Full text: Hessenland (11.1897)

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Friedrich Christoph (zu Vertretenden) in 7 Para 
graphen unter stadtgerichtlicher Beglaubigung zu 
Kassel geschlossen wurde. Nach diesem Vertrage 
erhielt Wohlleben sür die Stellvertretung den 
Betrag von 240 Thalern als Einstandssumme 
zugesichert, wovon ihm alsbald 40 Thaler bei der 
Einstellung ausgezahlt, während der Rest bei der 
Landeskreditkasse bis zur Beendigung der Dienstzeit 
zu dem oben angegebenen Zwecke belegt werden sollte. 
Für den Fall, daß p. Wohlleben nach geschehenem 
Zuführung mit dem Tode abgehen oder untauglich 
werden würde, gingen alle seine Forderungen aus 
dem Vertrage aus seine Erben über bezw. mußten 
ungeachtet der eingetretenen Dieustuntauglichkeit 
an ihn selbst ausgezahlt werden. Der zum Gefreiteu 
aufgerückte p. Wohlleben hat sodann, wie aus 
seinem ebenfalls vorliegenden, von dem Oberst 
Osterwald, Kommandeur des 1. Infanterieregiments 
(Kurfürst), unter dem 21. März 1853 ausgefertigten 
Entlassungsschein (Paß) sür den p. Wömpner hervor 
geht, beide Abtheilungen des 1. Aufgebots abgedient 
und konnte mit Anrechnung seiner eigenen Dienstzeit 
in beiden Abtheilungen, wie dies auch in dem Passe 
ausgeführt ist, auf eine Gesammtdienstzeit von fast 
9 Jahren zurückblicken, von denen 5 Jahre aus 
seine frühere bei den Jägern zugebrachte Dienstzeit 
aus eigene Rechnung entfallen sein werden. Nach 
seiner Entlassung, in einem Alter von 31'/2 Jahren, 
war er in der Lage seine 200 Thaler nebst in 
zwischen aufgelaufenen Zinsen abzuheben und mit 
deren Hülse sich eine Stellung im bürgerlichen 
Leben zu erwerben. Au derartigen Füllen wird 
kein Mangel gewesen sein, die Stellvertretung hatte 
somit auch ihr Gutes. 
— 
Aus AeinrcrtH und Ir^emöe. 
Ausstellung in der Landesbibliothek. 
Die Ausstellung von Bildern und Plänen der 
Residenzstadt Kassel und von Wilhelms höhe 
in der Ständischen Landesbibliothek, auf die bereis 
in Nr. 14 dieser Zeitschrift (S. 191) hingewiesen 
ist, hat durch eine Anzahl neuhinzugekommener, 
höchst werthvoller Gegenstände, die zum Theil sür 
beu Zweck der Ausstellung von den Besitzern leih 
weise zur Verfügung gestellt sind, eine wesentliche 
Erweiterung erfahren. Darunter befinden sich: 
die durch Steindruck vervielfältigten Pläne der 
Moritz- und Karlsaue aus den Jahren 1686 bezw. 
1786, nach den Originalen gezeichnet von Major 
a. D. von Stamfvrd zu seinem Vortrage über 
die Karlsaue, mit dessen Abdruck im „Hessenland" 
alsbald begonnen werden wird, ein Geschenk dieses 
Herrn an die Bibliothek; zwei Tuschskizzen vom 
Schloß Wilhelmshöhe aus dem Jahre 1786 und 
denl alten fürstlichen Schloß, geliehen von General 
major z. D. von Bauer; ein Plan der Stadt 
und der Festungswerke (Eigenthum des Kaufmanns 
van der Linden); 14 Blätter, das alte im Jahre 
1811 abgebrannte kurfürstliche Schloß darstellend, 
mit Situationsplänen und den Grundrissen der 
einzelnen Stockwerke, gezeichnet von dem kürzlich 
verstorbenen Stadtbaurath Rudolph zu Kassel 
nach den Originalen, welche sich im Besitz der 
Königlichen Regierung daselbst befinden, dargeliehen 
von Architekt Zahn; eine Ansicht der Stadt aus 
der Vogelperspektive, etwa von der Oberneustadt 
aus gesehen (Eigenthum des Eisenbahnsekretärs 
Schnakenberg); eine besonders gut ausgeführte 
Karte der Unterneustadt (Eigenthum des Restau 
rateurs Heine) vom Jahre 1766, sowie fünf 
treffliche Aquarelle von Bleuel, Wilhelmshöher 
Ansichten darstellend (Eigenthum des Buchhändlers 
Klaunig». Vor allem aber sind zu nennen 
69 Photographien von Kasseler Straßen, Plätzen 
und Gebäuden, welche die Stadt Kassel aus ihrem 
Besitz aus Veranlassung des Sanitätsraths 
Ile. Endemann mit Genehmigung des Herrn 
Oberbürgermeisters W e st e rb u r g für die Dauer 
der Ausstellung gütigst verfügbar gemacht hat. 
Diese Photographien sind um so werthvoller, als 
sich darunter eine ganze Reihe befindet, die jetzt 
nicht mehr vorhandene Gegenstände darstellen, so 
eine solche der Martinskirche mit dem alten Thurm, 
der in seiner architektonisch freilich unschönen 
Form immerhin doch ein ehrwürdiges Kasseler 
Wahrzeichen war, eine solche des im Jahre 1891 
abgebrochenen Dechaneigebäudes, das dem den 
Kasseler Steuerzahlern so theuren Philippsplatze 
weichen mußte, und der nunmehr auch beseitigten 
Gnadengasse, an deren Stelle die Theaterstraße 
getreten ist. Die so reichhaltige Ausstellung, welche 
in letzter Zeit u. A. von Herrn Oberpräsident 
M a g d e b u r g, Excellenz, Landesdirektor Freiherrn 
Riedesel zu Eisenbach und Eisenbahndirektions 
präsident Ulrich einer eingehenden Besichtigung 
unterzogen ist, erfreut sich nach wie vor in den 
Stunden, in welchen sie geöffnet ist, nämlich 
Montags und Donnerstags von 11 — 12^2 Uhr 
Vormittags und Dienstags und Freitags 
Nachmittags von 4—5 ^2 Uhr eines regen Zu 
spruchs. Da die Ausstellung nur noch bis zum 
20. d. M. geöffnet sein wird, sei an dieser Stelle
	        

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