Volltext: Hessenland (11.1897)

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bewogen fühlte. Zudem lassen sie einen Blick in 
den tiefen, sittlichen Ernst von Schvmbnrg's Cha 
rakter thun. 
„ . . . Ich habe dein wiederholten Wunsche des hiesigen 
Magistrats, als seinen Vorstand mich vorschlagen zu dürfen/ 
nachgegeben, bin, nach einer Unterredung mit dem Fürsten, 
von diesein als Bürgermeister der hiesigen Stadt für das 
nächste Jahr bestätigt. Obgleich diese jährliche Wahl- 
Erneuerung bisher oder sonst immer eine herkömmliche 
Wiedcrbestütigung war, so dürfte die Stelle in so bewegter 
Zeit, tvie die jetzige, dadurch sehr prekär geworden sein. 
Ich bemerke dies nur, weil ich mir beim Entsagen auf 
einen gesicherten, die reichhaltigste Aussicht gewährenden 
Posten eher etwas anderes, als bloße Rücksicht auf Klugheit 
vorwerfen durfte. Es ist aber bei alleil, die mit den 
besonderen Verhältnissen des mir übertragenen Amts ans 
der Ferne oder näher bekannt sind, nur eine Stimme, 
daß sie zu den schwierigsten im Lande gehöre, weniger 
oder vielleicht gar nicht durch die damit verbundenen 
Geschäfte au sich, als durch die häufigen und unangenehmsten 
Berührungen mit anderii Behörden. Die vielen, sich nicht 
selten entgegengesetzten Interessen, welche dabei aiisgeglichen 
werden sollen, geben ihm eine fast einzige Stellung. 
Mündlich könnte ich mich darüber umständlicher aussprechen. 
Dir wird diese Andeutung hinreichen, uni einzusehen, wie 
sehr ich gegeii mich selbst, gegen die Pflichten gegen Frau 
und Kinder und gegen das Amt selbst gefehlt, indem ich 
dasselbe annehmen zu wollen erklärte. Und doch war 
mir's in jenem Augenblicke, als man sich wiederholt au 
mich wendete, nachdem ich den ersten Vorschlag ziemlich 
laut und zuletzt bestimmt abgelehnt, als könne ich nicht 
widerstehen, träumte von Ruf, von Pflicht! — Vielleicht 
war es nicht einmal der Zug von Pflicht, vielleicht ein 
weiches Nachgeben, und wer weiß, ob nicht selbst Stolz 
über die angetragene Würde sich, mir selbst verborgen, 
darein mischte, obgleich sonst der herrschende Ehrgeiz in 
unsern Tagen und Verfassungen bei so rein bürgerlichen 
Aemtern keine Nahrung mehr zu finden scheint, sondern 
nur den Staatsdienst im engeren, gewöhnlichen Sinne, 
den herrschaftlichen, sich zum Ziel zu setzen pflegt. 
Nun freilich, da ich etwas als Pflicht ergriffen, wovon 
es vielleicht das Gegentheil war, muß ich alle Kraft 
zusammenrufen, um es als Pflicht zu üben, geschehe es 
auch auf Kosten meiner Ruhe, meines Lebensglücks, und 
—• bitte Du am Throne der Liebe und des Lichts, daß 
von dort der Strahl der Wahrheit und des Rechten mir 
immer Heller aufgehe und mich leite auf schroffer, dunkler 
Bahn, zum Besten meiner Mitbürger und zum Glücke 
derer, die der Himmel meinem Herzen noch näher 
legte. ..." 
Airs KeinratH rrrrö Ir/enröe. 
V e r l e i h u n g c n von D x b c n int b A u s = 
zeichnungen in Hessen. Ans Anlaß des 
Aufenthalts Kaiser Wilhelm's II. in der Pro 
vinz Hessen-Nassau bei Gelegenheit des Kaiser- 
manövers sind vielen Angehörigen des Regierungs 
bezirks Kassel Orden und Auszeichnungen zu Theil 
geworden, von denen wegen Mangels an Raum 
unter „Personalien" nur ein beschränkter Auszug 
gegeben werden kann. 
Durch die Verleihung hessischer Truppentheile 
an hohe Chefs, so des hessischen Jägerbataillons 
Nr. 11 an die Königin Margarethe von 
Italien, sowie des Dragonerregiments Nr. 5, 
Freiherr von Manteuffel, an den Herzog Karl 
Theodor in Baiern ist der Beweis als erbracht 
zu erblicken, daß die kriegerischen Söhne des Hessen 
landes in ihren Leistungen auch in allerletzter Zeit 
gegen früher nicht nachgelassen haben. 
Münzen und Medaillen der Dr. G. 
GläßnerI' chen Sammlungen. Seit Anfang 
Juli d. I. sind Montags und Donnerstags 
Nachmittags von 3 bis 5 Uhr im Zimmer des 
Rathhauses der Residenzstadt Kassel zur ebenen 
Erde rechter Hand die Münzen und Medaillen der 
Sammlungen, welche der Apotheker vr. G. Gläßner 
daselbst durch Testament vom 3. Februar 1890 
der Stadt Kassel vermacht hat, zur Besichtigung 
zugänglich. Mit dem Gläßnerstchen Vermächtniß, 
in dessen Besitz die Stadt durch das Ableben des 
Stifters am 12. September 1891 gelangte, ist 
ein zur Vermehrung der Sammlungen bestimmtes 
Kapital von 20 000 Mark verknüpft. Die Samm 
lungen sollen für ewige Zeiten als ein untrenn 
bares Ganze betrachtet werden und dürfen nie 
veräußert werden. Zunächst hatten die Samm 
lungen in den Räumen der Stadtbibliothek (Mur- 
hard'schen Stiftung) Unterkunft gefunden, wurden 
dann in das Bosemuseum übergeführt und 
alsdann, da auch hier die erforderlichen Ausstellungs 
räume nicht beschafft werden konnten, in das oben 
erwähnte Zimmer des Rathhauses gebracht. Die 
Verwaltung wurde durch Stadtrathsbeschluß vom 
24. März und 2. April 1896 dem Mitglied des 
Stadtraths Herrn Generalmajor z. D. Har nickell 
übertragen, dem auch die Jnventarisirung und 
Katalogisirung der Sammlungen zufiel. Da die 
hessischen Münzen und Medaillen deren werth
	        

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