Full text: Hessenland (11.1897)

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daß sein Bruder und bei seiner eignen Kinder 
losigkeit sein nächster Erbe Eberhard wohl nicht 
dazu im Stande sein werde, und beauftragte 
denselben, als er infolge einer schweren Wunde, 
die er im Kampfe gegen die Ungarn empfangen, 
sein Ende herannahen sah, die Reichskleinodien 
dem mächtigsten feiner Vasallen, dem Sachsen- 
Herzoge Heinrich, zu überbringen. Eberhard 
besaß Selbstverleugnung genug, den ihm er 
theilten Auftrag auszuführen. Kaum war Konrad 
gestorben (918) — seine Gebeine ruhen im Dome 
zu Fulda, welchen Ort er selbst zu seiner Ruhe 
stätte bestimmt hatte 13 ) _ so begab sich Eberhard 
zum Sachsenherzog Heinrich, den er nach der 
bekannten Erzählung beim Vogelfang angetroffen 
haben soll, und übergab ihm die Reichskleinodien. 
Als nun bei der darauf veranlaßten Versamm 
lung von Franken und Sachsen, welche in Fritzlar 
stattfand, Eberhard Heinrichs Tugenden pries, 
da ries der damalige Erzbischof von Mainz, 
Namens Heribert, begeistert aus: „Wer an 
feinem Feinde einen solchen Lobredner findet, der 
muß fürwahr ein edler Mann sein", und Heinrich 
wurde von den Anwesenden jubelnd zum König 
gewählt. Die anderen Fürsten Deutschlands 
wußte er nach und nach sich unterthänig Zu 
machen. 
Leider sollte der hochherzige Eberhard 14 ), welcher 
mit König Heinrich I. in gutem Einvernehmen 
blieb, unter dessen Nachfolger, dem Kaiser 
Otto I., auf gewaltsame Weise sein Leben ver 
lieren. Durch Uebermuth eines sächsischen Vasallen 
zur Empörung veranlaßt, wurde er zu einer an 
sehnlichen Pserdelieferung (seine Mitschuldigen zum 
Hundetragen) verurtheilt; dann schlug er sich zum 
Stiefbruder Otto's, Thankmar, und nach dessen 
Tode zu anderen, dem Kaiser feindlich gesinnten 
Männern, bis er endlich bei Andernach im Kampfe 
nach heldenmütiger Gegenwehr fiel (939). 15 ) 
Mit ihm erlosch das vorzugsweise in Fritzlar 
residirende Geschlecht der Konradiner im Mannes 
stamme. Wer danach Herr von Fritzlar ge 
worden, ist nicht bekannt. Kaiser Otto I. 
beehrte es wiederholt mit seinem Besuche. Er 
kam 943 nach Fritzlar und hielt zehn Jahre 
später daselbst eine Reichsversammlung (953), 
welche wichtige Punkte betraf, nämlich Recht 
sprechung über den Erzbischof von Mainz, der 
den Kaiser über Gebühr vor den Thoren hatte 
warten lassen, und über Verwandte, die des Hoch- 
verraths beschuldigt wurden, und sehr zahlreich 
besucht war. Dem Erzbischof und dem Schwieger 
sohn des Kaisers, Namens Konrad, wurde Ver 
zeihung zu Theil, jedoch erhielt der Letztere das 
von ihm besessene Herzogthum (Lothringen) nicht 
wieder, welches Erzbischof Bruno von Köln, des 
Kaisers jüngerer Bruder, bekam. Der Sohn des 
Kaisers, Namens Ludolf, wußte, da sich die 
Verhandlungen in die Länge zogen, zu entkommen, 
stellte sich aber der nächsten Reichsversammlung 
(954), die gleichfalls in Fritzlar stattfand, wo er 
zwar begnadigt wurde, aber das von ihm besessene 
Herzogthum (Schwaben) nicht wieder bekam, das 
Gras Burkhard, Sohn des ersten Herzogs von 
Schwaben, empfing. 
") Dux ipse Everhardus militum armis, multis 
vulneribus acceptis ac viriliter redditis, perfossus 
tandem telis corruit (Widukindi res gestae Saxo- 
nicae ed. Waitz. Monumenta Germaniae historica. 
Scriptores III.) Falckenheiner I, S. 62, Note 31. 
") Rommel, Th. I, Anm. S. 79. 
") Vergl. Dr. Hugo Brunner: „Eberhard. Graf 
von Hessen, Herzog von Franken." „Hessenland" I, Probe 
nummer. D. Red. 
(Fortsetzung folgt.) 
Erinnerungen aus den letzten Tagen eines deutschen 
Fürstenthums. 
Von einem ehemaligen kurhessischen Offizier. 
c^^uch die von unseren Militärmusiken in der 
r\ „Neuen Anlage" gegebenen Konzerte boten 
^ " eine sehr angenehme Unterhaltung. Ganz be 
sonders war es die „Gardemusik", die Ka 
pelle unseres Leibgarderegiments, die eine große 
Anziehung ausübte, nicht nur auf uns, sondern 
auch auf die Offiziere der anderen Kontingente 
(Fortsetzung.) 
(Nachdruck verboten.) 
und aus die Zivilbevölkerung von Mainz, denn 
cs war in der That ein vorzügliches Musikcorps, 
das nur aus wirklichen Künstlern bestand, die 
gleichzeitig Mitglieder des Orchesters des kurfürst 
lichen Hoftheaters waren und dort unter der 
Leitung des Hofkapellmeisters Reiß eine vorzüg 
liche Schule durchmachten. Viele von ihnen waren
	        

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