Full text: Hessenland (11.1897)

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Durch Wiesen zieht mit leisem Gauge 
Des Fuldastromes Silberschlange, 
llud mit dem ew'geu Wellenkciß 
Liebkost dem Thal der stille Fluß. 
Doch über alles, was Du hast, 
Geht Deiner Farben Glanz und Glast; 
Denn wenn der Abend kommt gezogen, 
Dann strahlst Du wie ein Regenbogen, 
Und wenn die Sonne von Dir scheidet, 
Zeigt sie im Blick noch, wie sie leidet; 
Des Lichtes Herzblut giebt sie hin 
Mit schrnerzlich-'liebcvoltem Sinn 
Und schenkt ans ihrer Strahlenhülle 
Purpur und Gold Dir noch in Fülle. 
Und streut die schönsten ihrer Blüthen, 
Um Dir die Trennung zu vergüten. 
Dann naht die Nacht in stetem Wandel, 
Nimmt Dich in ihren blauen Mantel, 
Und sicher ruhst Du und versteckt, 
Bis Dich der junge Tag erweckt. 
«->«— 
Ein hessischer Postbeamter im 18. Jahrhundert. 
Von I. Ruhl, Postsekretür in Marburg. 
cji lö Postschreiber in Kassel wurde am 7. No- 
/ft vember 1732 vom Landgrafen Wilhel in 
als Statthalter von Hessen „nomine regis“, 
d. i. im Namen des Landgrafen Friedrich I., 
Königs von Schweden, ein junger Mann Namens 
Georg Heinrich Ewald gegen 8 Thaler monat 
lichen Gehalts angestellt. Die ihm bei seinem 
Dienstantritt eingehändigte Dienstanweisung be 
stand aus 20 Paragraphen. Neben dem ®teufte 
im „Pvsteomtoir" soll er sich auch „zum eopyren 
brauchen lasseit" und das ganze Zeitnngs- 
geschäft so lange besorgen, bis es einem anderen 
Beamtem übertragen würde; die Zeittlngsgelder 
mußte er wöchentlich abliefern. Die Pvstgelder 
soll er genau nach den vorhandenen Taxen er 
heben und buchen; wenn er Diellst hat, darf er 
sich nicht aus dem Comtoir entfernen; es ist ihm 
nicht gestattet, über Nacht aus Kassel zu reisen; 
gegen jedermann, ob hoch oder niedrig, soll er 
sich stets ehrerbietig, hescheiden lind höflich be 
zeigen ; alle Sendullgen, welche mit den xeitcuben 
oder fahrenden Posten gu versendeil waren, mnßten 
in ein Buch und in eine Karte eingetragen 
werden, welch' letztere an beit Bestimmungsort 
mitgesandt wurde; Packete, Geldbriefe und Pre 
tiosen waren in der Karte besonders zn re- 
kommandiren. Die mit den Posten ankommenden 
Packete uild Gelder mnßten in ein besonderes 
Buch eingetragen werden, in welchem die Lokal 
sachen von dem verpflichteten Briefträger und die 
weitergehenden Sachen von dem sie weitersenden 
den Schreiber besonders qnittirt werden mnßten. 
Bei Abfertigung der Posten mußten die Packete, 
Beutel und Felleisen gut versiegelt und ver 
schlossen sein; der Abfertigung mußte der jeweilige 
Postmeister beiwohnen, welcher für alles ver 
antwortlich war. Wenn Sachen in schadhaftem 
Zustande ankamen, so mußte der Pvstschreiber 
dem Postmeister sofort Meldung davon machen, 
welcher dann der rückliegcnden schuldigen Post- 
anstalt eine entsprechende Mittheilung zugehen 
ließ. Das Personengeld und Uebersrachtporto 
war stets vorauszubezahlen und sofort zu bucheu; 
überhaupt wurde vorgeschrieben, daß alle und 
jede Postgelder sofort zur Kasse zu legen und 
zn buchen waren. Schließlich wurde dem Post 
schreiber Ewald noch zur Pflicht gemacht, daß er 
über alles, was er auf der Post gewahr würde, 
uicht die geringste Mittheilung an andere Per 
sonen machen dürfte. 
Diese Dienstanweisung aus dem Jahre 1732 
für den Postschreiber Ewald giebt uns heute noch 
ein sehr anschauliches Bild von den Pflichten, 
Dienstobliegenheiten und Anforderungen, die schon 
zu jener Zeit die hessische Postverwaltung von 
ihren Beamten verlangte. Man kann sagen, daß 
im Großen und Ganzen die hier ansgedrückten 
Grundsätze noch heute bei der Reichspost in 
Geltung sind. 
Vom 1. Januar 1735 an erhielt Ewald 
9 Thaler monatlich und vom 1. August 1737 an 
wurde sein jährliches Einkommen ans 150 Thaler 
festgesetzt, indem er von da ab zugleich zum 
zweiten Postskribenten in Kassel ernannt wurde 
und mit dem damaligen ersten Pvstskribenten 
Namens Gottwald den wöchentlichen Schalter 
dienst abwechselnd versehen mußte. Neben dem 
Schalterdienste lag ihm aber noch die Abfertigung 
mehrerer ihm zugewiesenen Posten ob, und ebenso 
mußte er noch das Zeitnngsgefchäft besorgen, 
über welch' letzteres er monatlich eine Zusammen 
stellung an den damaligen Postmeister Geschwind 
einreichen mußte, aus der ersichtlich war, ob mehr 
oder weniger Zeitungen debitirt wurden, als die 
Zeitungsvcrleger übersaildten. Die Zeit der Be 
förderung Ewald's zunl Kalkulator ist nicht be 
kannt. Er war noch nicht 20 Jahre im Post- 
dienste beschäftigt, als er am 9. Mai 1752 starb.
	        

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