Full text: Hessenland (11.1897)

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sich um eine im Jahre 213 u. Chr. nach km 
Siege über die Allemannen gestiftete Ehreninschrift 
für den Kaiser Caracalla. 
Frau ko ui a — Saxonia. Sonntag, am 
8. August 1897 feierten in der alten Philippina 
die alten Franken, Chatten, Sachsen ihr 50jähriges 
Stiftungsfest. Am 15. August 1847 wurde die 
Frankonia in Marburg gegründet; im Winter 
semester 1855/50 erlosch dieselbe unter dem Namen 
Saxonia. In den späteren Jahren vereinigte 
der „Frankentag" mit wenigen Unterbrechungen 
fast alljährig die Mitglieder zu einer Stistnngs- 
feier, selbstverständlich auch in diesem Jahre. 
Einer offiziellen Einladung folgte zur Anregung 
allseitiger Betheiligung das folgende Gedicht von 
Dr. W. Iacvbi zu Bockenheim: 
Noch einmal zu Fraukouiaü Jahresfeste 
Gntbieteu wir der Freunde kleine Zahl, 
9!orij einmal, ehe von dem kargen Reste 
Tic letzten wandern in der Schatten Thal. 
Und keiner fehle bei des Tages Feier. 
Der gerne noch des Freundes Stimme lauscht. 
Dem noch im Herzen blieb die Stätte theuer, 
Wo feines Gebens Frühling einst verrauscht! 
Wir lvollen uns in alte Zeit versenken 
llns der Erinn'rnng ferner Tage fren'n. 
Der Todten lvollen treulich wir gedenken 
Und unsrer Jugend volle Becher weih'». 
Die alten Lieder sollen lvieder schallen. 
Die trauten Weisen, sinnig, ernst und mild. 
Und ans den Töne» leis' vorüberwallen 
Manch' halb vergessen liebes Schattenbild. 
Und wenn des Tages Farben danil erbleichen, 
Der Abend dunkelt über Marbnrg'S Höh'n, 
Dann wollen scheidend lvir die Hand uns reichen 
Uild fragen nicht, ob wir uns wiederseh'n. 
Während im Jahre 1870, znin Universitäts- 
jnbilänin der nlmn maior Philippina, sich noch 
einige 80 Mitglieder zur Festlichkeit eingefnnden, 
ist heute das Häuslein der alteil Franken recht 
erheblich zusanlinengeschinolzen, und besonders hat 
der Tod in den letzten Jahren die Reihen sehr ge 
lichtet; es leben zlir Zeit- lioch 24 Mitglieder. 
Bon diesem noch lebenden kleinen Rest waren 
9 alte Herrn zur Feier versammelt, vielen lvar 
dllrch vorgerücktes Alter die Betheiligung unmög- 
lich geworden; es darf dies nicht wundern, wenn 
man bedenkt, daß der älteste der Anwesenden 
97 Semester und der letzte Fuchs der Berbindung 
84 Semester zählt. 
Die Festlichkeit wurde am Vorabend mit einem 
gemüthlichen Beisammensein begonnen. Am folgen 
den Morgen folgte eine Wagensahrt nach dem 
schön gelegenen Frauenberg, daran schloß sich 
in gemeillsames Festmahl im Gasthos zum Ritter. 
Neben so manchen Tischreden verherrlichte Dr. W. 
Jacobi das Fest mit folgendem Gedicht: 
In deiner Wälder reichem Kranz, 
Der hold das Thal umschließet 
Du schönste Zier des Heimathlands. 
Mein Marburg, sec gegrüßet! 
Sei mir gegrüßt, du Heller Strom, 
Du ragend Schloß, du stolzer Dom. 
Und hoch am Berggehänge 
Ihr Straßen steil und enge! 
Wie winkt ihr mir so freundlich heut', 
Ihr grün umlaubten Schenken, 
lind wecket lang' entschwund'ner Zeit 
Wehmüthiges Gedenken! 
Aus fernen Tagen hallt es nach: 
Der Jubel bei dem Zechgclag, 
Der Lieder munt're Weisen, 
Der Becher fröhlich Kreisen. 
Der Freiheit Geist wob einst das Band 
Und gab ihm seine Weihe, 
Als ans dem Freundeskreis erstand 
Frankonia, die freie. 
Wohl kamen Zeiten trüb und schwer, 
Und mancher Stnrnc erbraust' daher: 
Wir harrten ohne Zagen 
Des Heller'» Morgens Tagen. 
Run ist ein halbes Hundertjahr 
Im Fing der Zeit entflohen. 
Zerstoben längst die mnni're Schaar, 
Im Grab verstummt die frohen. 
Bon stolzer Zahl ein winz'gcr Rest 
Hält noch au alter Treue fest. 
Bald ruht im kühlen Grunde 
Der letzte von dem Bunde. 
Doch komnce, was da kommen mag, 
Ob morgen oder heute, 
Kein Trübsiiui soll anc Jubeltag 
Berküncmern uns die Freude. 
Roch lacht die Welt im Lwnnengold, 
Noch winkt der Wein uns licht und hold; 
Durch ihn muß cs gelingen 
Uns heute zu verjüngen. 
Ob der Bcgcist'rung Flamme auch 
In Asche längst gesunken, 
GS wecket der Erinn'rnng Hauch 
Bon neuem ihre Funken. 
Hell sprüh'n sic auf zur Gluth entfacht, 
Der Jugendmuth ist frisch erwacht 
Und sprengt der Jahre Schranken 
Glück auf, ihr alten Franken! 
Die letzten Eisenbnhnzüge führten die Einzelnen 
in vergnügter Stinunung wieder ihrer Heimath 
entgegen. L. 
Das Leitgedicht der vorigen Nummer (S. 209) 
ist von dein Verfasser zu dem 50 jährigen Stif 
tungsfest des „Wingolf" zu Marburg (s. Nr. 15, 
S. 207) gedichtet worden, wie nachträglich noch 
besonders hervorgehoben sei. 
Todesfälle. Am 14. August setzte der Tod 
den schweren Leiden der Frau Dr. Emilie Scheel,
	        

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