Full text: Hessenland (11.1897)

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Die hessischen Landgrafen und die Berg- und Hüttenmcrke. 
Von W. Grotefend. 
(Fortsetzung) 
ollen wir uns die Summe der Rechte und 
Pflichten der Bergorbeiterschaft im 16., 17. 
und 18. Jahrhundert, und zwar zunächst 
deren Rechte vergegenwärtigen, so würden sich 
selbige etwa folgendermaßen zusammenfassen lassen. 
Die Bergleute waren schon seit der Bergsreiheit 
Landgraf Philipps von 1536 befugt, sich frei Wohn 
häuser zu errichten, zu denen ihnen das nöthige 
Brennholz geliefert wurde, Bier und Wein nach 
ihrem Gefallen zu kaufen, auch dursten sie es 
ungehindert ohne alles llngeld verschenken und 
vertreiben, sowie alles andere Gewerbe, was zur 
Mehrung ihres Nahrungsstaudes dienen konnte, 
nach Belieben betreiben. Sie genossen Aceise- und 
Liceutsreiheit, waren also aller Abgaben aus die zu 
ihrer Haushaltung erforderlichen Nahrungsmittel, 
namentlich auch aus ihren Haustrunk, ledig. 
Besaßen sie keine eigenen Häuser, sondern wohnten 
zur Miethe, so war es den Hauswirthen verboten, 
sie durch zu hohen Haus- oder Miethzins zu belasten. 
Die Gewerke erhielten in Betreff aller zum Betriebe 
des Bergwerks nöthigen Dinge wie Eisen, Unschlitt, 
Seile, Dielen, Holz und Kohlen das Vorkaufs 
recht. Niemand sollte sie darin hindern oder 
ihnen den Preis steigern. Die Bergleute genossen 
Freiheit von Boten-, Frohn-, Hand-, Wacht-, 
Jagd-, Wegebau- und anderen Personaldieusten 
und namentlich von den Personalsteuern, mit 
Ausnahme des peinlichen Gerichtsgeldes, jedoch 
nicht von den Reallasteu, die sie zu tragen hatten 
wie jeder andere Ortsbewohner. So hatten sie von 
ihrem Vieh ihren Antheil an der Besoldung des 
Vieh- und Schweinehirten zu entrichten; indeß 
bestanden auch in Bezug aus die Reallasten im 
Einzelnen wieder Privilegien, sie waren nämlich zur 
Entrichtung örtlichen Dienstgeldes an und für 
sich nicht verpflichtet, sondern nur in im Jahre 
1677 festgestellten Einzelfüllen, in denen sie die 
Hülste zu zahlen hatten. Besaßen Bergleute außer 
ihrem befreiten Besitzthum, zu dem besonders 
auch Neurodungen gerechnet wurden, noch ander 
weitiges Gut, auf dem bereits Lasten geruht 
hatten, ehe es in ihre Hände übergegangen war, 
so waren die alten Lasten ebenso weiter zu tragen, j 
Mit den Ortschaften, in welchen die Bergleute 
in größerer Anzahl ansässig waren, kam es über 
diese Abgabenfragen zu manchem Zwist, da deren 
Einnahmen selbstverständlich durch die Privilegien 
der Bergleute vermindert wurden. Die Orts 
obrigkeiten wußten indessen für den Fall höchster 
Noth oder Kriegsläufte eine Beschränkung der 
Abgabenfreiheit der Bergleute zu erreichen. 
Zu Garnison-(Miliz-) Dienst waren sie laut 
ausdrücklichen Befehls Landgraf Karl's vom 
10. November 1707 nicht heranzuzuziehen, 
ein Vorrecht, auf das sie hohen Werth gelegt 
zu haben scheinen, das aber von militärischer 
Seite immer wieder zu durchbrechen versucht wurde, 
wie die häufigen Bestätigungen desselben beweisen. 
In das aktive Heer traten sie schließlich vielfach. 
Unter dem Vorsitz des Bergvogts (Berghaupt 
manns) bestanden schon seit Erlaß der Berg-und 
Schieferordnung vom 3. Juni 1543 besondere 
Berggerichte, die mit einem Schössenmeister und 
11 Schössen, ehelich geborenen, frommen, un 
bescholtenen Männern, „die sich frömblich halten 
und ehrlichen Wandel führen", besetzt waren und 
in allen persönlichen Klagen gegen Bergleute 
zuständig waren. Diese Zuständigkeit erstreckte 
sich auch auf die Ehefrauen der Bergleute. 
Bei Forderungen anderer landgrüflicher Unter 
thanen gegen die Bergleute mußten sich die Gläubiger 
mit ihren Forderungen bei den Bergbeamten melden 
und zwar zeitig. Waren die Forderungen von letzteren 
für richtig befunden, so wurde für die Gläubiger 
vom Wochenlohn einbehalten und der Betrag 
denselben gegen Bescheinigung ausgefolgt. 
Hatten Bergleute an anderen Orten außerhalb 
des Bezirks der Werke, an denen sie beschäftigt 
waren, gefrevelt, so waren zwar die Berggerichte 
nicht zuständig darüber zu urtheilen, namentlich 
waren alle peinlichen Fälle ausgeschlossen, aber 
behufs Feststellung des Thatbestandes wurden die 
Bergbeamten zugezogen, die Requisition ging 
durch ihre Hand. Diejenigen Arbeiter, Fuhr 
leute u. dgl., welche nicht in wirklichem Bergdienst 
standen, sondern nur auf kurze Zeit gedungen 
waren, blieben an und für sich der Ziviljuris-
	        

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