Full text: Hessenland (11.1897)

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auch heuet fertig wurde»i, und so etwas für 
Eller Liebdeil zu kaufen fursalleu werbt, wil ich 
Euer Liebdeu allch nit uneroffent laßin, beim der 
selben Euer Liebdeu sreuntlich Diust zu ertzeigeil 
bin ich geneigt." 
An diesen Brief hat der verstorbene Keßler in 
feinen hinterlassenen Aufzeichnungen, die in der > 
Ständischen Landesbibliothek in Kassel aufbewahrt 
werden, folgende Betrachtungen geknüpft, die auch 
unseren Lesern einleuchten werden: Mit völlig 
unwiderleglicher Gewißheit, — sagt Keßler —, 
geht nun freilich aus diesem Schreiben nicht hervor, 
daß das darin erwähnte Pfeiflein die Form eines 
Schlüssels gehabt, mit der weiter geilannten Kette 
verbunden und zum Tragen vor der Brust be- ! 
stimmt gewesen, auch ist nicht ausgeschlossen, daß ! 
Kurfürst Friedrich „Pseislein" genannt habe, was 
eine andere Bestimmung gehabt. 
Ob aber das Angehänge die Form eines Schlüssels 
oder einer Pfeife gehabt, dürste zuvörderst bei 
Erörterung der vvrgedachten Frage von wenigem 
Belang sein, da, wenn der Landgraf kein Bedenken 
fiilden konnte, eine eigentliche Pfeife an einer Kette 
vor der Brust zu tragen, er natürlich ebensowenig 
Anstand genommen haben kann, einen zugleich als 
Pfeife zu gebrauchenden Schlüssel zum Zwecke 
dieses Gebrauchs an jener Stelle zu tragen. 
Sodann wird eine bestandene Verbindung der 
Pfeife oder des Schlüssels mit der zugesandten 
Kette schon deshalb angenommen werden müssen, 
weil Kette und „Pseislein" mit dem Schreiben 
offenbar abgegangen waren und demnach das Ueber- 
sendete nur Kette, wovon also die Pfeife nur ein 
Theil gewesen sein kann, genannt wird, auch von 
einer Ausbesserung der Kette selbst nicht die Rede 
ist, diese mithin nicht beschädigt gewesen und dem 
Kurfürsten mit dem Schlüssel oder der Pfeife nur 
iu der Absicht zugesaudt sein wird, die von ihr 
abgefallen gewesene Pfeife wieder an der Kette, zu 
welcher sie mithin gehörte, befestigen zu lassen. 
Wollte man die Zubehörung der Pfeife zu der 
Kette nicht einräumen, so würde auch jedenfalls 
eine Verlegenheit über die Bestimmung des von 
dem Goldschmied verfertigten und mithin ganz 
gewiß golden oder silbern gewesenen Schlüssels 
entstehen, der doch zum Ausschließen hölzerner 
Schubladen und eiserner Kasten nicht wohl ver 
wendet sein kann. 
Die bedeutendste bisher bei Einräumung der 
Bestimmung oder Mitbestimmung des Schlüssels 
zum Gebrauch als Pfeife obwaltende Schwierigkeit 
scheint die Ansicht abgegeben zu haben, daß es der 
Würde des Landgrafen nicht entspreche, anzunehmen, 
er habe den Schlüssel zu solchen gewöhnlichen 
häuslichen und sonstigen minder wichtigen Zwecken 
wie zum Herbeirufen eines Kammerdieners, zum 
Gebrauche auf der Jagd u. f. w. offen vor der 
Brust getragen und sich damit abbilden lassen, 
während doch hierbei außer Acht gelassen wird, 
daß die Bestimmung der damals von Fürsten und 
anderen hohen Standespersonen getragenen Ketten 
hauptsächlich Erhöhung des Schmuckes der Kleidungen 
und Bezeichnung vorhandener Standesuuterschiede 
war, mithin au denselben auch Gegenstände zur 
Vermehrung solchen Putzes befestigt werden konnten, 
denen eine ideelle oder sonstige besondere Bedeutung 
nicht »mte^ulege»» war. So ist z. B. Kurfürst 
Johann Friedrich von Sachsen in Pautaleou's 
Prosographia lieroum, Basileae 1505, mit einem 
Ringe an einer goldenen Kette und sind andere 
Standespersonen daselbst ebenfalls mit ähnlichen 
Schmucksachen vor der Brust abgebildet. Warum 
hätte gerade der Schlüssel aus der Reihe von der 
gleichen an den Ketten befestigten Gegenstände»! 
verbannt sein sollen, »vie denn Estor in der Vor 
rede zum 1. Bande der Marburger Beyträge zur 
Gelehrsamkeit nnb Kunst auch in der Mehrzahl 
von fürstlichen Zeitgenossen Philipp's redet, welche 
Schlüssel an Ketten über der Brust getragen 
Hütten. 
Wenig Erfolg verspricht es, wenn wir nun 
darüber nachdenken wollten, zu »velcheu Zwecken 
sich Landgraf Philipp seines „Pseisleius" bedient 
habe und ob der an der Kette befestigten Pfeife 
irgendwelche tiefere Bedeutung zu Grunde liege, 
die sich etwa aus den persönlichen Beziehungen 
Landgraf Philipp's zu Kurfürst Friedrich dem 
Weisen erklären lasse. 
Vorläufig genüge es, die von Georg Ludwig 
Keßler mit besonderen» Glück vertretene Hypothese, 
daß der scheinbare Schlüssel in Wirklichkeit eine 
Pfeife sei, wieder zu Ehren gebracht zu haben. 
Aus Karl Schorn bürg's Briefwechsel. 
Auch ohne das ihm in K a s s e l errichtete Dent 
inal würde der ain 4. Juli 1841 verstorbene 
Oberbürgermeister Karl Schomburg in» Gedächt 
niß der Kasseler Bürger wie des Hessenlandes 
fortleben. Will man zu einer klaren Anschauung 
des Wesens des großen Patrioten gelangen, so 
bietet das Studiun» des fesselnden Buches von 
Karl Bernhardt: „Karl Schomburg. Brief 
wechsel und Nachlaß mit biographischen Andeutungen. 
Kassel 1845" dazu die beste Gelegenheit. An 
dieses zwar alte, aber deshalb noch keineswegs 
veraltete Werk zu erinnern, bezweckt die Wieder 
gabe der folgenden Zeilen aus einen» Briefe 
Schornburg's von» 17. November 1821, worin er 
die Gründe auseinandersetzt, d»»rch die er sich zu 
der Uebernahme des Bürgermeisteramtes
	        

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