Full text: Hessenland (11.1897)

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bald die Abschiedsstunde, die Gäste aus Kassel 
sahen sich genöthigt gegen 6 Uhr auszubrechen und 
machten zum größten Theil von den Gudensberger 
Wagen Gebrauch, welche nach der Eisenbahnstation 
Guntershausen fuhren und von ihren Besitzern 
wieder in zuvorkommendster Weise zur Verfügung 
gestellt waren. W. L. 
Geschichtsverein zu Marburg. In der 
am 18. Juni Abends im Museum zu Marburg 
abgehaltenen Monatsversammlung des Hessischen 
Geschichtsvereins wurde der seitherige Vor 
stand, bestehend aus den Herren Archivrath Dr. 
Kön necke (Vorsitzenden), Pfarrer Held mann 
(Schriftführer), Oberst v. Lengerke (Bibliothekar) 
und Bezirkskonservator Dr. Bickell, wiedergewählt. 
Carl Prefer's „Ulrich von Hutten". 
In öffentlicher Versammlung sprach zu Magdeburg 
kürzlich Dr. Nordmann über Carl Preser's: 
„Ulrich von Hutten". In seinem beifälligst 
aufgenommenen Vortrage zollte Redner dem Dichter 
die höchste Anerkennung, die er in den Worten 
zusammenfaßte: „Von seinem Stoffe tief durch 
drungen, theilt der Dichter seine hohe Begeisterung 
für den Helden, seine warme Empfindung für den 
Menschen Ulrich von Hutten dem Leser mit. Seine 
Behandlung der verschiedensten Versmaße ist eine 
geradezu virtuose." 
Goldene Hochzeit. Am 27. Juni beging 
einer der ältesten und bekanntesten Kasseler Bürger, 
FäbrikaUt Christian Re ul, ein geborener 
Hanauer, mit seiner Gattin das seltene Fest der 
goldenen Hochzeit. Der Jubilar, der noch in 
voller Rüstigkeit und Frische dasteht, hat sich um 
die Pflege von Laune' und Humor in der Residenz- 
stadt Kassel als langjähriger Vorsitzender der 
alten Knrnevalsgesellschast anerkennenswerthe Ver 
dienste erworben. Möge dem Jubelpaar auch ferner 
ein glücklicher Lebensabend beschieden sein ! 
Todesfälle. Anr 10. Mai starb am gelben 
Fieber.in Guatemala*) Ludwig Sunt,heim, 
Sohn. des allverehrten , Amtsraths Sunt heim zu 
Jesberg, früher. zu Schafhos bei Ziegenhein. Vor 
Jahresfxist war er-von hem Welthandels- und 
Rhedereihans F. Laeiß zu Hamburg ans einer 
*) Iu Guatemala weilen ,zur Zeit noch folgende drei 
Hessen: Richard Jordan, der durch seine Gedichte im 
„Heffenkönd" Unsern Lesern bestens bekannte- Dichter, 
HeiuriH Neütze aus Wolfsanger und Ad,obf Reul 
aus Hanau. 
großen Anzahl von Mitbewerbern für den Posten 
in Guatemala ausgewählt und hatte sich in seinem 
neuen Wirkungskreis schon nach kurzer, Zeit die 
Hochachtung und das volle Vertrauen seines Chefs 
erworben. Bei liebenswürdigen Charaktereigen 
schaften zeichnete ihn treuer Fleiß, Zuverlässigkeit 
und unerschrockener Sinn, wie er dem Hessen und 
Deutschen so gut steht, aus. Leider mußte gerade 
der persönliche Muth ihm verhängnisvoll werden; 
die Fieberepidemie brach aus, Ludwig Suntheim 
blieb fest auf seinem Posten, auch nachdem mehrere 
Landsleute, darunter der deutsche Arzt, der tückischen 
Kranheit erlegen waren. So wurde der hoff 
nungsvolle Pionier des Deutschthums in der Blüthe 
seiner Jahre hinweggerafft und riitjt nun friedlich 
unter den am Strande des Stillen Ozeans sanft 
rauschenden Palmen, innig betrauert von allen 
Denen, die ihn in Heimath und Fremde gekannt 
haben. (K. H., Hamburg.) 
Am 3. Juni erlag Se. Excellenz der groß 
herzoglich oldenburgische Oberhosmarschall und 
Kammerherr Reinhard Freiherr vonDalwigk 
zu Lichten sels, Senior der gleichnamigen Familie 
der althessischen Ritterschaft, beider Linien Schaum- 
burg und Lichtenfels, zu Wehlheiden, wo er nach 
seinem, Rücktritt von seinem Amte seinen Wohnsitz 
aufgeschlagen hatte, einem wiederholten Schlag- 
anfälle. Geboren zu Kassel am 21. Januar 1818, 
als Sohn des kurhessischen Majors und Hosmarschalls 
Alexander Felix Von Dalwigk und der Hedwig 
Milchling von und zu Schönstädt, trat er 
im Jahre 1848 in das oldenburgische Truppen 
corps ein, bei welchem er den schleswig-holsteini 
schen Feldzug mitmachte. Als, Oberlieutenant 
nahm Freiherr v. Dalwigk 1851 seinen Abschied, 
um als Kammerherr ganz in den Hosdienst über 
zugehen. Der weitgereiste, in Kunst- und lite 
rarischen Sachen hochgebildete Kavalier kam dadurch, 
daß er im Jahre 1854 als Intendant die Ver 
waltung des Oldenburgischen Hoftheaters und der 
Hoskapelle übernahm, in enge Berührung mit der 
Oessentlichkeit. Er hatte diese Stellung,bis zu seinem 
1894 erfolgten Rücktritt inné. Unter seiner Leitung 
bot, das Oldenburgische Hostheater, dank der von 
seinem unermüdlichen Leiter ausgehenden Anregung, 
bedeutende künstlerische Genüsse und hatte hervor 
ragende, Leistungen aufzuweisen, ffodaß, der Name des 
liebeuschürdigm und seinsuhligen, Mauues mit der 
Geschichte des geistigen, und künstlerischen Lebens 
von Stadt und Land Oldenburg eng verknüpft ist. 
Der Verstorbene war Inhaber her Patronate: 
Kirchditmold, Wehlheiden, Obervellmar, Altenritte, 
Hoof und Dillich in Hessen und Münden in Waldeck, 
auch Mitbesitzer des Gutes Camps im ehemaligen 
Ami Lichtenfels. Excellenz v. Dalwigk hätte stets
	        

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