Full text: Hessenland (11.1897)

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falls feine übrigen künstlerischen Leistungen weit 
in Schatten stellen. 
Es liegt mir fern, alle diese Werte — es find 
etwa 20, die entweder nüt feinem vollen Namen 
oder feinen: Monogramm I. D. bezeichnet sind — 
hier einzeln zu beschreiben, zumal sie inhaltlich 
kaum etwas Neues bieten und in: Wesentlichen 
dieselben Stoffe behandeln, die uns überhaupt 
in der Elfenbeinplastik dieser Zeit entgegentreten; 
es wird daher genügen, wenn ich, um ein Bild 
der Thätigkeit Dobbermann's auf diesem Gebiete 
zu geben, feine Werke gruppenweise zusammen 
fasse und kurz charakterisire. 
Den Gegenständen nach zerfallen sie in Por 
traits, biblische Scenen, mythologische Darstel 
lungen und Allegorien, zu denen noch zwei Basen 
mit Rcliefbildwerken und zwei Schachspiele hin- 
znkonnnen. An Mannigfaltigkeit der Stoffe ver 
mag sich also Dobbermann vollkvnimen mit 
anderen Elfenbeinschnitzern, wie z. B. mit Elhasen 
und Lücke"), zu messen, ausfällig aber bleibt, 
daß sich unter seinen sämmtlichen sicheren Werken, 
wenn man von den Figuren seiner beiden Schach 
spiele absieht, kein einziges Rundbildwerk findet. 
Es sind ausschließlich Reliefs in bald höherer, 
bald geringerer Erhebung; die Portraits in 
ovaler Medaillonsorm, die übrigen in Gestalt 
von zumeist hochstehenden Rechtecken. An erster 
Stelle verdienen ohne Zweifel die Portraits 
genannt zu werden, die ja in der Elfenbeinplastik 
des 18. Jahrhunderts eine bedeutsame Rolle 
spielen und zweifellos zu ihren besten Erschei 
nungen zu rechnen sind. Auch die Portrait- 
medaillons Dobbcrmann's, wie z. B. Landgraf 
Karl und seine Gemahlir: (Nr. 17, 15), 
Landgraf Friedrich I. (Nr. 4, Nr. 58) und 
König Karl XII. von Schweden (Nr. 05), 
sind ausgezeichnet durch lebensvolle Frische und 
einen gesunden Realismus, wie er nur einem 
Künstler eignet, der die von ihm dargestellten 
Personen im Leben zu sehen und zu beobachten 
Gelegenheit hatte. 
In seinen biblischen und n: y t h o l o g i s ch e n 
Darstellungen I erinnert Dobbermann bald an 
die Art Elhafen's, mit dem er sich überhaupt 
am meisten berührt, ohne jedoch dessen künstlerischen 
') Vergl. meine beiden Aufsätze über diese .Künstler 
im Kunstgewerbeblatt, N. F. 58., ä. 6 ff., nnd 
Zeitschrift für bildende Kunst, N. F. VII, e. 102 ff.. 
137 Jf. 
') Es find folgende: Nr. 23 Susanna im Bade, 
dir. 24 Marie mit dem Christuskinde nnd Joseph; 
dir. 40 Heilige Familie; dir. 41 Geburt Christi; 
ferner Nr. 26 Orpheus und Enrydice; dir. 43 Herkules 
und Omphale; Nr. 50 Europa; dir. 51 Diana und 
Zeus. 
Schwung und meisterhafte Technik zu erreichen, 
bald an ben Stil des Mo nogram misten P H 8 ), 
den er aber wiederum durch eine größere 
Leichtigkeit in der Bearbeitung des Materials 
übertrifft. Wie diese beiden, so hat auch Dob- 
berinann ohne Zweifel für seine biblischen und 
mythologischen Reliefs die Stiche älterer Meister 
benutzt, wobei für jene in erster Linie die 
italienischen Meister des 17. Jahrhunderts, die 
Bolognesen und Maratta, für diesen hauptsächlich 
die großen Venezianer des Cinquecento mit 
Tizian an der Spitze in Betracht kommen, dessen 
Einfluß in einigen seiner Darstellungen, so be 
sonders ii: dem Relief: Herkules und Om 
phale, unverkennbar ist; zugleich ist es aber 
nicht unmöglich, daß Dobbermann bei den Werken 
der letztgenannten Art auch durch Etienne 
Monnot's Kompositionen, die dieser für das 
Marmorbad in der Karlsaue angefertigt hatte, 
stilistisch wenigstens beeinflußt worden ist. 
Ein neues Stoffgebiet, das uns in dieser 
Form nur selten bei den Elfenbeinbildnern des 
18. Jahrhunderts begegnet, behandeln seine alle 
gorischen Darstellungen, die drei Reliefs Nr. 25, 
eine symbolische Huldigung des Landgrafen Frie 
drich I., Nr. 54, eine allegorische Darstellung des 
Verhältnisses der Grafschaft Hanau zur Land 
grasschaft Hessen, nnd Nr. 55, eine ebensolche 
Darstellung auf die Regierung Friedrich's I. von 
Hessen und Schweden. Dazu komnit als viertes 
Werk dieser Art eine im Kunsthandel befindliche 
Apotheose der Ulrike Eleonore von Schweden 
mit sieben allegorischen Figuren, aus die mich 
vor einiger Zeit Herr Direktor I)r. Eisen - 
mann aufmerksam zu machen die Güte hatte. 
Wie alle derartigen, mehr ans rein verstandes 
müßiger Ueberlegung als aus freier Phantasie 
entsprungenen Darstellungen mit ihrer unerquick 
lichen Mischnllg von realen und allegorischen 
Elementen, so erwecken auch diese Werke keinen 
reinen künstlerischen Genuß; sie erscheinen viel 
mehr, trotz aller darauf verwendeten Sorgfalt 
der Arbeit, kalt und frostig und verdienen in 
erster Linie nur als Zeugen der eigenthümlichen 
ästhetischen Geschmacksrichtung ihrer Zeit Beach 
tung und Interesse. 
Auch jene beiden Vasen (Nr. 115, 116) — 
die beiden Schachspiele Nr. 233 und 235 kön 
nen auf selbstständigen Kunstwerth keinen An 
spruch machen °) — sind mit ihrem wenig feinen 
8 Vergl. meinen Anffatz über ihn im Knnstaewerbe- 
blatt, dl. F. VI, S. 48 ff. 
4 Es sind vermuthlich dieselben, die angeführt werden 
in einer, vom 3. Febrnar 1763 datirten ' „Spezifikation 
dererjenigen Sachen, welche ans Jhro Hvchfürstl. Durch!.
	        

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