Full text: Hessenland (11.1897)

deren Besuch unsern Lesern, soweit sich ihnen die 
Gelegenheit bietet, nochmals warm an's Herz gelegt. 
Universitätsnachrichten. Dem Kirchen 
historiker Privatdozenten Uie. tlikol. und Dr. phil. 
Hans Achelis zu Göttingen, Sohn des Universitäts 
predigers Professor Dr. Achelis zu Marburg, ist 
das Prädikat Professor beigelegt worden. 
Am 24. Juli entschlief zu Frankfurt a. M. 
im 77. Lebensjahre Konsul a. D. Becker, ein 
Mann, der sich um seine Vaterstadt Gelnhausen, 
zu deren Zierden seine schöne Villa gehört, hohe 
Verdienste erworben hat. Neben der Gründung 
der gemeinnützigen Schösfer-Becker'schen Stiftung, 
Kleinkinderschule und -Bewahranstalt, die im Jahre 
1881 von ihm und seinem noch nicht vergessenen 
Schwiegervater Konsul C. H. Schösser errichtet 
wurde, sind vor allem seine Leistungen auf dem 
Gebiete der Kunstpflege rühmend hervorzuheben, 
die dem Verewigten als ausgezeichnetem Kunstkenner 
sehr am Herzen lag. Zu der durchgreifenden 
Restauration der ehrwürdigen Marienkirche der 
alten Kaiserstadt in den Jahren 1876—1878, 
aus die der Freund der alten deutschen Kunst jetzt 
wieder mit hoher Befriedigung blicken darf, hat 
der Verblichene eine so außerordentlich reiche Bei 
hülfe beigesteuert, daß dadurch erst die Wieder 
herstellung des herrlichen Kunstbaues in voller 
Schönheit möglich wurde. Becker's thätigem Ein 
greifen ist es zuzuschreiben, daß das an der nord 
östlichen Ecke des Untermarktes zu Gelnhausen 
belegene, durch Konservator Dr. Bickell in Marburg 
entdeckte romanische Haus, in dem vielleicht das 
älteste Rathhaus oder älteste Kaufhaus der Stadt 
zu suchen ist, aus seinen Mitteln ohne Rücksicht 
auf die Höhe der damit verknüpften Kosten her 
gerichtet und somit die Stadt Gelnhausen um den 
Besitz eines Kunstdenkmals bereichert wurde. Die 
Stadt hatte dem edlen Manne mit Fug und Recht 
das Ehrenbürgerrecht verliehen. Nun ruht er von 
seinen langen und schweren Leiden, die ihn am 
Abend seines Lebens heimsuchten, aus. 
Kessische Wüchersetzcrrr. 
Lessing im Urtheile seiner Zeitgenossen. 
Zeitungskritiken, Berichte und Notizen Lessing 
und seine Werke betreffend, aus den Jahren 
1747 — 1781, gesammelt und herausgegeben 
von Julius W. Braun. Eine Ergänzung 
zu allen Ausgaben von Lessing's Werken. — 
Nachtragsband. — Vollendet und mit Vorrede 
versehen von Frau Julius W. Braun, fgeb. 
Stamm.j Berlin (Friedrich Stahn) 1897. 
Der am 5. Oktober 1895 Heimgegangene Ver 
fasser, dessen Name unseren Lesern wohl bekannt 
ist (vergl. „Hessenland" 1895, S. 273 — 275) 
war nicht mehr in der Lage gewesen, sein vor 
nehmstes Lebenswerk zu Ende zu führen, das allein 
hinreichen würde, sein Andenken vor dem Vergessen 
werden zu bewahren, nämlich sein Unternehmen, 
über die Werke der großen Klassiker des deutschen 
Volkes die Urtheile ihrer Zeitgenossen zu sammeln, 
um so ein getreues Spiegelbild der Aufnahme zu 
geben, welche die geistigen Erzeugnisse Schiller's, 
Goethe's und Lessing's bei ihrem Erscheinen ge 
sunden haben. Neben dem Nachtragsband zu 
Lessing fehlten noch die Bände, welche die Berichte 
aus den letzten Jahren Goethe's nach 1812 bringen 
sollten, ferner der zu „Schiller und Goethe" er 
forderliche Nachtragsband. Nunmehr ist, dank der 
unermüdlichen Arbeit der treuen Genossin, der 
thätigen Gehilfin ihres Galten an dem Kritiken 
werk während mehr als zwanzig Jahren, in Stärke 
von über 12 Bogen der lange erwartete Nachtrags- 
band zu Lessing erschienen, der nachträglich aus- 
gesundeue deutsche Kritiken, Anmerkungen über die 
Autoren, die benutzten Zeitungen und ein aus 
führliches Register enthält, ein Band, der ganz aus 
der Höhe der übrigen Theile des verdienstvollen 
Werkes steht. Bogen 1 — 3 lagen bereits beim 
Tode von Julius W. Braun gedruckt vor, Bogen 4 
war druckfertig, an der Drucklegung des Uebrigen 
ist die Wittwe hervorragend betheiligt, weshalb 
wenigstens an dieser Stelle das ihr gebührende 
Lob offen ausgesprochen sei. Wie Julius W. Braun 
in dem noch ans seiner Feder stammenden Theil 
der Vorrede bescheiden sagt, kann ein Werk wie das 
vorliegende nur Stückwerk bleiben. Daß dem so 
ist, wird jeder, der sich von dem Material, welches 
zu durcharbeiten war, eine Vorstellung machen 
kann, einsehen, ohne aber deshalb die Leistungen 
des Verfassers und seiner treuen, unermüdlichen 
Gehilfin zu verkennen. So geben wir denn auch 
diesem neunten Band des Kritikenwerkes unseres 
verstorbenen hessischen Landsmannes gern ein 
freundliches Geleitswort, aus welches er Anspruch 
hat, in der Hoffnung, daß derselbe in der gelehrten 
Welt nicht minder Beachtung finde, als seine 
Vorgänger und das Andenken an den selbstlosen 
Alltor von Neuem gestärkt werde.
	        

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