Full text: Hessenland (11.1897)

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Das Kloster, welches Bonifatius zu Fritzlar 
gründete, wurde mit Benediktinern besetzt, — kam 
er doch selbst aus einem Benediktinerkloster. 
Zum Abte bestellte er wegen seiner häufigen 
Abwesenheit seinen Landsmann Wigbert, einen 
eifrigen sittenstrengen Mann. Sodann erbaute 
er eine dem Apostel Petrus geweihte Kirche neben 
dem Kloster, und von dieser heißt es z. B. in 
den „Mittelalterlichen Baudenkmälern in Kur 
hessen" S. 2 8 * ): „möglicher Weise nur eine 
Vergrößerung oder Erneuerung der mit dem 
Holze der Donnereiche erbauten Kirche". Für 
diese Jdentifizirung spricht der Umstand, daß 
von einer Kirche zu Geismar in damaliger Zeit 
nirgends die Rede ist, dagegen die Gründung 
der Kirche zu Fritzlar sehr ausführlich und im 
Anschlüsse an die Füllung der Donnereiche be 
handelt wird, und dabei nur noch die Kirche zu 
Amöneburg erwähnt wird. 
Bonifatius erhob auf seiner dritten Reise nach 
Deutschland (738) den aus der südwestlich von 
Fritzlar gelegenen kahlen Höhe, dem Bürberg 
oder Bura berg, erbauten Ort, welcher durch 
Natur und Kunst für damalige Zeiten stark 
befestigt war. zu einem Bischofssitze und weihte 
seinen Landsmann Witta zum ersten Bischof von 
Bürberg (741). Seine Lebensverhültnisse sind 
nicht näher bekannt, als daß ihn der Nachfolger 
des Bonifatius ans dem erzbischöflicher Stuhle 
zu Mairrz, Lullus, als er sein Ende herannahen 
sah, zu sich rrach Mainz beschied, und daß Witta 
dort sehr bald starb urrd zwar unter der Messe, 
und auch in demselben Jahre Lullus (786). 
Wahrscheinlich hatte er dem Urnstand, daß er krrrz 
vor diesem bedeutender: Manire, bekanntlich dern 
erster: Abte von Hersfeld, verschied, zu verdairkerr, 
daß er später mit diesem unter die Heiliger: 
versetzt worden ist. Wenck sagt darüber (a. a. O. 
S. 260 fg.): „Er wurde zu dem gewöhnlichen 
Kirchenadel der Heiligen erhoben, man weiß aber 
doch kein Wunder von ihm, vermuthlich weil sich 
hierirr die Hersfelder Mönche durch den heiligen 
Wigbert schorr so versorgt hielten, daß sie keinen 
neuen Wurrderthäter nöthig fanden." 
Die Gebeine des oben erwähnten Abts Wigbert, 
welcher 747 zu Fritzlar verstarb, wurden in 780 
nach Hersfeld gebracht. Dies vorausgeschickt zur 
Erklärung der Benrerkung Wenck's halten wir 
urrs im Gange der Geschichte. 
Es wird uns ein verheerender Einfall der 
Sachsen in Hessen und besonders irr Fritzlar, 
8 ) Bergt. auch die „Baudenkmäler im Neg.-Bez. Kassel" 
<1870) S. 0-2 fg. und den angegebenen Vortrag von 
R ognes, ferner G. Land a u : Malerische Ansichten 
von Hessen (Kassel 1842) S. 194 fg. 
aus dem Jahre 774 berichtet. Die Sachsen, 
gegen die Karl der Große zuvor (772) siegreich 
gewesen war, indem er ihre Festung Eresburg 
(das heutige Ober-Marsberg) eirrgenommerr und 
das sächsische Heiligthum Jrrnensul zerstört hatte, 
benutzten den Zug Karl's gegen die Longobarden 
im Jahre 774, um ihre Festung wieder zu 
erobern und wegen der Zerstörung ihres Heilig 
thums sich zu rächen, und fielen, was hier gerade 
in Betracht kommt, irr Fritzlar ein. Dessen 
Bewohner flüchteten mit ihren Habseligkeiten urrd 
— was nicht vergessen wurde — mit den Gebeirren 
ihres hochverehrten vor der Kirche zu Fritzlar 
begrabenen Abtes Wigbert rrach dein befestigten 
Bürberg (von den verschiedener: Schriftstellern '•') 
castrum oder castellum genannt) und überließen 
ihrer: Geburtsort der Wuth der vordringenden 
Heiderr. Diese richtete:: auch eine gründliche 
Zerstörung an, und viele Wohnungen sauten in 
Schutt und Asche; auch das Kloster ging mit 
der: Urkunden in Flarnrnei: auf. Nur die vor: 
Bonifatius geweihte Peterskirche widerstar:d 
dem Feuer, was natürlich mit Wur:dern aus 
geschmückt wurde. „Eirrige Jüi:glinge vor: über 
menschlicher Größe, urrd arrgethar: mit weißer: 
Kleidern, ließen sich ::: glürrzerrder Lichtgestalt 
aus der Zinne des Tempels sehen, urrd brachten 
einer: so panischer: Schrecken über die Sachsen, 
daß alle davor: liefen. Ein Sachse, der deur- 
ungeachtet das angelegte Feuer noch anblasen 
wollte, wurde in der rrümlichen Stellrurg todt 
gefunden." Hatte doch Bonifatius im prophetischem 
Geiste vorausgesagt, daß die Kirche zu Fritzlar 
niemals sollte verbrannt werden. 10 ) Aber Fritzlar 
entstand aus der Asche von Nenerrr, und nun 
verfiel merkwürdiger Weise der Bürberg. 
Auch das Kloster ward wieder aufgebaut und 
dasselbe, welches bei feiner Gründn::g nur als 
Klösterlein (momisteriolum) bezeichnet worden 
war, gewaru: rmmentlich durch seine Klosterschule 
großes Anseherr. 21 ) In Fritzlar wurde sogar der 
dritte Erzbischof von Mainz gewühlt (786): Richolf. 
0) so z. B. Wenck a. a. O. S. 315 Note i. 
'") cf. Würdtwein, Tom. JII pag. 378. Servata 
tua- fuisset eedesia, monasterium tarnen et claustrum 
cum primariis huius incliti loci documentis penitus 
destructum et exustum . . 
”) Das Peters-Stift erhielt eine ansehnliche Schenkung 
durch Karl den Großen, welcher mehrere ihm von dem 
Mainzischen Erzbischof Lullus abgetretene Güter, belegen 
in mini8terio (comitatu) Rabanono et Swiganio vel 
Agilgando —jedenfalls in Hessen — cum ternis Ecdesifs 
cum eorum ornamentis . . schenkte am 4. Juli 782; 
vergl. Wenck,. a. O. Bd. II S. 329, 534; Nrk.-B. II. 
S. 10, VII. 
(Fortsetzung folgt.)
	        

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