Full text: Hessenland (11.1897)

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Pracht des gewaltigen Elements in tansend glänzen 
den Spielen. Diese nngehenren Felsenmassen 
scheint die Hand der allmächtigen Natur hier 
anfgethiirmt ¿u haben. Und doch hat die Kunst 
alle diese prächtigen Wunder gethan. Hier scheint 
es der Kunst in der That gelungen, ganz in die 
Natur überzugehen, sich in ihr zu verliehren, 
daß auch ein geübteres Auge die Züge beyder 
verwechselt: so groß, in so gigantischem Styl, 
und doch so einsach hat jene gedichtet". Ueber 
die Fontaine ist zu lesen: „Einen Anblick, den 
kein Wort erreicht, gewährt das schwebende Feen 
schloß, emporgetragen in den Lüften von unsicht 
baren Geisteshänden, strahlend im Feyerglanz 
von Millionen Diamanten und Rubinen". Und 
sv geht es viele Seiten fort. 
(Schluß folgt.) 
Erinnerungen aus den letzten Tagen eines deutschen 
Fürstenttzums. 
Von einem ehemaligen : 
(Fortw 
uns ebenfalls noch cm jenem verhängniß- 
fr i vollen 25. Juni bekannt gemachter Befehl 
Ost unseres Divisionskommandeurs ordnete an, 
daß unsere Batterie und das 1. Husarenregiment 
am folgenden Tage nach Laitgenselbvld marschireit 
sollten, um im Verein mit IV2 Bataillonen des 
1. Infanterieregiments die Straße tiach Geln- 
h a n f e lt und S ch l ü ch t e r n zu beobachten. 
Die zurückzulegende Entfernlung war gering, so- 
daß wir bei Zeiten in unsere Ouartiere kamen, 
wo uns ein verhültnißmäßig längerer Aufenthalt 
beschiedeil war und wir ein ziemlich beschauliches 
Dasein führten. Vorposten- und Anfklärnngsdienft 
sielen natürlich der Infanterie und Kavallerie 
zu, und da ein Platz, wo wir mit bespannten 
Geschützen hätten crerziren können, nicht in un 
mittelbarer Nähe des Dorfes — und weit dnrfteit 
wir uns natürlich tiieyt entfernen — nicht vor 
handen war, mußten wir uns damit begnügen, 
täglich einige Stunden am nnbefpannten Geschütz 
und zu Fuße zu ererziren und ähnliche kleine 
Uebungen abzuhalten. 
Auch das außerdienstliche Leben gestaltete sich 
ganz gemüthlich durch den gemeinsamen Mittags 
tisch mit den Offizieren der anderen Trnppentheile. 
Die Abende verbrachten wir meist in einer kleinen 
etwas außerhalb des Ortes an der Straße nach 
Gelnhausen gelegenen Wirthschaft mit hübschem 
Garten. 
Hier sahen wir am 28. Juni Abends einen 
Postwagen vorbeikommen, in dessen Insassen wir 
den Generalstabsarzt Or. Knckrv und noch mehrere 
andere Militärärzte erkannten, die zur Verpflegung 
der bei unserem Abmarsch im Laznreth liegenden 
Kranken in Kassel zurückgeblieben, jetzt aber den 
kurhessischen Offizier. 
jjyug) (Nachdruck verlwtcu.) 
Satzungen der Genfer Konvention gemäß von 
den Preußen entlassen worden waren. Kurhessen 
war zwar der Genfer Konvention nicht beigetreten, 
aber Preußen ließ großmüthigerweise ihre Be 
stimmungen den hessischen Aerzten trotzdem zu Gute 
kommen. 
An demselben Abend noch erschien ein Befehl, 
wonach der Prinz Alexander die knrhessische Armee- 
division am folgenden Tage um H28 Uhr zu 
befichtigeii wünschte. 
Infolgedessen iiiarschirteii wir ani Freitag 
deii 29. Juni schon sehr frühzeitig nach denn 
Exerzirplatz der Hanauer Garnison, dem Lamboi- 
w alde. Sobald die Aufstellung der Truppen beendet 
war, hielt General von Loßberg eine kurze An- 
spraehe, worin er dein Schmerze Ansdruck gab, 
den jeder hessische Soldat über die traurige Lage 
des Kurfürsten empfinden werde, lind schloß mit 
der Aufforderung, die Gefühle der Treue uud 
Hingebung dllrch ein dreiinaliges Hurrah zu be 
kräftigen. 
Kurz darailf traf Prinz Alexander ein, und 
die Parade nahm den gewöhnlichen Verlauf, indem 
er zuerst die Frout der in zwei Treffen aus- 
gestellteii Division abritt, worauf ein einmaliger 
Vorbeimarsch folgte. 
Nachdeni dieser beendet war, ließ der Prinz 
das gesammte Offizierevrps znsainmcnrnfeu ititb 
hielt ebenfalls eine Rede. 
Tie Parade habe ihm die Freude verschafft, 
die Division kennen zu lernen, und wenn auch 
die Haltung der Truppen einen vorzüglichen 
Eindruck ans ihn gemacht habe, so müsse er doch 
anderseits zugeben, daß wir in Hinsicht auf 
unsere Kriegsvvrbereitungen noch so weit zurück
	        

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