Full text: Hessenland (11.1897)

M 15. 
XI. Jahrgang. 
Kassel, 2. August 1897. 
Das Plätzchen im Walde. 
ä ommt, kommt, ihr lieben Sonnenlichter, 
Aus trüben Wolken doch hervor 
Und spinnt mir dicht und immer dichter 
Dies Plätzchen ein mit gold'nem Hlor! 
Rauscht um mich her, ihr Waldeshünen, 
Regt das Geäst wie Wellenspiel, 
An dieser trauten Bucht im Grünen 
Soll rasten meines Schiffleins "Kielt 
Dies ist der H>latz, die heil'ge Stelle, 
Wo ich als Kind so glücklich war! 
Dort im Gebüsch in dunkler Zelle 
Da stand aus Steinchen der Altar 
Den Gott, dem ich hier Blumen weihte, 
Hab' einst ich selbst noch nicht gekannt, 
Doch von geheimem Weh befreite 
Wich seine wunderthät'ge Hand. 
Wie schön die Heckenrosen sprossen — 
Ganz kehrt die alte Zeit zurück' 
Hier hab' ich selig sa genossen 
Gin still verschwiegen Kinderglück. 
Hier lag ich in dem Woos und träumte, 
Hier hab' geweint ich und gelacht, 
Wenn dunkel in mir trieb und schäumte, 
Was froh und elend mich gemacht. 
Singt nur, ihr Drosseln, schlagt, ihr sinken, 
Zhr Blumen duftet rings umher! 
Gern möcht' ich heute wieder trinken 
Den Becher alten Glückes leer. 
Die Thräne drängt sich an die Lider, 
Wein altes Herz wird froh und weit, 
Du hältst mich ja im Arme wieder, 
Du liebe schöne Kinderzeit! 
Ottsaöetk Weichet.
	        

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