Full text: Hessenland (11.1897)

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btte Kenntnisse bieseS, im fibtufcit besser unterrich 
teten Schliftstellers über Hessen stehen, genüge 
hier hervorzuheben, beiß der Herr Baron nicht 
einmal weiß, baß es in ben Jahren 1776—1786^ 
bei' Zeit bes Unabhängigkeitskrieges, noch keinen 
Kurfürsten von Hessen gab, baß vielmehr ber auch 
von ihm wieber verunglimpfte Friebrich II. 
wie seine Vorfahren ben Titel Lanbgraf führte. 
Von allen anberen Grünben abgesehen, bie von 
neuem auszuzählen, zu weit führen würbe, sei hier 
nur abermals gesagt, baß bie Stimmung ber 
in Amerika befinblichen hessischen Lanbeskinber, 
wie sie ans ihren in bie Heimath gerichteten 
Briefen, von benen manche erhalten sinb, festzustellen 
ist, nicht im geringsten barnach angethan war, 
baß sie sich „verschachert" gefühlt hätten. 
Einer bieser Briese, ber von bem Solbaten 
Johannes M ü n s ch e r aus Hitzerobe bei Eschwege 
stammt, sei an bieser Stelle veröffentlicht, zumal 
ans bemselben zu ersehen ist, von was für Sorgen 
unb Gebanken bie Seele eines hessischen Solbaten 
ba brüben erfüllt war. Dieser Brief wirft zugleich 
ails bie Verkehrsverhältnisse ber bamaligen Zeit 
ein nicht sehr günstiges Licht. Die Briefe von 
Hessen nach Nvrbamerika waren etwa 2 ’/a Monat 
unterwegs, falls sie überhaupt an ihre Abresse 
gelangten, ebenso häufig aber kamen sie infolge 
ber Kriegsverhältnisse gar nicht an. 
Johannes Münscher schreibt: 
Hertzvielgeliebter Natter! 
Mit großer Freude habe Euren Brief vom lOB- August 
dieses Jahrs, am 27ten October erhalten und daraus 
Euer Wohlseyn ersehen; Aber Lieber Vntter! es thut mir 
sehr Leyd zu vernehmen, daß Ihr in so langer zeit kein 
Schreiben von mir empfangen habt, und noch nicht mißet 
ob ich das Paquet mit den 2 Hembter, Ein Ober Hembt. 
ein Pr. Ermell, einer Mutze und Leinen zu einer Hosen 
empfangen habe; Sv excusire mich hiermit, dann nach 
dem ich Euren Brief benebst dem Paquet am 24sttz August 
voriges jahrs empfangen und darauf am 29tzll Eovernber 
lzu welcher zeit die Invaliden zu Schiffe giengen) einen 
Brief an Euch abgehen ließ, worinuen ich Euch den ver- 
bundensten Dank 'davor abgestattet, nicht weniger habe 
auch meinen Geschwistern vor Ihre Arbeit welche sie au 
denen Hembtern gehabt, gedancket. Auch habe Euch in 
beuenutem Briefe' von der Otilia geschrieben, daß sich 
dieselbe verheuratheu möchte an wen sie wolle, indem ich 
an Ihrem allenfalsigen Glücke nicht verhinderlich seyn 
wolte, Sie möchte es nach Ihrem freyen Willen machen 
wie sie wolte, indem ich noch nicht sagen könnte ob mich 
der Himmel wieder nach Hause führen würde oder nicht, 
und daß Ihr dasjenige was Ihrer Butter von mir in 
Verwahrung hat, zu Euch nehmen sollet, wenn solches 
noch nicht bereits geschehen, wann Ihr nun solches zu 
Euch genommen, so schreibet mir doch, wie viel es ge 
wesen was Ihr empfangen habt; Ich habe auch zugleich 
in gedachtem Briefe wieder um etwas kleine mondirung 
stücke und einige Bücher geschrieben, aber lieber Batter! 
ich hoffe, daß der Krieg sich bald auf eine Andere Seite 
und zum Frieden übenden wird, bitte demnach mir bey 
Künftigen luondir.- nichts- zu übelschicken. 
, Ferner habe einen Brief am 30A May .dieses - HqhrS 
an Euch von hier absehen laße,n und selbigen in des 
Ueorge Wassmann Schuhmacher in Eschwege seines 
Sohnes Brief eingelegt, wann Ihr denselben noch nicht 
empfangen habt, so wird er allem Vermuthen nach eben- 
'' fals verlohren gegangen seyn, in demselben war enthalten, 
daß ich von benenntem George Wassmann seinem Sohn 
Fünf stück Guinecs gehorgel und solches Geld zu meiner 
Nothdnrft-angewendet'habe, bitte Euch also, Lieber Batter! 
beuenutem Wassmann solches Geld welches nach Hessischer 
■ Währung Ein und Dreyßig Rthlr. Acht Albs. erträgt, 
zu bezahlen, so bald ihr vorn demselben Nachricht erhaltet 
und gemahnet werdet. Ich will! aber nicht daß meine 
übrige Geschwister darunter leiden sollen, so nehmet es 
von dem meinigen und bezahlet denselben, nnd läßet Euch 
eine Quittung darüber geben. 
Über die in Eurem Haußhalt vorgefallene Veränderung 
habe mich sehr erfreuet, nehmlich daß meine älteste 
Schwester hat meiner Base Martha ^Elisabeths Sv.hu 
Johann Paul Jung- gehen rathet; Ich wünsche diesen neuen 
Eheleutheu alles sich selbst wünschende Glück zu ihrem 
angefangenen Ehestand , daß sie sich so friedlich betragen 
möchten als wie Ihr, Lieber Batter! Euch mit meiner 
Seel, verstorbenen Mutter in Eurem geführten Ehestand 
betragen habt, so werden sie auch wohl mit einander 
Leben und eines mit dem andern zufrieden seyn. 
So wie mich nun obige Heyrath erfreuet, so hat mich 
hingegen das Unglück welches meiner Jüngsten Schwester 
Martha Elisabeth wiederfahren, daß selbige das Bein 
verbrandt, hinwiederum bedrubet, doch war ich wieder 
zufrieden, daß selbige bey abgang Eures Briefes beynahe 
wieder zu ihrer Gesundheit gelanget gewesen. 
Da die Briefe sowohl von Europa nach America als 
auch von hier dorthin sehr unsicher gehen und öffterS 
gefangen genommen werden, so will dieses Briefes Inhalt 
mit ersterer Gelegenheit nochmahls schreiben damit doch 
einer davon ankommen möchte. 
Bon unseren Kriegs Affairen kan ich anjetzo nichts 
sonderliches Schreiben, indem die Armeen diesen ver 
gangenen gantzen Sommer im Lager gestandten und keine 
Action zusammen gehalten haben, woraus wir den 
7M Nov. nach Jamaica auf Long Island in sehr schlechte 
Hütten in die Winter (Arartire gerückt sind, in diesen 
Hütten find die Fenster von Pappier gemacht, das Dach 
mit Stroh gedeckt, und ist kein boden darauf: Tische, 
Betten und Bäncke haben wir müssen selbst machen, hier 
aus könnet Ihr abnehmen wie unsere Winter Quartiro 
beschaffen sind, doch könnten wir etwas gutes darinnen 
Eßen, EL. wann wir es hätten. 
Ich muß schließen die zeit will es nicht länger erlauben, 
versichert mein Compliment an meinen Bruder, Ge 
schwister, Schwager, Batten, Gevattern nnd alle gute 
Freunde welche alle mit Nahmen hierher zu setzen, viel 
zu weitläuftig fallen würde. 
Der ich mit aller ersinnlichsten Hochachtung alstets 
verbleibe 
Vielgeliebter Batter Euer gehorsahmer Sohn 
Joh. Münscher. 
Jamaica auf Long Island, den 8ün December 1782. 
P. 8. Auch ein Compliment vom Sergeant Ausburg 
an Euch, wie auch an seinen Bruder, Schwiegerin, Gevatter 
Lecher und an alle feine gute Freunde. 
Nicht weniger einen Gruß von dem Musqtr. D. Triller 
an seinen Batter, Brüder, Schwiegerin und an alle seine 
gute Freunde.
	        

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