Full text: Hessenland (11.1897)

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Der Mol 
M äsend und mit Hammerswncht 
^ Fuhr ein Wolkenmeer zur Schlucht- 
Feurig hell im Himmelsstrahl, 
Kochend, prasselnd traf’ö das Thal. 
Grub, als wollt's des Leides Spur 
Tilgen von der Weltcnflnr, 
Tief im Wiesengrund sich ein 
Und zerbarst am Brückenstein. 
's war zu End'. Des Wildstrvms Wuth 
Bald verrauchte in Sommersglutk». 
Doch auf tveiter 
Aechzt und stähl 
e n lr r u ch. 
Wie ein schmales Silberband 
Zog er mnd' sich durch das Land. 
Traf der Flüsse, Strome viel, 
Fand im Meer sein dunkles Ziel. — 
Hellt' noch fliegt in jcdeiil Jahr. 
Dlirch die Schlllcht ein Wolkcnaar. 
Uild nach jedem Negengns; 
Stürzt zu Thal ein tvildcr Fluß. 
Schleicht bann trüge, still und schwer 
Und vergißt sich selbst int Meer. 
Wektenhaid' 
t das alte Leid. T- f - Litlcrschciv. 
♦— 
21 uo after mtd neuer Dort. 
Erneuerung der Bestimmung eit über 
die Wocheninärkte zu Fraukeuberg. Wie 
die hessischen Fürsten der älteren Zeit sich in 
Bezug ans die Verhältnisse des täglichen Lebens 
durch besonders schärfen Blick für dessen Bedürfnisse 
auszeichneten, so verfehlten sie auch nicht, durch 
Erlaß der erforderlichen Verordnungen dafür 
Sorge zu tragen, daß dieselben in praktischer 
Weise ihre Befriedigung fanden. Zn den wichtigsten 
und für das tägliche Leben unentbehrlichsten Ein 
richtungen zählten von alters her die Jahr- und 
Wochenmärkte. Ueber deren Einrichtung wurden von 
den hessischen Landgrafen mannigfache Verordnungen 
erlassen. Eine Zusammenstellung der ans diesem 
Gebiete in Betracht kommenden fürstlichen wie 
Regiernngsverfügnngen giebt Karl Friedrich 
Wittich in dem „Handbuch zur Kenntniß der 
Knrhessischen Landesverfassung und Rechte", Th. 5, 
S. 402—404, dgl. Th. 6,' S. 449—451, und 
zwar an ersterer Stelle für die Jahrmärkte, an 
letzterer für die Wochenmärkte. Grundlegend für 
die Wochenmärkte war eine Verordnung Landgraf 
Philipp's vom 18. Juli 1527 (Sammlung fürst 
lich hessischer Landesordnnngen I, S. 55, 56), an die 
sich dann im Lanfe der Zeit eine ganze Reihe 
solcher schloß, die nur für einzelne Orte Gültigkeit 
hatten. Zn diesen gehört auch die nachfolgend 
znm Abdruck gebrachte, bisher nur handschriftlich 
vorhandene Berordnnng für Frankenberg vom 
Jahre 1692, welche besonders eingehende Be 
stimmungen enthält. Dieselben lauten: 
„Nach Dem Der Tnrchlenchtigste Fürst und 
Herr Herr Cart Landgraff zne Hessen, Fürst 
zu Herschseld, Gras zu Catzenelnbogen, Dietz, 
Ziegenhein, Nieda und Schanrnbnrg, unser 
gnädigster Fürst und Herr, hiesiger Statt 
Frankenberg, die schon vorhin von Jhrv 
Großfürstl. Dnrchl. Landgraf Philipsen 
und Jhrv Großfürstl. Dnrchl. Landgraf Hen 
richen*) hoehseeligen Andenkens gnädigst 
gegebenen Wochenmärkte, so in denen vorigen 
Kriegsjahren in Abgang kommen, wiedernm's 
von neuem gnädigst renovirt, privilegirt und 
eonfirmirt haben. Also ordnen Wir Ober- 
schnltheis, Bürgermeister und Rath 
1. Erstlichen sollen Unsere in hiesiger Statt 
Frankenberg wohnende Crämer, Vorhöcker, 
Becker, Wollenweber, Schuster, Lohgerber, 
Weißgerber, Seiler, Sattler, Riemer und 
Seifensieder nicht allein in ihren Häusern 
in offenen Laden die Wahre und verfertigte 
Arbeit sondern aneh ufnt oberste Markt in 
Crambande von morgenß bis zu abendß 
nmb o Uhr seil halten. 
2. Sollen diejenigen so ans hiesigem Ambt, 
auch ans den benachbarten und angrenzenden 
Oertern und Dörfern, so Körnn, Weizen, 
Gerste und Hasser zu feilem Kauf hervor 
bringen, ans dem nndersten Markt seil 
halten und verlausen. 
6. Sollen diejenigen, welche Butter, Käse, 
Gänse, Hüner oder ander Federvieh, Eyer, 
Rieben, Wurzeln, Hasermeel, gesthälte 
Gerste, allerhand Obst und wie derogleichen 
Bietnalien Nahmen haben mögen, zu feilem 
Kauf hervorbringen, dieselben sollen vor 
*) Landgraf H einri ch I I., der Eiserne, der Gründer 
der Neustadt Frankenberg, regierte von 1528 bis 1376.
	        

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