Full text: Hessenland (11.1897)

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In diese allgemein bekannte Geschichte der Reichs- 
grasschast Hanau sügt sich nun ihre besondere 
Münzgeschichte ein. Das Münzrecht hatte die 
Grafschaft, schon ehe sie Reichsgrasschast wurde, 
im Jahre 1368 erworben, wobei ihr Baben 
hausen als Münzstätte angewiesen wurde; sie 
hat aber bis zu ihrer Theilung keinen Gebrauch 
davon gemacht. Nach der Theilung lag dann die 
besondere Schwierigkeit vor, daß die Linie Münzen 
berg (als die ältere) das Münz recht, die Linie 
Lichtenberg aber die Münzstätte (Babenhausen) 
besaß. Erst im Jahre 1587 (219 Jahre nach 
Erwerbung des Münzrechts, 180 Jahre nach der 
Theilung) erwarb die im Besitze der Münzstätte 
befindliche jüngere Linie für sich besonders das 
Münzrecht, prägte aber merkwürdiger Weise An 
fangs nicht in Babenhausen, sondern in der lichten- 
bergischen Stadt Wörth im Niederelsaß; erst 
seit etwa 1607 tritt Babenhausen als wirkliche 
lichtenbergische Münzstätte ans. Die ältere Linie 
begann etwas später als die jüngere zu prägen, 
indem sie im Jahre 1603 in Hanan eine Münze 
anlegte. Somit giebt es Prägungen von Hanau- 
Münzenberg aus den Jahren 1608 bis 1639 
(aus den letzten drei Jahren der älteren Linie 
kennt man keine Münzen), Prägungen. von Hanau- 
Lichtenberg aus den Jahren 1587 bis 1632 (die 
letzten zehn Jahre dieser Linie, also bis 1642, 
haben keine Münzen ergeben), endlich Prägungen 
von Gesammt-Hanau unter den Lichtenbergern aus 
den Jahren 1647 (statt 1642) bis 1731 (statt 
1736). Suchier beschreibt alle aus diesen drei 
Abschnitten bekannt gewordenen Gepräge: von 
Münzenberg 175, von Lichtenberg 294, von Ge 
sammt-Hanau 282, im Ganzen 751 Stück unb 
dazu 22 Münzstempel. Tie 20 meist trefflich ge 
lungenen Lichtdrucktafeln bilden 350 Gepräge itnb 
3 Münzstempel ab. Die Beschreibungen sind, ge 
mäß den Anforderungen der Wissenschaft, peinlich 
genau; aber der Verfasser hat sich nicht auf Be 
schreibung und Abbildung beschränkt, sondern eine 
Fülle von geschichtlicher Anregung in den Tert 
vertheilt/ indem er den Münzen eines jeden 
Regenten und innerhalb dieser oft denen einer 
jeden Gruppe allgemeinere Erörterungen voraus 
schickt oder folgen läßt, bei werthvolleren oder 
interessanteren Stücken eine eingehende Besprechung 
anknüpft und überdies 55 Fußnoten giebt. Aus 
all diesem vermag der Fachmann, wie ich dankbar 
anerkenne, viel Belehrung von unserem Hananischen 
Meister entgegennehmen, aber auch für den Laien, 
der sonst leicht numismatische Bücher als zu trocken 
bald wieder aus der Hand legt, wird das Buch 
dadurch werthvoll uud fesselnd, wenn auch sein 
Genuß nicht an den des Numismatikers dabei 
heranreichen mag. Von besonderem Werth ist in 
dieser Hinsicht der 15 Seiten umfassende Abschnitt 
über Münzstätten und Münzmeister. 
So vielen Vorzügen gegenüber fallen einige 
wenige Unvollkommenheiten meist technischer Art 
nur unbedeutend ins Gewicht. Von Druckfehlern, 
die theils mir vom Herrn Verfasser gütigst mit 
getheilt, theils von mir selbst entdeckt wurden, 
mögen als wichtigere erwähnt werden: S. 22, 
Z. 3 steht 1575 statt 1576; 41, Z. 19 fehlt 
A. nach SEM.; S. 48, Z. 14 steht 69 statt 
96; S. 55, Z. 11 nach Felde fehlt: letzteres 
ein rothes Schildlein ebenfalls in goldenem 
Felde.; S. 77, Anm. 41, Z. 5 steht Mm. statt 
Mark; S. 87, Z. 41 fehlt ein Punkt nach GAS; 
S. 92, Z. 18 steht 1650 statt 1656; S. 97 
fehlt bei Nr. 626 die Bemerkung, daß die 2 im 
Reichsapfel zwischen zwei Punkken steht; S. 99 
fehlt bei Nr. 646 die Angabe, daß auch 11 statt 
V vorkommt; S. 106, Z. 9 ist der Punkt nach 
60 zu streichen; Tafel XVI steht 797 statt 597. 
Bei den Abbildungen ist 441 (Tafel XI) schief 
gerathen; 510 (Tafel XIV) hat den Revers vor 
dem Avers; 702 (Tafel XIX) steht theilweise aus 
dem Kopse. 
Möchte das Buch recht viele Leser finden und 
die Sammler veranlassen, ihre Stücke mit ihm zu 
vergleichen und Abweichungen dem Verfasser mit 
zutheilen. 
Leipzig. H^auk Weinmeisler. 
Festzeitnng zum Hanauer Jubelfest. — 
Der 30Ohunderijährigen Feier der Gründung 
der Neustadt Hanau ist die Entstehung einer 
Gabe, wie sie zweckentsprechender kaum gedacht, zu 
zuschreiben, es ist die vom Preßausschuß des Fest- 
komitös herausgegebene „Festz eitnng zur 
30 0jähr. Jubelfeier der Gründung der 
Neustadt Hanau". Kommissionsverlag von 
Fr. König's Hofbuchhaudlung (R. Altmannsperger) 
in Hanau. 20 S. 40. — Wir glauben unsern 
Lesern am leichtesten Gelegenheit zur Bildung eines 
Urtheils zu geben, wenn wir ihnen den Inhalt 
des auch äußerlich bestens ausgestatteten Blattes 
in kurzen Zügen vermitteln. Neben schwungvollen 
Gelegenheitsgedichten („Festgruß" von Otto 
Wacker mann und „Der 13. Juni" von Fritz 
Sch leuch er) finden wir da volksthümliche ge 
schichtliche Aufsätze aus sicherer Grundlage von 
Otto Ankel („Alt-Hanau", „Neu-Hanau", 
„Gras Philipp Ludwig II". Die Gründer von 
Neu-Hanau") August Winkler, Karl Neßler 
und Arthur Wessel („Die Wallonisch-Nieder 
ländische Kirche") und Heinrich Heusohn
	        

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