Full text: Hessenland (11.1897)

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Ihr vorliegendes neuestes Werk Zeigt uns wieder 
ihre herrliche Begabung, zu schildern, Menschen zu 
zeichnen und fesselnde Situationen zu entwickeln, 
die zuweilen sogar dramatisch wirken. Die Personen 
treten uns als natürliche Gestalten des Lebens 
entgegen, gleichviel, ob sie uns aus den breiten 
Schichten des Volks, in ihrer schlichten Einfachheit 
und Sprache, oder aus den Kreisen einer höher 
stehenden Gesellschaft vorgeführt werden. Es ist 
greifbare Wahrheit, was die Dichterin schreibt, 
und diese Wahrheit fesselt durch die blühende Form 
des sprachlichen Ausdrucks. Iran Mentzel weiß 
zu schreiben, sie läßt keine Lücke in der Darstellung, 
vermeidet aber auch andererseits die großen Breiten. 
Die elf Frankfurter Novellen sind Zeichnungen 
aus dem bürgerlichen Leben der Stadt Frankfurt 
bis zur Goethe'schen Zeit, und ich irre wohl nicht, 
wenn ich sie theilweise als Frucht historischer 
Studien hinnehme. Einige sind freilich nur Er 
zählungen bestimmter Vorgänge in der alten Kaiser 
stadt, sie gewinnen aber und nehmen unser ganzes 
Interesse dadurch in Anspruch: daß wir den 
handelnden Personen tief in die Seele sehen und 
infolgedessen ihre Handlungsweise begreifen, wie 
z. B. in dem „Lindenzweig", im „Pfingst- 
wasser", „Meisterschuß". Die kleine Novelle 
„Der Hexenmeister" dagegen zieht uns an durch 
ihren „Helden", den kleinen Wolfgang Goethe, das 
„Wölfche" der „Frau Rath". Der kleine Wolf 
wird am Weihnachtsabend durch das Dienstmädchen 
zum alten Puppenspieler Döhler gebracht, wo er 
sich die Komödie: „Das wunderliche Leben und 
traurige Ende des weiland berühmten Dr. Johannes 
Faust" vorspielen läßt. „Wölsche" ist natürlich 
ganz Aug' und Ohr imb äußert dann am Schlüsse, 
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Verliehen: den Oberlehrern Dr. Franz und 
Dr. Po hl er zu Kassel und Hölzerkopf zu Marburg 
das Prädikat Professor; dem Bürgermeister a. D. Braun 
zu Hersfeld der rothe Adlerorden 4. Klasse. 
Ernannt: der Landgerichtsrath Dr. Martin zu 
Hildesheim zum Oberlandesgerichtsrath in Celle; der 
außerordentliche Pfarrer Pfeiffer zum Pfarrer in 
Hohenzell; der Gerichtsassessor Volley zum Auditeur; 
die Referendare Dr. Hill, Bock und Dr. Hahn zu 
Gerichtsassessoren; Postsekretär Röbel zu Kassel zum 
Oberpostkassenbnchhalter in Magdeburg. 
Geboren: ein Sohn: Secondlieutenant Eduard 
Strahler und Frau (Hanau, 9. Dezember); Oberlehrer 
Dr. Otto Paulus und Frau Julie, geb. Schieck 
(Kassel, 11. Dezember); praktischer Arzt Dr. Ludwig 
Held mann und Frau Anna, geb. Merzyn (Ditfurt, 
18. Dezember); Regierungsrath Grimm und Frau Olga, 
geb. Stohlmann (Trier. 21. Dezember); Oberlehrer 
Dr. Ludwig Fenge und Frau (Jnowrazlaw, 
21. Dezember); Gymnasiallehrer Fritz Heckmann und 
Frau Anna, geb. Wagner (Kassel, 21. Dezember); 
dem alten Döhler gegenüber, seine Meinung: „Ach, 
das war schön! Ich möchte auch alles wissen, — 
wie Faust", wobei er aber gleich die Hoffnung 
ausfpricht, daß er doch auch den Teufel zuletzt 
unter sich kriegen werde. Goethe ist auch die Haupt 
person in der Novelle „Spinnenfädchen", in 
der wir mit einer seiner Liebes-Affairen, nach seiner 
Liebe zu Lotte, bekannt werden, aber auch den 
mächtigen Eindruck kennen lernen, den Goethe's 
Erscheinung aus die Frauen machte. In der an 
schönen Charakterzeichnungen reichen Novelle „Der 
Stein der Weisen", spielt Goethe nur insoweit 
eine Rolle, als am Abend des 8. Mai 1786 in 
Frankfurt die Darstellung des „Götz von Berlichingen" 
stattfindet, bei der die Frau Rath mit ihrer weißen 
Flügelhaube „wie das verkörperte Glück" aussah. 
Diese Ausführung ist zugleich der Ausgangspunkt 
der Konflikte, denen wir hier in einer Novelle 
begegnen, die uns mit einer srappirenden Darstellungs 
kunst in das Fühlen und Denken einer alten 
Frankfurter Patriziersamilie einführt. — Von den 
weiteren Novellen als „Mutter Ra Hel" — 
meisterlich durchgeführt in der Seelenmalerei zweier 
im Unglück sich berührenden, aber von wider- 
streitenden Empfindungen geleiteten Mütter —, 
dann „Galgen-Ursel" und „Der Kirchen 
stuhl" ist es schwer zu entscheiden, welcher man den 
Vorzug zuerkennen soll. Jede hat ihre besonderen 
Vorzüge, und die Leser dieser Blätter, denen das 
Buch hiermit bestens empfohlen sei, mögen das selbst 
beurtheilen. Hierbei sei schließlich bemerkt, daß die 
„Frankfurter Novellen" nicht etwa nur für Frank 
furter Leserkreise bestimmt sind, sondern Anspruch 
auf allgemeine Beachtung haben. ^ ^ 
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eine Tochter: praktischer Arzt Dr. Eysell und Frau 
Johanna, geb. Vilmar (Kassel, 21. Dezember). 
Gestorben: Professor Dr. phil. Albert Rands, 
38 Jahre altlMarburg, 17. Dezember); Schatzzahlmeister a.D. 
Eduard Klöpfer, 76 Jahre alt (Kassel, 17. Dezember); 
Veterinärassessor Hermann Holzendorfs, 56 Jahre 
alt (Kassel, 17. Dezember); PostassistentIulius Dieterich, 
26 Jahre alt (Kassel, 18. Dezember); Landgerichtsrath 
Karl Spangenberg, 63 Jahre alt (Marburg, 18. De 
zember); verwittwete Frau Baronin E l i s a b e t h S ch w e r tz e l l 
zu Willingshausen, geb. Gräfin Bose (Kassel, 
18. Dezember); Frau Pfarrer Wilhelmine Hast, 
geb. Paul, 23 Jahre alt (Niedergrenzebach, 20. Dezember); 
Handschuhsabrikant Karl Brübach, 66 Jahre alt 
(Göttingen, 21. Dezember); verwittwete Frau Amtsgerichts 
sekretär Lina Sudrow, geb. Strem me, 46 Jahre alt 
(Kassel, 23. Dezember); verwittwete Frau Katharina 
Weiffenbach, geb. Bickhard, 82 Jahre alt (Kassel, 
25. Dezember); verwittwete Frau W i l h e l m i n e K l e i n, 
geb. Bö dicker, 68 Jahre alt (Kassel, 26. Dezember); ver 
wittwete Frau Luise Ruelberg, geb. Graes, 83 Jahre 
alt (Kirchberg, 27. Dezember); Lehrer a. D. Johann 
Jiegler (Bettenhausen, 27. Dezember); verwittwete Frau 
Julie Schieck, geb. Lohmeye^ (Kassel, 29. Dezember). 
Für die Redaktion verantwortlich: Dr. W. Grotesend in Kassel. Druck und Verlag von Friedr. Scheel in Kassel.
	        

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