Full text: Hessenland (11.1897)

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Augenblick aber hatte ich alle meine Besinnung 
und Ueberlegung wieder. Entschlossen und ohne 
ein Wort zu sagen, langte ick meine Stalljacke 
vom Nagel an der hohen Säule herab, fuhr 
hinein und erst dann, als der letzte der Knöpfe 
nach Vorschrift in seinem Loche stak, sagte ich 
ruhig und gemessen: „Ich gehe, Sie zu melden." 
Kaum waren die Worte über meinen Lippen, 
so war jener Quartiermeister in Sicht, der vor 
hin hier kegelte. Er hatte sich bis dahin, un 
bemerkt von mir, hinter der Säule gehalten und 
vertrat mir den Weg. 
„Was will der Kerl? Melden?" schrie er mich 
mehr an, als daß er es gesagt hätte. „Was, 
melden?" schrie mich der Quartiermeister wieder 
holt an. Ich hielt in meinem Gange, kaum 
aber stand ich, so hatte ich eine nicht nünder- 
krästige Ohrfeige auf deni andern Theil meines 
Gesichts. 
Durch den mit aller Macht geführten Streich 
verlor ich meine kerzengerade Haltung, ich fuhr 
zur Seite. Da durchdröhnten aber auch schon 
wieder die zornwüthigen Worte mein Gehör: 
„Kerl, weißt Du nicht, daß, wenn Du vor einem 
Vorgesetzten stehst, Du gerade zu stehen hast?" 
und abermals brannte mir ein Schlag auf dem 
linken Backen. „Willst Du gerade stehen?! 
Willst Du! Willst Du!" dröhnte es lauter und 
immer lauter, und ein jeder dieser Ausrufe war 
von einem Schlag abwechselnd rechts und links 
begleitet. 
(Fortsetzung folgt.) 
Aus crllter uu6 neuer Zeit. 
Landgraf Ludwigs von Marburg Vorliebe 
für Kram metsvögel. Landgraf Philipp's Sohn 
Landgraf Ludwig testutor, Regent zu Marburg, 
dessen Vorliebe für seltene Jagdbeute in dem vorigen 
Heft dieser Zeitschrift (S. 262) gedacht worden ist, 
scheint auch ein Verehrer kulinarischer Genüsse, die 
der Wald zu liefern im Stande ist, gewesen zu 
sein, u. a. von Krammetsvögeln, deren zu gedenken 
gerade in der Herbstzeit besondere Veranlassung 
vorliegt. 
Dafür spricht Folgendes: Am 27. Oktober 1592 
schickte ihm Graf Albrecht zu Nassau, Saar 
brücken und zu Sarwerden, Herr zu Lahr, 
laut eines in der Ständischen Landesbibliothek zu 
Kassel im Original aufbewahrten Schreibens ans 
Gleiberg 100 Stück Krammetsvögel, „solcher 
zürn besten zu genießen und darmit sürlieb zu 
nehmen". Der Landgraf nahm das Geschenk dankbar 
an, wie es aus feinem aus Marburg datirten 
an der gleichen Stelle erhaltenen Antwortschreiben 
vom 28. Dezember desselben Jahres hervorgeht, 
in welchem es u. a. heißt: „sagen Euch daruor 
günstigen Danck, vnd ist vsf einmahl zuviel gewesen. 
Da wir es auch mit etwas, so Eilch anmutig 
wehre, günstig beschnlden können, wollen wir es 
nicht vnderlaßen". 
Hasserodt und seine Angehörigen. Aus 
eine Anfrage an das lutherische Pfarramt in 
Wollershausen bei Gieboldehausen wegen 
Hasserodt und seiner Angehörigen theilte Herr 
Pastor Dralle daselbst ans den dortigen Kirchen 
büchern gütigst Folgendes mit: 
Am 9. Juni 1783 wurde „der Herr Administrator 
des hiesigen adligen (von Minnigerodeschen) 
Gutes, später Pachtinhaber genannt, Herr Heinrich 
Christian Hasserodt mit der Hochwohlgeb. 
Fräulein Charlotte Louise Karoline von 
Lettow, des He. Landjägers von Lettow zu Königs 
thal (in der ehemal. Grafschaft Hohnstein a. Harz) 
ältesten Fräulein Tochter, copulieret". Der Vater 
ist von Sr. K. K. Majestät Franz II. am 27. März 
1796 nobilitirt worden. 
Ueber die Geburt dreier Kinder geben unsere 
Register Auskunft. 1. Am 19. November 1784 
wurde ein Töchterlein geboren, Friederike Wil 
helmine Henriette Karoline, das jedoch, 
5 Monate und 10 Tage alt, am 29. April 1785 
bereits wiederum genommen wurde. 2. Georg 
Friedrich Wilhelm ist geboren am 2. Oktober 
1786 und getauft am 6. Oktober 1786. Gevattern 
waren: Herr Hauptmann Georg Wilhelm von 
Minnigerode, Herr Landjäger zu Königsthal 
Friedrich Christoph von Lettow, Frau 
Majorin von Minnigerode, Sophie Char 
lotte, geb. von Minnigerode, Frau Gerichts 
inspektorin Holtzmann. Dies ist der bei Kassel 
durch die Fremdherren Erschossene. Ein Bruder 
ist hier ihm noch nachgeboren: 3. Georg Karl 
August, geboren am 8. Dezember 1787. 
Es scheint, als ob die Familie bald darauf von 
hier verzogen sei. Jedenfalls wird der Name in 
den Büchern fortan nicht mehr genannt. Auch 
ist der Eltern Tod hier nicht registrirt. 
Die Schwester Karoline, an welche Hasserodt 
den im vorigen Hest (S. 251) wiedergegebenen
	        

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