgänge vom Lyceum Frideri- 
cianum gehaltene lateinische Rede u. a. m. Durch 
die hochherzige Zuwendung hat der Sohn Wilhelms 
sich erneuten Anspruch auf das wärmste Dank- 
gesühl aller Verehrer unserer Brüder Grimm er 
worben.
	        

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