Full text: Hessenland (11.1897)

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Grimmelshausens Gltern. 
^u seinem Aufsätze: „Ein Gelnhänser Copial- 
buch des 10. Jahrhunderts mit der ersten Er- 
R wnhnuug der Fainilie G ri mitiel§h n usen" 
hat der verstorbene Oberbibliothekar der Landes 
bibliothek ztt Kassel Dr. Albert Dnncker in 
der Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde (Band 9 der neuen Folge 
S. 335—396) bcn Wahrsche i n l i eh k e i t s b e lveis da 
für erbracht, daß der Name Grimmelshausen 
wirklich der Familienname des berühmten Dichters 
ist und dieser ans Gelnhausen stammt. Die 
bis dahin nicht ausgeschlossene Möglichkeit, daß 
auch dieser Name nicht der ursprüngliche des 
Verfassers des „Simplieissimns" und anderer 
zahlreicher Werke gewesen, sondern von ihm an 
genommen oder ihm bei seiner Erhebung in den 
Adelstand ertheilt worden sei, kann seit Duncker's 
Veweisführnng, die sich ans einen Handschristen- 
fnnd des Bürgermeisters Georg Schösser im 
Gelnhänser Stadtarchiv stützte, als beseitigt gelten. 
Zwar hat Georg Flohr tut „Hessenland" 
(Jahrgang 1890, S. 271—272) an Duncker's 
Darlegungen dies und jenes bemängelt, im einzel 
nen nicht ohne Grund, so z. B. die Bezeichnung 
der IIvfuitbc, ans welche sich Dnncker bezog, als 
„Kaufbrief", wahrend es in Wirklichkeit nur ein 
„Revers" ist, ans deut Jorg Christoph von 
Grimmelshausen, Zentgraf zu | ilnter= | 
Neichenbach (tut Vogelsberg, 4—5 Stunden von 
Gelnhausen) und seilte Gattin Katharina, 
geb. Krug, dem Bürgermeister und Rath der 
Stadt Gelnhausen bescheinigeit, von ihnen die 
Vergünstigung erhalten zu haben, eine naher be 
zeichnete Behausung in der obersten Haitzergasse 
kaufen ztt dürfen. Weiter mag Georg Flohr 
gern eiltgerättmt werden, daß es nicht statthaft 
ist, die betreffende Handschrift der Stadt „Copial- 
bnch" zu nenneit, während es auf seiner S. 11 
bei eitlem Eilltrag „Bürgermeisterbuch" genannt 
wird, daß ferner das Halts, welches die „Grimmels- 
hansischen Erben" laut Ausweis des — nunmehr 
im königlichen Staatsarchiv ztt Marburg ans- 
bewahrten — „Wahrschastsbnches" unter dem 
17. Oktober 1057 verkauften, nicht in der Haitzer 
gasse lag, wie das Gebäude, welches Jorg 
(Nachdruck verboten.) 
Christoph von Grimmelshausen und seine Ehefrau 
int Jahre 1571 erwerben dursten, und daß Hans 
I a k o b C h r i st o p h Grimmelshausen selbst tmter 
den Grimmekshansischen Erben nicht namentlich 
erwähnt wird. Alles das genügt nicht, um 
Dllncker's Wahrscheinlichkeitsbeweis dafür um 
zustoßen, daß der Dichter nicht aus einer armen, 
fast verkommenen Banernfamilie stammt, wie 
man in neuerer Zeit bis dahin allgemein glaubte, 
auch nicht aus einem Gelnhausen benachbarten 
Spessartdorf, sottdern daß Gelnhausen selbst der 
zeitweilige Sitz der Familie Grimmelshausen und 
daher gewiß attch der Geburtsort des Dichters 
war. Dnncker (a. a. O. S. 392) hält den Käufer 
des betreffenden Hanfes der Haitzergasse für den 
Großvater nltseres Dichters, dessen Geburt von 
deit Heransgeberil seiner Werke ziemlich überein 
stimmend zwischen die Jahre 1622 bis 1625, 
spätestens in das letztgenannte Jahr gesetzt wird. 
Weitn des Dichters Eltern bislang noch un 
bekannt waren, so ist es dem Schreiber dieser 
Zeilen gelungen, bei Gelegenheit der Durchsicht 
der alten Rathsprotokolle der Stadt Gelnhausen 
deren Namen mit derselben Wahrscheinlichkeit 
altsfindig zu lnachetl, wie Dnttcker den Groß 
vater. In dem Protokoll der Stadt Gelnhausen 
vom Jahre 1640, welches im Gelnhänser Stadt 
archiv vorhanden ist, heißt es in dem Bericht 
über die Rathssitznng vom 5. August: „Hatt 
sich Caspar Christoph Gr im els Heuser, 
atljetzo Cnpikain (Turmes ztt Hanaw, bei) E. E. 
Rath nttgemeldt vnnd allgezeigt, nachdem er 
bereiths zwey Jahr lang in der Hanawischen 
Kriegsbestallung begriffen, auch langer darinnen 
zu verharren vnnd die Bürgerschafft alda an 
zunehmen vnnd haußheblichen niderzuthun ge- 
sinnet, als pathe er sich der bürgerlichen Pstichten, 
damit er E. E. Rath alhie verwanndt, zum 
Dfitmt seines Intents zu erlassen vnnd ihme 
darüber einen Abscheidtsbriesf mittzutheilen. Ist 
ihme erkandt, durch bett Stattschreiber der Gebühr 
nach atißgesertigt vnnd zngestelt worden." 
In dem Bericht über die Sitzltng der Stadt- 
schöffen, der lieben dem Rath bestehendell städtischen 
Körperschaft, vom 7. August 1640 lesen wir dann
	        

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