Full text: Hessenland (11.1897)

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Todesfall. Am 18. Dezember verschied zu 
Marburg, wo er seit dem Jahre 1867 zuerst am 
Amtsgericht, hernach am Kreis- und Landgericht 
wirkte, Landgerichtsrath Karl Spangenberg, 
ein durch Begabung und Rechtskenntniß, durch 
außergewöhnliche Leistungsfähigkeit, durch Charakter 
festigkeit und Heimathsliebe hervorragender hessischer 
Jurist. Der Verstorbene, zu Arnsbach im Kreise 
Homberg als Sohn des dortigen Pfarrers im 
Oktober 1863 geboren, wurde im November 1856 
Obergerichtsreferendar. 1867 Justizassessor und 
Amtsrichter, 1878 Kreis- und 1879 Landgerichts 
rath. Das Ableben des so verdienten und beliebten 
Herrn wird Weithinnus tiefe Theilnahme erwecken. 
Kessische 'gäücfrerfeiern. 
Dr. Otto Gerland, Die spätromanischen 
Wandmalereien im H essenhos zu 
Schmalkalden. Nach Originalausnahmen 
veröffentlicht und beschrieben und mit Unter 
stützung des Königlich Preußischen Ministeriums 
der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal- 
Angelegenheiten herausgegeben. Leipzig (E. 
A. Seemann) 1896. 4°. (32 S. und 14 Tafeln.) 
M. 6,00. 
In Betreff dieses neuesten Werkes unseres sehr 
geschätzten Mitarbeiters über das dermalige Dienst- 
gebäude des Landrathsamtes zu Schmalkalden, ans 
welches bereits im letzten Heft des vorigen Jahr 
gangs vom „Hessenland" S. 332 hingewiesen 
ist, findet sich in Nr. 12 des „De u tsch e n H e ro ld", 
Jahrgang XXVII, S. 178, Abs. 3 folgende Be 
sprechung : Die spätromanischen Malereien befinden 
sich im Kellergeschoß des Hessenhoses, 1,50 Meter 
unter der Straßenfläche; ihr Vorhandensein war 
am Ort schon seit längerer Zeit bekannt, indeß 
hat erst Professor C. W. Hase in der Zeitschrift 
für christliche Kunst im Jahre 1893 öffentlich 
ans sie aufmerksam gemacht. Hase erbtickte--iw 
dem Raume der Krypta einer Kapelle, welche 
von der heiligen Elisabeth im Sommer 1227 
gelegentlich des Abschieds von ihrem Gemahl, dem 
Landgrafen Ludwig von Thüringen, bei seiner 
Abfahrt zum Kreuzznge zu bauen begonnen und 
die nach deren plötzlichem Tode im Spätherbst 1231 
mit Darstellungen aus dem Leben der Heiligen 
ausgemalt worden sei. Dr. Gerland ist durch 
seine eingehenden Forschungen zu wesentlich anderen 
Ergebnissen gelangt. Verschiedene Umstände weisen 
darauf hin, daß der Raum zur Zeit seiner Er 
bauung mit dem ihm umgebenden Gelände min 
destens in gleicher Höhe gelegen und als Speise 
saal gedient hat. Die Malereien haben einen 
durchaus profanen Charakter, sie sind Illustrationen 
zu dem Heldenliede „Iwein, der Ritter mit dem 
Löwen" von Hartmann v. Ane. Die Zeit ihrer 
Herstellung dürsten die letzten Regiernngsjahre des 
sangesfrohen Landgrafen Hermann I. von Thüringen 
(f 26. April 1217) sein, dessen Hos die zeit 
genössischen Dichter an sich zog. Sehr gut zu 
dieser Zeitbestimmung paßt die von dem Maler 
gewählte Helmfvrm, ein flacher Topshelm, der nur 
den Schädel deckt und mit der Nasenberge versehen 
ist. Der echte Topfhelm aber bedurfte der Nasen 
berge nicht, da er den ganzen Kopf bedeckte. Nur 
die vorheraldischen konischen und glockenförmigen 
Helme, welche Gesicht und Hinterkopf frei ließen, 
hatten die Nasenberge. Diese Helme werden schon 
in dem Liede „Athis und Prophilias" (vor 1214) 
als eine nicht mehr gebräuchliche Waffe bezeichnet. 
Dem Maler scheint die Ausgabe gestellt gewesen 
zu sein, den Gegenstand historisch zu behandeln; 
da er aber die alten Helme wohl nur vom Hören 
sagen kannte, so rekronstrnirte er sie in Anlehnung 
an den damals gebräuchlichen Topfhelm. Der 
König Askalon, welchen Jwein bekämpft und be 
siegt, stattet der Maler, der Wappensymbolik seiner 
Zeit gemäß, mit einem Adlerschilde aus. Dr. Ger 
land fügt seiner Abhandlung nicht nur die photo 
graphischen Aufnahmen der Malereien bei, sondern 
er giebt auch Erlüuternngstaseln, welche die Um 
risse losgelöst von den Rissen, Flecken und sonstigen 
Zufallsformen der Unterlage enthalten. — Daß 
das treffliche Werk mit dankenswerther, Unter- 
stiitznng des preußischen Kultusministeriums heraus 
gegeben ist, soll nicht unerwähnt bleiben. 
Frankfurter Novellen. VonE.Mentzel. Ver 
lag der litterarischen Anstalt in Frankfurt a.M. 
Die Verfasserin der „Geschichte der Schau 
spielkunst in Frankfurt a. M.", unsere 
hessische Dichterin Frau E. Mentzel, hat unter 
dem obigen Titel eine Sammlung von Novellen 
herausgegeben, die sämmtlich, wie auch der Titel 
andeutet, auf dem Boden der alten Kaiserstadt 
sich abspielen, ähnlich wie ihr früher erschienener 
Roman „Die Ataikönigin". Fran Mentzel ist 
den Lesern dieser Blatter längst Vortheilhast bekannt, 
nahm sie doch die Stoffe ihrer schönsten Novellen, 
:,Feldspath" (Leipzig 1890), aus der hessischen 
Heimath, und ist sie doch neben Frau von Hohen 
hausen, Frau Keller-Jordan und der verstorbenen 
Brandt-Wiegand die bedeutendste hessische 
Schriftstellerin.
	        

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