Full text: Hessenland (11.1897)

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apothekers Nagell und war das Verhältniß des Sohnes 
zur Mutter besonders nach dem Ableben des Vaters, 
stets das herzlichste und das beste. Nommcl's Vater hatte, 
als s. Z. der Sturm der Freiheilstümpfe losbrauste und 
auch das Hessenvolk zum Kampfe gegen die französische 
Gewaltherrschaft sich erhob die Kanzel mit der Kugel- 
büchse vertauscht und war als freiwilliger Jäger mit nach 
Frankreich gezogen. Der Großvater Rommel's war der 
bekannte Generalsuperinteudent Philipp Rommel ge 
wesen, einer der besten Kanzelredner und der hessischen 
Sache stets mit Leib und Seele ergeben. Die Erinnerung 
an diese beiden ausgezeichneten Männer war in Rommel's 
Herzen stets lebendig geblieben und hatte auf ihn einen 
dauernden Einsiuß ausgeübt. Nach einer überaus schönen 
und glücklichen Gymnasiallaufbahn, aus welcher noch Vieles 
für weitere Kreise von Interesse sein dürfte, bezog er die 
Hochschule Marburg, wo er, kaum angekommen, sofort 
bei dem hochangesehenen Corps der Teutonen aktiv wurde. 
Nach zwei Semestern siedelte er nach Leipzig über wo 
es ihm ebenfalls gelang, in akademischen Kreisen eine gewisse 
führende Stellung zu erlangen. Nach bestandenem Examen 
wurde er Kreissekretär zu Kassel und zwar von 1870 
bis 1878, wo er in dem damaligen Landrathe, späteren 
Unterstaatssekretär von Weyrauch einen äußerst an 
genehmen und wohlwollenden Vorgesetzten fand, der sich 
> später auch bei allen Gelegenheiten in wärmster und 
anerkennendster Weise seiner annahm. Als Bezirksamtmanu 
war er dann von 1878 bis 1886 in Orb in erfolgreichster 
Weise thätig und als diese, von der königlich bairischen 
Verwaltung übernommene Stelle einging und Orb mit 
| dem Kreise Gelnhausen vereinigt wurde, hatte er 
j keine Neigung noch einmal nach Krotoschin oder sonst 
einem Orte des weiten Preußenlandes überzusiedeln und 
ließ sich, da seine Gesundheit zudem schon etwas erschüttert 
war, zur Disposition stellen. Ernst Rommel war lange 
Jahre Junggeselle, erst am 11. Mai 1889 verheirathete 
er sich mit Anna Wied er hold einer Schwester des 
hochgeschätzten Nervenarztes I)r. Wiederhold zu Wilhelms 
höhe und ist ihm diese eine sorgende Gattin, eine treue 
Stütze und Pflegerin gewesen, bis der Tod diese späte, 
aber äußerst glückliche Ehe trennte. Sanft und unerwartet 
entschlief er am 26. Mai zu Wilhelmshöhe, wohin er sich 
zur Erholung begeben hatte, lind als am 28. Mai seine 
Beisetzung auf dem neuen Friedhofe zu Kassel stattfand, 
folgten Hunderte von Freunden und Bekannten dem reich 
mit Kränzen geschmückten Sarge, tiefe Trauer um den 
Heimgegangenen Freund im Herzen allesammt aber von 
’ dem schmerzlichen Gedanken bewegt 
Ein braver Mann weniger' 
Gart' Schwarzkopf. 
Trost. 
Hat der Tod ein theures Haupt 
Uon der Seite Air geraubt, 
Nur nicht hadern, nicht verzagen 
Und verzehren sich in Klagen! 
Einmal muh es za geschehn, 
Kommt das Anseinandergehn, 
Mird die Mole sich entfärben, 
Und gehn Glas und Krug in Scherben, 
Hat der Tod ein theures Haupt 
Aus der Seinen Kreis geraubt, 
Schau' auf zu den gütd'nen Sternen 
In den endlos, ew'gen Fernen, 
Mo rin guter Mater weilt, 
Aer die schwersten Munden heilt, 
Aer auch das, was Aich geschlagen, 
Meist znm Besten auszutragen. 
Hat der Tod ein theures Haupt 
Bus der Meinen Kreis geraubt, 
Mendc Meinen Blick nach oben, 
Mo Mein Liebes aufgehoben! 
Miedersehn! Für Meinen Schmerz 
Melch ein Trostwort, arnres Herz! 
Nur nicht hadern, nicht verzagen 
Und verzehren sich in Klagen! 
Ludwig Mokr. 
Aus al'ter und neuer Zeit. 
Eine hessische Fürstentochter Urahne , jubilänm zu gratnliren, da dachte wohl kaum je 
der Könige von Italien.*) Als jüngst eine mand daran, daß auch ein Tröpslein hessischen 
Abordnung der 1 hessischen Husaren nach Italien j Bluts iu König Humbert s Adern fließt, und 
reiste, um ihrem erlauchten Chef zum Regierungs- ! vor nun 175 Jahren ein hessischer General die 
Urahne der italienischen Könige aus dem trauten 
I Mit Genehmigung des Herrn Vers, der „Tidaskalia" Roten bürg an der Fulda in ihre neue süd- 
Unterhaltiingsblatt des Frankfurter Jvilrnals, entnommen, liche Heimat brachte. Ich meine die zweite Ge-
	        

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