Full text: Hessenland (11.1897)

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Mittagstisch einlud, was keiner anderen Truppe 
geschah. Der Kurfürst verlieh dem Bataillons 
kommandeur und dem Hauptmann von Löwen 
stein, dem Vertheidiger der Konstablerwache, 
den Orden vom goldenen Löwen, einer Anzahl 
Unteroffiziere und Soldaten das silberne Ver 
dienstkreuz und ließ die Tagesbefehle des Reichs 
verwesers und des Grasen Nobili vom 19. und 
20. September, worin diese den Truppen An 
erkennung und Dank für ihre Tapferkeit und 
Treue aussprachen, jedem Offizier, Unteroffizier 
und Soldaten des Bataillons in Steindruck zum 
Gedächtniß aushändigen, und als das Bataillon 
1849 durch Kassel nach Schleswig-Holstein 
marschirte, die Wache beim Hoflager gu Wil 
helmshöhe durch das Bataillon beziehen. 
Ansang November 1848 mußte das Bataillon 
von Frankfurt abmarschiren, weil die Kurhessen 
höhere Löhnung als die anderen Bundestruppen 
bezogen und dadurch bei den letzteren Unzufrieden 
heit geweckt wurde. Als das Bataillon, das 
seinen Bestimmungsort in Fulda hatte, vor 
H a n a u ankam, wurde Oberstlieutnant Osterwald 
gewarnt, mit seinen „Bluthunden" durch die 
Stadt zu marfchiren, weil er sonst angegriffen 
werden würde. Selbstverständlich marschirte er 
doch durch die Stadt, und es kam keine Thätlich 
keit vor. Den Namen „Bluthunde" hat das 
Bataillon noch Jahre lang geführt. 
Dies ist die Geschichte der lauen Hessen von 
Frankfurt. 
■ * * 
* 
Wie Herzog Erlist II. seine irrthümliche 
Angabe berichtet hat, so dürfen wir auch wohl 
hoffeil, daß Herr Professor Beyschlag bei einer 
sicherlich nicht ausbleibenden zweiten Auslage 
seiner Erinnerullgeil und Erfahrungen die für 
lins eheinaligen Kurhessen, wenn auch ihm un 
bewußt, kränkenden Mittheilungen berichtigen 
werde. 
Erinnerungen aus den letzten Tagen eines deutschen 
Fürstenthums. 
Von einem ehemaligen kurhessischen Offizier. 
(Fortsetzung.) 
('Jîadjbntd verbeten.) 
M 
ebersehen hatte General von Beyer die sehr 
in die Augen springenden Vortheile eines 
Vorgehens über Fulda gewiß nicht, und 
wenn er trotzdem die Straße über Marburg nach 
Kassel gewühlt hat, so ist das wahrscheinlich ge 
schehen , weil er einen blutigen Zusamnieiistoß mit 
kurhessischen Truppen aus politischen Gründen 
vermeiden wollte. Mancherlei spätere Geschehnisse 
scheinen diese Annahme zu bestätigen. 
General von Schenk aber hatte infolge der 
eingegangenen Nachrichten beschlossen, den Marsch 
nach Fulda nicht eher fortzusetzen, als bis er sich 
überzeugt hatte, in wie weit sie begründet seien. 
Deshalb war angeordnet worden, daß das Corps 
bei Hünfeld Stellung nehmen solle, und auch der 
in Hersseld zurückgelassenen Nachhut war der 
Befehl zugeschickt worden, über Neukirchen nach 
Hünfeld avzumarschiren. 
In der That war die Stellung bei Rückers 
der Bertheiöigung sehr günstig. Das Thal der 
Hauna ist hjer etwa 500 schritt breit und 
aus beiden Seiten von ziemlich hohen und 
steilen, zum Theil dicht bewaldeten Bergabfällen 
eingefaßt. Diese treten etwa eine Viertelstunde 
südlich des Dorfes sogar so nahe zusammen, daß 
sie einen Engpaß bilden, worin nur die Straße 
und ein schmaler Wiesenstreifen zwischen dieser 
und der Hauna Platz hat, und der Ausgang aus 
diesem Desilö kann selbst erheblich überlegeneil 
Kräften lange streitig gemacht werden. 
Nördlich des Dorfes Rückers erweitert sich das 
Thal etwas, und seine Sohle steigt aus dein 
rechten User der Hauna zu einem die ganze 
Breite des Thales bis zuin Ausgang des oben 
erwähnten Engpasses beherrschenden Plateau 
empor, das nach Süden wieder ziemlich steil ab 
fällt. An diesem Südabfall liegt Hünfeld. 
General von Scheilk wollte mit dem bei Hünfeld 
gesammelten Gros seiner Truppen auf dieses 
Plateau vorgehen und den Preußen eintretenden 
Falles das Hervorbrecheii aus denl erwühnteir 
Defile so lange verwehren, daß die von Hersseld 
noch hu Anmärsche befindlichen und die mit der 
Bahn bis Hünfeld weiter beförderten bedeutenden 
Kolonnen geretteten Materials Zeit gewanneii, 
nach Osten auszuweichen und die nach Bayern
	        

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