Full text: Hessenland (11.1897)

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Als Anton vor dem Lamprecht'schen Hause 
seinen ergebenen Gruß an den Herrn Ober 
gerichtsrath zu entrichten bat und seinen Besuch 
auf morgen ankündete, wußte Schwester Mariechen, 
was Anton und Helenchen seit einigen Stunden 
als „ihr" Geheirnniß bewahrten. In voller 
Glückseligkeit schritt Anton nun neben der Mutter 
einher über den im vollen Mondesglanz säst 
taghell schimmernden Friedrichsplatz. 
„Mutter, Helene Lamprecht ist meine Braut!" 
rief er plötzlich, stehen bleibend, voller Begeiste 
rung aus. 
„So, so!" versuchte die Mutter in strafendem 
Tone zu erwidern, „also hat doch der ,Referendar' 
das Wort gesprochen, das der ,Herr Assessor' 
erst Hütte wagen dürfen'!'" 
„Ach Mutter, denke nur, Halsbinden kann 
Helenchen aber nicht anfertigen, das sagte 
Mariechen nur so!" 
„Nun, Antonchen, Du hast doch gut gewählt. 
Den eben erwähnten Mangel achte ich gering, 
denn ich hoffe, es wird mir noch vergönnt sein, 
einer späteren Generation mit meiner besondern 
Kunstfertigkeit Freude zu bereiten!" 
„Arme Jungen!" seufzte leise der Referendar 
zum Monde ans und gedachte der Hinunelblauen 
mit weißer Blonde! 
-i-äH- 
Marum öoch? 
Warum doch singt zur Lenzzeit 
Wom Kerbst des Sängers Lreö, 
Warum im vollen Leben 
Klingt Sterben in's Gemüth? 
Wan sagt rvohl: nur dem Deutschen 
Sei Dieses eig'ne Art —: 
Doch ist in jedem Kerzen 
So Lust mit Leid gepaart. 
Warum doch? Weil in allem 
Dem Kerz ein Sehnen bleibt. 
Das auch im ganzer: Leben 
Kein einz'ger Hag vertreibt. 
Weil allem Lenz auf Erden 
Kin Kerbst schon innervohnt. 
Weil Wlühen — Glühen — Werden 
Wiemals der Hod verschont. 
Weil Lenz und Lust und Liebe 
Won kurzer Dauer sind — 
Wnd all die bunten Wlätter 
Werrveht der Kerbstesrvind. 
Vber-KIingen. Karl Grnst Knodt. 
Arts crllerr rtnö netter: Jett. 
Die Einnahme der Feste Rheinfels 
und andere Ereignisse nach dem Gefechte 
bei Lutterberg (Herbst 1758).*) Friedrich 
der Große sagt im 6. Kapitel seiner Geschichte 
des siebenjährigen Krieges: „Die Begabung und 
die Entschlossenheit eines Feldherrn haben im Kriege 
größeren Werth als die Trnppenzahl." Der König 
selbst bietet ja neben dem Herzoge Ferdinand 
von Braunschweig einen vorzüglichen Beweis 
für dieses Wort, er meint aber an der erwähnten 
Stelle den General Sey blitz. Das gerade Gegen 
theil zu diesem tüchtigen Manne bildete der An 
*) Hauptsächlich entnommen dem ersten Bande von 
C. Renouard, Geschichte des Krieges in Hannover, Hessen 
und Westfalen 1757—1763. Kassel 1863. 
führer des französischen Heeres, der Prinz von 
Soubise. Seiner gewaltigen Uebermacht gelang 
es zwar, am 10. Oktober 1758 den Unterseldherrn 
des Prinzen Ferdinand von Braunschweig, den 
General Ob erg, bei Lutterberg zwischen 
Kassel und Münden zurückzuschlagen. Allein 
auch dieser kleine Sieg war weniger das Berdieust 
des 'Prinzen Soubise als des Generals Chevert, 
der von dem Marschall Contades, dem Befehls 
haber in Westfalen, zu dem französischen Heere in 
Hessen gesandt war. Chevert wurde mit seiner 
Abtheilung schon drei Tage nach der Schlacht 
zurückgerufen, und so blieb es Soubise überlassen, 
den Sieg bei Lutterberg auszunutzen. Die Aus 
nutzung bestand aber nur in wenigen unbedeutenden 
Streiszügen.
	        

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