Full text: Hessenland (11.1897)

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Georg von Kasserodt. 
Gedächtniß des hessischen Volkes leben noch 
ss heute die Männer fort, welche in der Zeit der 
^ Fremdherrschaft in mannhaftem Muth, wenn 
auch zur Unzeit und ohne die genügende Ueber- 
legung, versucht haben, das Joch abzuschütteln und 
für die Rückkehr des angestammten Landesherrn 
die Bahn zu ebnen. Zu ihnen gehörten u. A. 
Oberst E m m er i ch und „Georg" von Hasse- 
rodt. die zudem durch ihr heroisches Ende be 
sonders rühmlichst bekannt sind. Von Hasserodt, 
der zuletzt von H. Brand in ihrer historischen 
Erzählung „Unter König Jöroine" zu einer der 
Hauptgestalten gewählt ist, wußte man bislang 
nicht allzuviel, nicht einmal seinen Geburtsort. 
Um so willkommener ist es, daß die „Deutsche 
Tageszeitung" in ihren Nummern vom 15. 
und 16. September (Nr. 432 und 433) drei bis 
lang unbekannte Schriftstücke im Wortlaut ver 
öffentlichen kann, welche über Hasserodt manches 
Neilebringen. Es sind dies folgende: das Todesurtheil, 
welches am 12. Mai 1809 von dem Militär 
gerichtshof über Hasserodt gefällt wurde, der Ab- 
schicdsbries, welchen er in der Nacht vom 12. auf 
13. Mai an seine Schwester Karoline schrieb, und 
schließlich der Brief, den Pfarrer Ruppers- 
berg ans Kassel, der ihn zum Tode vorbereitet 
hatte, einige Zeit später an seine Mutter richtete. 
Diese Dokumente lauten folgendermaßen: 
I. 
Urtheil 
des besonderen Militär-Tribunals. Welches den 
Friedrich Wilhelm voll Hasserodt, zweiundzwanzig 
Jahre alt, gebürtig ans Wollershausen im Harz- 
Departement, wohnhaft in Allendorf im nämlichen 
Departement, vormals Unter-Lielltenant in hessischen 
Diellsten, zum Tode verurtheilt, indem er an einer 
bewaffneten Zusammenrottung gegen die öffentliche 
Ordnung Theil genommen, und Proklaulationen, 
welche zlnn Aufruhr gegen seinen rechtmäßigen 
Herrn reihen sollten, ausgetheilt hat. 
Heute, den zwölften Mai Eintausendachthuudert- 
neun, um halb vier Uhr Nachmittags, ließ das 
permanente besondere in Kassel residirende Militär- 
Tribunal, dem königliche Dekrete vom 5. April d. I. 
zufolge errichtet, und aus den Herren: Reubell, 
Divisions-General, Präsident, v. Klösterlein, 
General, v. Bongars, General, v. Lepel, 
Oberst, v. Laville, Oberst, v. Krumbkow, 
Lieutenant I.Kl., v. Lelon, Lieutenant 2. Kl. be 
stehend, den Friedrich Wilhelm von Hasserodt, ehe 
maliger Unter-Lieutenant in hessischen Diensten, 22 
Jahre alt, groß 5 Fuß 4 Zoll, mit blonden Haaren und 
Augenbrauen, niedriger Stirn, grauen Augen, ge 
wöhnlicher Nase, Mittlerin Mund und ovalem Ge 
sicht, vor sich erscheinen, welcher angeklagt ist, Theil 
an einer bewaffneten Zusammenrottung gegen die 
öffentliche Sicherheit genommen, und zum Aufruhr 
gegen seinen rechtmäßigen Herrn reihende Prokla 
mationen ausgetheilt zu haben. 
Nachdem das Tribunal den besagten Friedrich 
Wilhelm v. Hasserodt befragt, und sowohl die 
mündlichen als schriftlichen Aussagen der Zeugen, 
auch das eigene Geständniß des Beklagten angehört 
hatte, so erkannte dasselbe: 
1. Daß Beklagter am 21. April einen Bries, 
Aufruhr abzweckende Proklamationen einschließend, 
erhalten hat, und daß er diese abschreiben lassen, 
ausgetheilt und bekannt gemacht hat; 
2. daß Beklagter v. Hasserodt die Gemeinde 
Allendorf, Pistolen in der Hand haltend und die 
Einwohner zum Ausruhr reihend durchlaufen hat; 
Und den Artikeln 3 und 4 des königlichen De 
krets vom 6. April zufolge, welche also lauten: 
„Jeder durch die bewaffnete Gewalt verhaftete 
Verführer soll vor das besondere Tribunal der 
Militärdivision, worin er sich befindet, geführt, von 
demselben gerichtet, zum Tode verurtheilt und so 
gleich erschossen werden. 
Jeder, der mit bewaffneter Hand gefangen wird, 
indem er an bewaffneten- Zusammenrottungen theil- 
nimmt oder genommen hat, soll gleichfalls gerichtet, 
verurtheilt und hingerichtet werden." 
Das Tribunal verurtheilt den besagten Friedrich 
Wilhelm v. Hasserodt zur Todesstrafe, und ver 
ordnet, daß das Urtheil sogleich, unter der Auf 
sicht des Plahkommandanteu von Kassel vollstreckt 
werde. 
Es befiehlt ferner, daß besagtes Urtheil gedruckt 
und allenthalben, wo es nöthig ist, angeschlagen werde.
	        

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