Full text: Hessenland (11.1897)

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865 Morgen Land, welche uw die Hälfte des 
Ertrages verpachtet waren, 2. in Eckenheim 
16 3 U Hufen mit 502 Va Morgen, an drei Beständer 
verliehen, 3. in Berkersheim fünf Hufen gleich 
150 Morgen Landes. 
Wir sehen also, welch' bedeutenden Grund 
besitz der Orden nach und nach in der Pfarrei 
erworben hatte. Er betrug beinahe die Hälfte 
der Gemarkung. 
(Schluß folgt.) 
Berichtigung. In Nr. 1, S. 5 links, Z. 9 von unten ist statt Artanum „Ai-taumim“ zu lesen; dcsgl. 
6 rechts, 3- 18 von oben statt Hnsmert „Huswert". 
Sein Kaus. 
Hessische Erzählung Vau M. Herbert. 
(Fortsetzung,) 
„Vatter!" sagte der Sohn des alten Jost, 
der neben den Eltern faß, feine Stummelpfeife 
rauchend — „wer weiß, Dir kann auf Deine 
alten Tage noch ein rechtes .Gottes-Glücks er- 
blüh'n. Sie wollen von Magistrats wegen hier 
die Straße regnliren lassen, — die alten Häuser 
hocken so enge aufeinander, das ist feuergefährlich, 
und die krummwinkelige Bauart hemmt beit 
Verkehr. Da muß unser Haus zuerst d'ran 
glauben. Wir können ein gutes Stück Geld 
herausschlagen, denn früher oder später wür's 
uns doch noch einmal über den Kopfe zusammen 
gefallen." 
Der Alte fetzte mit einem jähen Ruck das 
erstaunte Kind vom Schvoß. 
„Dir brennt's wohl im Dachstübchens" fragte 
er, die buschigen Augenbrauen bedrohlich faltend — 
„da hätt' ich auch noch ein Wörtlein mitzureden. 
Aus dem Haufe hier schaffen sie mich nur in 
der Truhe. Hier bin ich der Herr, mib hier 
hab' ich mein Recht!" 
Mariechen gab dem Sohne einen Stoß mit 
dem Ellbogen in die Nippen, und dieser beeilte 
sich zu sagen: 
„Na, Vatter, brauchst von defsenwegen nicht 
aufzubegehren. Es ist ja noch im weiten Felde, 
— aber verreden soll man so 'was nicht! Man 
kann, glaub' ich, sogar von Rechts wegen ge 
zwungen werden, ein Haus herzugeben, das den 
Stadtbauplan hindert." 
Aber das war noch Oel in's Feuer! 
„Schöne Gesetze! Ich pfeif' auf die Gesetze! 
Sind nur gemacht, dem Volke die Haut über die 
Ohren zu zieheu, — sollen das Recht schützen und 
verunglimpfen das Recht! Da soll doch gleich! 
Hätt' beinahe geflucht! Die Galle läuft Einem 
in's Blut bei solcher Mißwirthschaft! Und da 
soll unsereins zuschaun und sich nicht mucksen: 
Pfui Teufel!" Und der Alte spuckte nachdrücklich 
auf den Boden, feiner Entrüstung besseren Aus 
druck zu geben. 
„Aber, Vatter, ich bitte Dich, Du versündigst 
Dich ja!" sagte das Mütterchen, betrübt die 
Hände faltend. 
Der Jost indessen ließ sich nicht irre machelk: 
„Will das dumme Weibsvvlk auch noch mit 
reden:' Bleibt bei Eurem Kochtopf und bei 
Eurein Strickstrumpf. Alleweil heißt's,Sündigen', 
wenn sich unsereins traut ein wahres Wort zu 
reden! Aber ich will ihnen schon zeigen, was eine 
Harke ist. Eh ich mein Hans hergeben thät, thät 
ich's mit meinen eigenen Händen zusammenreißen 
oder abbrennen. Sechs Jahrhunderte lang hat's 
jetzt an dem Platz da gestanden und jetzt auf 
einmal wür's jemanden im Weg —, da soll doch 
gleich ein ganzer Wagen voll Donnerwetter drein 
schlagen!!" — 
„Und das will ein Christenmensche sein!" 
jammerte das Mariechen und hielt dem Kinde 
die Ohren zu. 
Jost kam plötzlich zur Besinnung, er fuhr sich 
wie jemand, der aufwacht, über die grauen, 
funkelnden Augen und sagte beschämt: „Geflucht 
hab' ich, nicht wahr, Mariechen? Und dem Kinde 
Aergerniß gegeben! Ach Göttchen! und es steht 
doch geschrieben: ,Wer Eines von diesen Kleinen 
ärgert, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an 
seinen Hals gebunden würde und man ihn in's 
Meer versenkte, wo es am tiefsten isst." 
In jähem Uebergang von Zorn zu Reue und 
Niedergeschlagenheit ließ der alte Mann den Kops 
auf die Brust sinken, und die hellen Thränen 
liefen ihm in den grauen Stoppelbart, denn die 
Worte des alten Jost waren rauh, schnell und 
jach, aber sein Herz war weich, und mit seinen 
bösen Reden hatte er noch alleweil sich selbst am 
wehesten gethan.
	        

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