Full text: Hessenland (11.1897)

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noch: „Caspar Christoph Grimelshenser, anjetzo 
Capitain d’armes tu der Graulichen GUiarnison 
zu Hanaw, repetirt seine gestrigs tags mit den 
Herren Deputirteu sRathsdepntationsmitgliedern) 
gepflogene sVernefhmnng*), vnnd weiln dieselbe 
die Erörthernng deren dabey vorgefallenen Dis- 
puteu nit über sich nehmen wollen, sondern vor 
E. E. Rath verweisen, als bath er, weiln er 
weckhfertt, vff vorhergehende Delation die Herren 
Deputaten Bescheidt darinnen günstig zu er 
theilen. — Decretum: Es würdt von den Herren 
Schöffen Grimelsheusers zwey jährige Wacht 
best allung, so sich vff 2 4 Reichsthaler 
belaufst, vff 25 Gulden lirnitirt, die in seiner 
Rechnung beygebrachte Kriegsvnkosten aber vigore 
hiebeuohrigen allgemeinen vonn E. E. Rath er 
theilten Decret8 gentzlichen cassirt vnnd vfs- 
gehoben von Amptswegen." 
Aus diesen Protokollauszügen geht hervor, daß 
Caspar Christoph Grimmelshausen (die Ab 
weichung Grimelshenser kann doch kaum irgend 
wie in’s Gewicht fallen) bis zu seiner Uebernahme 
als Capitain d’armes in den hanauischen Dienst 
im Jahre 1638 als Wachtmeister der Stadt 
Gelnhausen thätig gewesen war und zwei Jahr 
später bei seinem endgültigen Abzüge im Jahre 
1640 noch Forderungen an die Stadt zu stellen 
hatte, welche auf seinem früheren Dienstverhültniß 
ztl der Stadt beruhten. 
Der Schluß, in diesem bis zum August 1640 
der Gelnhüuser eingesessenen Bürgerschaft un 
gehörigen Kriegsmann Caspar Christoph den 
Vater des Dichters ztt sehen, mit dem, wie mit 
dessen vermuthlichem Großvater er den Vornamen 
Christoph theilt, liegt nahe, um so näher, als 
münniglich bekannt ist, daß der Verfasser des 
„Simplicissimus" in den Schrecken des dreißig 
jährigeil Krieges aufwuchs. Der Adel der Familie 
von Grimmelshausen, an dem Duncker (a. a. O. 
S. 393) festhält, wird durch den Stand des 
muthmaßlichen Vaters des Dichters wie durch 
das Fehlen eines „von" im Protokollbuche 
nicht beeinträchtigt, war derselbe doch bis zu 
*) Stockfleck im Popier. 
seinem Uebertritt in hanauische Dienste anscheinend 
Leiter des städtischen W achtdienst es gewesen; die 
immerhin geringe und verspätete Bezahlung wird 
bei dem, was Gelnhausen int dreißigjährigen 
Kriege auszuhalten hatte (vergl. Junghans, Ver 
such einer Geschichte der freien Reichsstadt Geln 
hausen, Zeitschrift N. F. 12, S. 314 - 321), 
nicht ausfallen. Daß die 24 Reichsthaler bezw. 
25 Gulden Gehalt an Grimmelshausen mit 
anderen Augen zu betrachten sind als eilt gleicher 
Betrag in der Gegenwart, braucht ja nicht be 
sonders hervorgehobeit zu werden. 
Wenn ltach deut Rathsprvtokoll vom 8. Ja 
nuar 1645 eine Katharina Grimmels- 
heuserin dem Bürgermeister eine „Supplikation" 
übergab, Herrn Hüneselden mit 15 Rthlr. Schulden 
betresfent", und ans Grund eines von ihr vor 
gewiesenen Handscheins des Herrit Hünefeld bat, 
dieses Mitglied einer der damals besonders ge 
achteten Familie der Stadt zur Zahlung zu 
veranlassen, so spricht nach dein Obigen die 
Wahrscheinlichkeit eher dafür, als dagegen, in 
dieser Katharina die Mutter unseres Dichters zit 
erblicken. Ihr Gatte konnte gestorben nnb sie 
nach dessem Tode in ihre Vaterstadt zurückgekehrt 
sein, wo sie möglicherweise noch Grundbesitz haben 
konnte und vor dem 17. Oktober 1657 gestorben 
sein muß (Flohr a. a. O.). 
Wir lernett durch Flohr auch vier Familien 
kennen, welche die „Grimmelshansischelt Erben" 
waren, deren einer Katharina wohl angehört 
haben wird, nämlich Riehel, Gllntermanit, Krug 
oder Schösser, welch’ letztere bekanntlich in Geln 
hausen noch heute in hohem Ansehen steht. 
Daß der berühntte Sohlt tticht genannt wird, 
erklärt sich schon aus seiner Abwesenheit, mochte 
er bereits in der guten Stadt R e n ch e n in 
Baden weilen, als deren Schultheiß er 1675 
starb, oder nicht. Wußte tnan überhaupt im 
Jahre 1657 in Gelnhausen, wo er weilte? 
Selbst wenn aber über die Nähe der Ver 
wandtschaft von Kaspar Christoph ntib Katharina 
Grimmelshausen mit dem großelt Dichter noch 
Zweifel herrschen sollten, so würden an der Ver 
wandtschaft selbst doch solche nicht bestehen köitlten. 
W. chrotefend. 
Die Unruhen in Hessen im Jahre 1830. 
wird vielleicht den Lesern dieser Zeitschrift 
m nicht uninteressant sein, eine kurze, unter 
Op dem unmittelbaren Eindruck der Ereignisse 
verfaßte Schilderung der Unruhen, welche Ende 
— (Nachdruck verboten.) 
September 1830 in K u r h essen ausbrachen, 
ztt lesen. Dieselbe entstammt der jugendlichen 
lebendigen Feder eines Studenten der Rechte, 
L. Bang aus Goßfelden bei Marburg. Ich
	        

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