Full text: Hessenland (11.1897)

Neu- K a tze ne l l e n b o ge n, 1696 non betn Grafen 
Johann III. von Katzenellenbogen erbaut, 
ließ Napoleon I. 1806 zerstören. Nenn Jahre 
früher war auch der Rheinfels von unseren west 
lichen Nachbarn iu Trümmer gelegt; 1846 ging 
er dann in bett Besitz des Prinzen von Preichen, 
des nachmaligen ersten Deutschen Kaisers, über. 
L. A. 
Airs Keinrcrth im6 Ir^emöe. 
Die 63. Jahresversammlung des Vereins für 
Hessische Geschichte und Landeskunde. 
Nachdem bereits vor Jahresfrist der Vorstand 
des Vereins für Hessische Geschichte und 
Landeskunde durch die städtischen Behörden 
von Gudensberg eingeladen war, in den Mauern 
dieser Stadt eine seiner Jahresversammlungen ab 
zuhalten, fand dieselbe kürzlich, in den Tagen vom 
21. bis 26 Juni, dortselbst statt und verlies, 
dank des liebenswürdigsten Entgegenkommens der 
Bürgerschaft und begünstigt vom herrlichsten 
Wetter, in der schönsten Weise. Der erste Tag 
brachte nur die übliche vorberathende Sitzung des 
Gcsammtvorstandes, weshalb die Mehrzahl der 
Festtheilnehmer erst am Morgen des 22. in 
Gudensberg eintraf. Gegen IO Uhr begannen im 
Saale des festlich geschmückten Rathhanses die 
Verhandlungen, bene» wir Folgendes entnehmen. 
Im abgelaufenen Geschäftsjahr sind die neuen 
Statuten zur Einführung gelangt, die Mitglieder- 
zahl des Vereins ist ganz erheblich gestiegen. 
Letztere bezifferte sich zur Zeit ans 1495, doch 
wurde diese Zahl noch am Verhandlungstage durch 
Nenanmeldungen weit überschritten. Der Bibliothek 
und Münzsammlung wurden reiche Zuwendungen 
gemacht, letzterer besonders durch ein Legat der 
Frau Major Frederking. Gelegentlich der 
Monatsversammlungen wurden im Ziveigverein 
Kassel sieben Vorträge gehalten ttttb außerdem 
zwei Ausflüge unternommen, bei denen von Ge 
richtssekretär Ne über (Kloster Nvrdshansen) und 
Dr. Schwarzkops (Krnkenberg) die Geschichte 
der besuchten Punkte besprochen wurde. Die Kasse 
weist trotz bedeutender Ausgaben noch einen Rein- 
überschuß von ca. 100 Mark auf; in den nächsten 
Etat werden tu A. für die in der Bildung be 
griffene historische Kommission 500 Mark 
und die gleiche Summe für die Alterthümer- 
.sammlung des Vereins eingestellt. Professor Lenz, 
welcher leider, nachdem er 67 Jahre das Amt 
des Knssenführers verwaltet hat, ans Gesundheits 
rücksichten eine Wiederwahl ablehnen mußte, wurde 
die Ehrenmitgliedschast übertragen und an seine 
Stelle Landesbankrath Wolfs von Gnden 
de rg gewählt. Der bisherige Vorstand wurde 
einstimmig wiedergewählt. Hieraus hielt der 
Vorsitzende, Bibliothekar Dr. B r n n ner, seinen 
Vortrag über die Geschichte der Stadt 
G u d e n s b e r g und das Landgericht Al ade n. 
Im Eingang seiner Ausführungen wies Redner 
zunächst ans die wichtige Stellung hin, welche 
Gudensberg in früheren Zeiten einnahm, als Hanpt- 
ort des fränkischen Hessenganes war es für Nieder 
hessen, was Marburg für den Oberlahngan, 
Oberhessen, bedeutete; ersterem Gau, dessen Be 
zeichnung von einem Volksnamen abgeleitet ist, 
kommt ein weit höheres Alter zu als dem letzt 
genannten. Ans ältester Zeit ist Mattium — Maden 
bekannt, das als Hauptort der Chatten im Jahre 
15 n. Chr. von Germaniens zerstört wurde und 
nicht mit dem versteckt liegenden Al e tz e ideiltifizirt 
werden darf, denn die ganze geschichtliche Ent 
wickelung tritt für Aladen ein. Der Ortsname 
kommt als Alathanon zuerst in einem Hersfeldischen 
Güterverzeichniß vor und bedeutet = zu den Volks 
versammlungen. Diese wurden auf der Alader 
Haide, einer weiten Rasenfläche mit einer Erhebung, 
dem Schanzenkops, bis in's 17. Jahrhundert hinein 
abgehalten. Aladen war ein einfaches Centgericht 
wie etwa Kirchditmold, es findet sich in 
historischer Zeit keine Spur, daß daselbst ein 
Grafengericht bestanden, doch wohnten die Grasen 
innerhalb der Cent an dem durch das Herkommen 
geweihten Ort, lange Zeit zu Gudensberg, dem 
„Berg des Wodan", auf dem in der Heiden 
zeit das Volk den höchsten seiner Götter verehrte; 
erst später hat die Sage diesen Göttersitz nach 
dem Odenberg übertragen. Als bekannt über 
gehen wir hier die ausführliche Darstellung der 
Geschichte der Grafenfamilie, welche theils zu 
Fritzlar, theils zu Gudensberg ihren Sitz hatte; 
von dem letzten Grasen, Giso IV. (p 12. März 1122), 
der sich zuerst als Gras von Gudensberg bezeichnet, 
kam die Grafschaft Hessen an die Landgrafen von 
Thüringen, von diesen im Jahre 1247 an die 
Herzogin Sophie als Vormünderin des „Kindes 
von Hessen". Als später Sophie ihre Tochter 
mit Herzog Albrecht von Brannschweig verlobte, 
erhielt dieser als Unterpfand für die Aussteuer 
Gudensberg; diese Psandschast dauerte bis zum
	        

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