Full text: Hessenland (11.1897)

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(Nr. Ila und 11b) 2 ) als Arbeiten dieses 
Künstlers betrachtet werden müssen. Denn hier 
für' sprechen einerseits die auf ihnen angebrachteil 
Ramenüchifferil des Landgrafen Karl, anderseits 
die seiner Regnrungszeit allgehörenden Jahres 
zahlen 1726 bezw. 1728; ja, es inöchte sogar 
scheinen, als ob das mit letzterer Jahreszahl 
versehene Ei, das neben dem Namenszuge Karl's 
auch den hessischen Löwen ltitb Hinweise ans die 
Bebauung des Karlsberges itnb die Errichtung 
der Oberneustädter Kirche trägt, mit jenen! 
Straußenei identisch wäre, für das Dobbermann 
nach Ausweis der oben erwähnten Akten de Anno 
1728 unter 66 auf S. 131 am 9. Juli desselben 
Jahres 25 Thaler empfing, ebenso wie es möglich 
sein dürste, jenes zweite noch ebendort vorhandene, 
mit einem anderen „geschnittenen Strauß Eh" 
in ' Verbindung zu bringen, für das der Künstler, 
wie es scheint im Juli 1727, die gleiche Sumlne 
erhalten hatte. 
' Wird man ihm so mit ziemlicher Sicherheit 
diese beiden Arbeiten zuweisen können, so dürfte 
wohl auch die Sammlung der Kunstgegenstände 
in Bernstein (Zimmer 111, Schrank V) noch 
manches Werk enthalten, das für Dobbermann 
in Anspruch zu nehmen sein wird. Bisher gelten 
nur drei derartige Arbeiten für eigenhändige 
Werke des Künstlers, nämlich die Statuette einer 
Kleopatra (Nr, 18), die kleine Gruppe von Boreas, 
der die Oreithyia raubt (Nr. 19), und ein Kron 
leuchter (Nr. 8). 8 ) Es sind zweifellos dieselben 
Werke. die schon in den Akten erwähnt werden. 
So heißt es z. B. in einem leider undatirten Pro 
memoria : „Die kleine Crone von Birnstein ist nach 
der Inventarisation von dem Dobbermann gemacht 
ins Kunsthauß geliefert worden" und weiter in 
einem Schriftstück von 1763 „zwey Statuen von 
Bernstein rtitf Elffenbein piedestaux von Dob 
bermann". Z Diese drei Stücke, offenbar identisch 
mit den oben genannten, scheinen aber erst nach 
Dobbermanifis Tode aus dem Besitze seiner 
Erben in die Sammlungen des damaligen 
Kunsthauses gekommen zu sein. 
Wie alle Kunstgegenstände in Bernstein, sobald 
sie als selbstständige künstlerische Leistungen auf 
treten, auf wirklichen Kunstwerth keinen Anspruch 
erheben können, sondern im Allgemeinen nur als 
eine durch die jeweilige Mode oder persönliche 
h Vergl. Führer durch den Unterstock der neuen 
Bildergallerie zu Kassel. Von Professor A. Lenz. 
Kassel 1896, S. 49. 
3 ) Vergl. Lenz a. a. O. S. 33. 
4 ) Die Figur der Kleopatra wie die Boreasgrnppe 
stehen auf Sockeln von Elfenbein, die mit Reliefs, 
Kampfdarstellungen und Kindergruppen, verziert sind. 
! Liebhaberei hervorgerufene Kuriosität betrachtet 
werden müssen, bei der fast allein die technische 
Seite Beachtung verdient, so sind auch jene drei 
Arbeiten keine sonderlich erfreulichen Leistungen 
und gewiß keine Kunstwerke im höheren Sinne 
i des Wortes. Trotzdem wird man die Geschick 
lichkeit bewundern müssen, mit der der Künstler 
fein Material bearbeitet hat, wenn auch aus 
der anderen Seite leicht zu erkennen ist, daß die 
darauf verwendete Mühe in keinem richtigen 
Verhältniß zu dem sehließlichen Effekt steht. Am 
erträglichsten wirken unter diesen Gegenständen 
immer noch solche, die, wie z. B. Dosen, Kästchen, 
Spiegelrahmen u. s. w., eine mehr praktische, 
bezw. dekorative Bedeutung haben, und zu ihnen 
wird man auch, wenn man von einer wirklichen 
Verwendung absieht und nur Ziergegenstände in 
ihnen erblickt, die Kronleuchter in Bernstein 
rechnen dürfen, von denen sich auch noch in 
anderen Sanlmlungen, wie z. B. im Schlosse 
Rosenborg bei Kopenhagen, vereinzelte Exemplare 
erhalten haben. 
Während sich so als sichere Werke aus der 
Frühzeit des Künstlers außer geschnitzten Straußen 
eiern nur Arbeiten in Bernstein nachweisen lassen, 
muß es auffällig erscheinen, daß in den auf 
Dobbermann bezüglichen Akten, soweit sie der 
Regierungszeit des Landgrafen Karl angehören, 
an keiner Stelle ein Elfenbeinbildwerk des 
Künstlers erwähnt wird, ja, daß sich nicht einmal 
irgend ein Hinweis auf ein solches, sowie auf 
seine Thätigkeit als Elfenbeinschnitzer findet, in 
der doch Dobbermann als Künstler zweifellos 
sein Bestes geleistet hat. 5 ) Freilich wird man 
aus dieser Thatsache nicht ohne Weiteres 
schließen dürfen, daß er in seiner ersten Periode 
überhaupt kein derartiges Werk angefertigt habe; 
vielmehr wird man annehmen müssen, daß sich 
unter den in den Akten ganz allgemein als 
„verfertigte Arbeit" und „ein und andere Sachen" 
bezeichneten Werken auch solche aus Elfenbein 
befunden haben. Daß er aber gerade als Elfen 
beinschnitzer überaus fleißig war und dabei auch 
Tüchtiges zu leisten vermochte, beweist die große 
Zahl und die z. Th. hohe Vortresslichkeit seiner 
ebenfalls im Untergeschoß der Kasseler Gemälde- 
gallerte aufbewahrten Werke dieser Art, die jeden- 
“) Der erste urkundliche Hinweis auf seine Thätigkeit 
als Elfenbeinschnitzer findet sich in einer vom 13. April 
1739, also ans der Regierungszeit Wilhelm's V111., 
datirten Akte, in der es heißt: „Dem Rath Schmincke 
befehlen Wir hiermit gnädigst die dreh Stücke Helfenbein, 
so von der helffenbeinernen Pyramide übrig' geblieben 
nnd Er im Knnsthause in Verwahrung hat, dein Dob 
bermann zu einer ihm zu verfertigen anbefohlener arbeit 
gegen schein anszuliefsern."
	        

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