Full text: Hessenland (11.1897)

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lieutenant in die Artillerie- und Jngenienrschule 
aufgenommen und gab sich vorzugsweise dem 
Studium seiner Lieblingswissenschast hin, der 
Mathematik. 
Bei dem Ueberfalle von Kassel durch den rus 
sischen General Czerniezew wurde Wiegrebe am 
28. September 1813 als Lieutenant in die 
Artillerie versetzt, Ende des Oktober brach das 
Königreich Westfalen zusammen, das Kurfürsten- 
thnm Hessen wurde hergestellt und unser junger 
Offizier put Seeondlientenant int kurhessischen 
Artillerieregimente ernannt. Im Februar 1814 
zog er in diesem gegen Napoleon ins Feld. Er 
nahm an den Belagerungen von Thionville und 
Luxemburg Theil. Nach dem Frieden wurde der 
junge wissenschaftlich strebende Offizier Lehrer am 
Kadetteneorps und im Dezember 1820 zum 
Kapitän befördert. Bald darauf erhielt er mit 
Nadowitz, dem späteren berühmten Freunde 
König Friedrich Wilhelm's IV., die Versetzung 
in den Generalstab. Als Mitglied der Kommission 
des deutschen Bundes war er im Jahre 1821 
bis zutu September bei Uebernahme der Festung 
Landau thätig. Nach dem napvleonischen Sturme 
war Europa wieder in seine Fugelt eingerenkt 
worden, die Nothwendigkeit trat hervor, die viel 
fach veränderten Gebietsverhültnisse festzulegen 
und die Darstellung durch Karten zu verbessert!. 
Kurfürst Wilhelm II. von Hessen beschloß im 
Frühjahre 1821 die Landesaufnahme seines Staates 
und ernannte im Oktober eine Kommission, der 
auch Wiegrebe angehörte, unter dem Vorsitze 
des Obersten von Cochenhausen. Sie vertraute 
Wiegrebe die Trianguliruug der Herrschaft 
Schmalkalden an, eines etwa fünf Quadrat 
meilen umsassenden Gebietes am Thüringer Wald. 
Er empfing die Eletnente der Dreiecksseite Seeb erg 
bei Gvtha — Inselsberg, an die er anknüpfte, 
in Erfurt und führte die Arbeit im Jahre 1822 
aus. Im folgenden Jahre wurde unter seiner 
Leitung die Meßtischaufnahme dieses Gebietes im 
Maßstabe von st^ooo der wirklichen Größe durch 
geführt, hiertnit eine selbstständige Erstlings- 
schöpfnng des jungen Offiziers. Doch zu seinem 
Schmerze mußte er auf die Fortsetzung der Auf 
nahme im Hanptlande des Kurstaates verzichten, da 
sich die Geldmittel dafür nicht hatten finden wollen. 
Wiegrebe setzte jedoch die Arbeit fort, die bereits 
von fremden Trigonometern gemessetten Winkel 
für das Dreiecksnetz wurden gesammelt, auch 
andere Vorbereitungen für die zukünftige Landes 
vermessung getroffen. Professor Gerling zu 
Marburg bewirkte die von ihnt ans dem 
Johannisberge bei Nauheim begonnene Dreiecks 
legung des Hanptnetzes für den Kurstaat bis etwa 
zur Hälfte; sie war durch Verbindung mit der 
hannoverischen ans die im Jahre 1820 von 
Schuhmacher in Holstein gemessene Basis ge 
gründet. Das Bedürfniß eines allgemeinen 
Dreiecksnetzes trat auch für die Katasterarbeiten 
im Lattde hervor, ebenso empfand man die 
Nothwendigkeit von Uebersichtsblättern im Maß 
stabe topographischer Karten. Der Mann, dessen 
Begabung und Neigung ihn zur Schaffung solchen 
Werkes befähigten, arbeitete Jahr für Jahr mit 
ehernem Fleiße daran. Wiegrebe wurde am 
19. April 1835 zum Major befördert, dantt am 
20. Mai zum Vorsitzenden einer Kommission er 
nannt, welcher Professor Gerling und Landmesser 
Kraus angehörten, die im Jahre 1838 das 
Hauptdreiecksnetz beendigte. Gleichzeitig führten 
unter Leitung Wiegrebe's sieben Offiziere die 
Meßtischaufnahme von sieben Quadratmeilen in 
der Gegend von Kassel (1835—1840) in V12500 
der wirklichen Größe aus. Der erprobte Mann 
empfittg am 6. Juni 1839 die Erttennnug zunt 
Direktor der Landesaufnahme des Kurfürsten- 
thums. Nach seinen Vorschlügen erfolgte am 
26. Juni 1840 die Instruktion des Finanz 
ministeriums, welche für die Dreieckslegung neun 
Jahre, für die Detailaufnahme zehn Jahre in 
Aussicht nahm. Die Instruktion für die topo 
graphischen Arbeiten des königlich preußischen 
Generalsiabes vom 15. Januar 1821 war zu 
Grunde gelegt worden. Nachdent das neue 
Personal — zwei Theodolitführer mit zwei Ge 
hilfen und acht Meßtischführer, z. Th. Offiziere, 
z. Th. vont Steuer- und Straßenbaufache — ein 
geübt war, begann int Juli 1840 die Tri- 
angulirung, 1841 die Meßtischaufnahme. Nach 
einer Uebungsprobe im Lithographiren wurden 
im August 1845 deut Kurprinzen-Mitregenten 
fünf Meßtischblätter vorgelegt, worauf der Regent 
die Lithographirnng der Landesaufnahme in Vsoooo 
der wirklichen Größe befahl (15. November 1815). 
Der Leiter der letzteren stieg am 2. Juni 1843 
znnt Oberstlieutenant ans; eilte lithographische 
Abtheilung wurde 1845 neben der trigonometrischen 
und der Meßtischabtheilung eingerichtet. 
Von dem Direktor zusammengestellt, erschien 
im Februar 1847 eine „Sammlung verschiedener 
Bestimtnungcn und Notizen nach den bis dahin 
getnachten Erfahrungen". Weiter im August 1847 
„Hilsstafeln für die topographische Landesauf 
nahme von Knrhessen nach Walbeck's Elementen 
des Erdsphüroids, Abo 1819" (Kassel 1847). 
Mitten in den Stürmen des Jahres 1848 wurde 
dem Lande die erste von seiner Anfnahme gezeitigte 
Frucht dargereicht: 6 Blatt von den 40 ins 
gesammt beabsichtigten wurden am 29. August
	        

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