Full text: Hessenland (11.1897)

M 18. 
XI. Jahrgang. 
Kassel, 16. September 1897. 
Fm Frauenberge zu Fulda 
Mer Schäfer zieht zum Thal hinab, 
Die Lämmlein einzupferchen, 
Der Abeudpurpnr fchickt herab 
Zur Ruh' die müden Lerchen. 
Des Pimmels rath gewölbtes Zeit 
Malt rath des Flusses Mellen, 
Als ab vom Sannengald geschwellt 
Schau feien feine (Quellen. 
Gleich Meihrauchdnft entsteigt Arom 
Dem Reiche jeder Blume; 
Und hört ihr's läuten dort im Dam, 
Dem grauen peiligthume? 
Bnn wird der Berg mir zum Altar 
Des Friedens hier auf Erden! 
Das Ave fingt die Dögelfchaar, 
Ich muß fein Priester werden! 
Jiu gelbes Blatt. 
^a liegt ein Blatt, vergilbt, verdorrt, 
Und spielend trägt der UAnd es fort. 
Es hat gegrünt am Lindenbaum, 
Der hach sich hebt im Aetherraum. 
Und Bienen kamen groß und klein 
Und sagen panig van ihm ein. 
Bun liegt's, der UAnde Spiel, im Maas, 
Gebrochen uou des Sturmes Stoß. — 
IDic doch dem Blatt, das rasch erbleicht, 
Das Menschenherz so seltsam gleicht. 
Ein Ingendtraum voll Lenzesblühn, 
Ein Erdenglück voll Liebesglühn! 
Dach nur ein kleiner Seelenschmerz 
Bricht Lenz und Liebe, Glück und Berz. 
Carl preser 
(ans „(öcüidilc“, 4. Auflage).
	        

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