Full text: Hessenland (11.1897)

M 20. 
xi. Iayrgang. Laslkl. 16. OKtilier 1897. 
Herbstgedanken. 
» es Sommers Aulsschlag mußt' ermatten 
Und stiller ward's in ^lur und Hain; 
Ls dehnen sich die Abendschatten, 
Und früher bricht die Nacht herein. 
Verödet sind die weiten Felder, 
Des Sandmanns Gaben eingebracht, 
Lin neu' Gewand umschließt die Wälder 
Von wunderbarer Farbenpracht. 
Doch stille ist's auch hier geworden: 
Der Vögel mnnt're Sängerschaar 
Lntflieht im gerbst dem rauhen Norden 
Und ziehet südwärts Jahr um Jahr. 
Des Waldes Schönheit muß vergehen, 
Schon sinkt das welke Laub herab; 
X^icr kann nichts Irdisches bestehen, 
Und auch dem Menschen winkt das Grab. 
Sein eigen siüchtig' Lrdenleben 
Läßt die Natur ihn deutlich sehn, 
Lr sieht sich überall umgeben 
Von stetem Werden und Vergeh'n. 
Der gerbst zumal mit seinen Blüthen 
Und Früchten, seinem edlen Wein, 
Der im Geleit bald Sturmeswüthen, 
Bald goldig klaren Sonnenschein: 
Lr zeigt des ernsten Mannes Leben, 
Reich ist's an Uamps und Mißgeschick, 
Doch krönt auch Segen all' sein Streben, 
Ihm blüht daheim ein sonnig' Glück; 
Und wenn des Lebens Blätter fallen, 
Aommt auch für ihn die Winterszeit; 
Bis er den Lenzruf hört erschallen, 
Den Weckruf für die Lwigkeit. 
K- O.
	        

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